Deutschland steuert auf ein Rekordjahr bei Waldbränden zu. In diesem Jahr verbrannten bereits fast 4300 Hektar Wald, wie der Deutsche Feuerwehrverband und der Waldeigentümerverband am Freitag in Berlin erklärten.
Feuerwehrmann nach einem Waldbrand in Brandenburg
Feuerwehrmann nach einem Waldbrand in Brandenburg - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Feuerwehr: Schon fast 4300 Hektar verbrannt - Experten sehen Totholz als Risiko.

Das ist mehr als das Fünffache des jährlichen Durchschnittswerts. Der dadurch entstandene Holzschaden summiert sich demnach auf bis zu 40 Millionen Euro. Feuerwehren und Waldeigentümer fordern finanzielle Unterstützung etwa für den Waldumbau und warnen vor Totholz als Brandrisiko.

Bereits 2019 waren mehr als 2700 Hektar Wald in Deutschland abgebrannt. Laut Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden im Jahr 1992 sogar rund 4900 Hektar durch Feuer zerstört.

«Wir können uns weitere Waldbrandsommer dieser Art nicht leisten», warnte Andreas Bittner, Präsident des Waldbesitzerverbands. Das Risiko könne durch gezielten Waldumbau und das Anlegen von weniger brandgefährdeten und klimaresistenteren Mischwäldern deutlich reduziert werden.

Dieser Aufwand sei allerdings nicht mehr in bisherigem Umfang aus den Holzerlösen zu tragen. Der Verband schätzt die Kosten für den nötigen Waldumbau auf bis zu 15.000 Euro je Hektar. Die Waldbesitzer könnten dies «allein nicht stemmen», sagte Bittner.

Auch die Feuerwehr sieht sich bei der Waldbrandbekämpfung regional an der Belastungsgrenze und fordert mehr Prävention und Aufklärung. Rund 90 Prozent der Waldbrände gingen auf menschliches Fehlverhalten zurück.

«Wir müssen einfach den Menschen wieder beibringen, wie sie sich zu verhalten haben und was es bedeutet, wenn der deutsche Wald brennt», sagte Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands. Er forderte «zwingend ein Rauchverbot im Wald».

Als weitere Massnahmen nannte der Feuerwehrchef neue Technik wie leichtere und geländegängige Löschfahrzeuge, mehr Unterstützung aus der Luft durch Löschhubschrauber, Löschwasserdepots in Wäldern, die Schaffung von baumfreien Schutzstreifen und ein besseres Totholzmanagement.

Falsch verstandener Naturschutz könne dazu führen, «dass eine Bekämpfung von Bränden unnötig erschwert und verzögert wird», kritisierte Banse. So sei Totholz zwar wichtig für die Rückgabe von Nährstoffen an den Waldboden und als Rückzugsraum für Insekten und Kleintiere. In besonders gefährdeten Gebieten sei jedoch auch in Naturschutzgebieten eine Beschränkung nötig, um die Brandbekämpfung effektiver zu machen.

Zu viel Totholz begünstige die schnelle Brandausbreitung am und im Boden und verhindere eine direkte Brandbekämpfung im Wald. «Totholz kann zur Verschärfung eines Waldbrandes Beitragen», warnte der Feuerwehrchef.

«Wälder sich selbst zu überlassen, steigert die Waldbrandgefahr aufgrund des erhöhten Totholzanteils erheblich», erklärte auch der Verband Familienbetriebe Land und Forst. «Trockenes und leicht entflammbares Totholz verwandelt unsere Wälder in Pulverfässer.»

Verbandschef Max von Elverfeldt warnte in diesem Zusammenhang vor den von der EU geplanten teilweisen Flächenstilllegungen von Wald und Feld in Europa. Dies vergrössere das Waldbrandrisiko in den kommenden Sommern um ein Vielfaches.

Der Vorschlag von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), Wälder zu «naturnahen klimaresilienten Ökosystemen» weiterzuentwickeln, sei der falsche Weg, erklärte von Elverfeldt. «Nur eine nachhaltige Bewirtschaftung kann unsere Wälder schützen und helfen Waldbrände zu verhindern.»

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