Coronavirus

    Coronavirus befällt auch Nieren und andere Organe

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    Deutschland,

    Zunächst galt Covid-19 nur als Erkrankung der Atemwege. Das Virus verbreitet sich jedoch nicht nur dort. Besonders stark schadet der Erreger auch den Nieren.

    Betten und medizinische Behandlungsgeräte stehen im Intensivbereich des temporären Corona-Behandlungszentrum auf dem Berliner Messegelände. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa
    Betten und medizinische Behandlungsgeräte stehen im Intensivbereich des temporären Corona-Behandlungszentrum auf dem Berliner Messegelände. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das neue Coronavirus befällt laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) neben der Lunge auch zahlreiche andere Organe.

    «Sars-CoV-2, das neuartige Coronavirus, ist nicht nur ein Lungenvirus, sondern ein Multiorganvirus», sagte der Leiter der Studie, Tobias Huber, in Hamburg. Das hätten Untersuchungen von 27 an Covid-19 gestorbenen Patienten gezeigt. In einer weiteren Studie sollen am UKE Häufigkeit und Schwere von Infektionen bei Kindern untersucht werden.

    Das bei Erkrankten nach der Lunge am zweithäufigsten betroffene Organ seien die Nieren, «nicht selten bis hin zum totalen Organausfall», sagte Huber, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik am UKE. Ausserdem habe man den Erreger in Herz, Leber, Gehirn und Blut der Patienten nachweisen können. Die höchsten Konzentrationen hätten sich aber in den Zellen der Atemwege gefunden.

    Der Befall der Nieren sei vermutlich die Ursache dafür, dass Covid-19-Erkrankte häufig Auffälligkeiten im Urin aufwiesen, sagte Huber. «Zudem könnte dies die extrem hohe Rate von bis zu 50 Prozent an akuten Nierenversagen bei Covid-19-Patienten erklären.»

    Der mögliche Befall weiterer Organe müsse bei der Behandlung von Corona-Patienten berücksichtigt werden. «Wir müssen alle Symptome im Blick haben, nicht nur die Luftknappheit», sagte Huber. In weiteren Studien solle auch geklärt werden, inwieweit Veränderungen im Urin als Frühwarnsystem für schwere Covid-19-Verläufe dienen könnten.

    In Berlin wurden bislang mindestens elf Covid-19-Tote obduziert. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit auf eine parlamentarische Anfrage des Linke-Abgeordneten Wolfgang Albers hervor.

    Als Todesursachen wurden demnach am häufigsten Blutvergiftung bei Lungenentzündungen (vier Fälle), Lungenversagen (drei Fälle) und Herzversagen (zwei Fälle) festgestellt. In allen elf Fällen habe das Pathologie-Institut der Charité festgestellt, dass die Todesursachen «kausal durch Covid-19 bedingt» gewesen seien, hiess es.

    Wie häufig sich Kinder und Jugendliche infizieren und wie anfällig sie für einen schweren Verlauf der Infektion sind, soll die neue Studie C19.Child Hamburg zeigen, an der sich neben dem Kinder-UKE auch alle anderen Hamburger Kinderkliniken beteiligen. Die Mediziner wollen Daten von rund 6000 gesunden und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen mit und ohne Covid-19-Symptome einbeziehen.

    Zugleich solle erforscht werden, «wie gross das Risiko einer Verbreitung des neuartigen Coronavirus durch asymptomatische Kinder ist und ob chronisch kranke Kinder ein grösseres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion haben als gesunde Kinder», sagte die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE, Ania C. Muntau.

    Die in der Öffentlichkeit häufig mit grosser Sicherheit vertretene Meinung, dass Kinder nicht oder nicht schwer an Covid-19 erkranken, habe sie verwundert, sagte Muntau, «weil wir einfach keine Evidenz dazu haben». Es sei bisher gar nicht umfassend untersucht worden. «Insofern ist das eine absolut offene Frage, ob Kinder und wie häufig und wie schwer sie erkranken.»

    Kinder seien auch nur sehr restriktiv getestet worden. «Und möglicherweise haben wir dort eine sehr hohe Dunkelziffer und haben einen sehr hohen prozentualen Anteil von positiven Kindern ohne Symptome, die für das Geschehen in der Bevölkerung, die Ausbreitung der Pandemie, eine ganz wichtige Rolle spielen.» Für Hamburg könne sie jedenfalls sagen: «Wir haben keine schwer erkrankten Fälle gesehen. Und ich glaube, die wären uns aufgefallen.»

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