Wegen KI: Kais kämpfen mit ihrem Vornamen – Expertin warnt Eltern

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Bern,

    KI ist aktuell in aller Munde. Männer mit dem Vornamen Kai machen damit spezielle Erfahrungen.

    KI
    Der KI-Trend lässt manche Kais zusammenzucken. - pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Kai und Kay fühlen sich vermehrt angesprochen, wenn das Wort KI fällt.
    • Eine Vornamensberaterin würde Eltern bei der Wahl des Namens zur Vorsicht raten.
    • Kommunikationsexperte Stefan Häseli glaubt hingegen, dass der Begriff KI schon bald verschwindet.

    In der Sitzung zuckt Kai regelmässig zusammen. Der Grund: Das Kadermitglied eines Schweizer Unternehmens fühlt sich ständig angesprochen.

    Allerdings nicht, weil dann auch sein Name gefallen ist. Jemand hat lediglich gesagt: «Das müsste KI machen.»

    Gemeint ist Künstliche Intelligenz – die Technologie, die meist mit «KI» abgekürzt wird. Und in den Ohren von Kai reimt sich dies mehr oder weniger auf seinen Vornamen. Um das Missverständnis komplett zu machen, heissen manche KI-Assistenten tatsächlich Kai.

    Seit KI in aller Munde ist, macht auch Kay spezielle Erfahrungen mit seinem Vornamen. «Wenn jemand KI erwähnte, fühlte ich mich zu Beginn angesprochen», sagt der 21-jährige Mechatroniklernende aus Bern zu Nau.ch.

    Mit der Zeit habe er sich aber daran gewöhnt. «Zudem sagen viele heute ja auch Chat GPT oder erwähnen andere KI-Anbieter.»

    Der KI-Trend hat bei Kay auch zu einem neuen Spitznamen geführt. «Ein Kollege nennt mich halt manchmal KI», sagt er. Er finde es okay. «Es ist ein lustiger Spitzname.»

    44 heissen Kai, vier Kay

    Die Vornamen Kai und Kay waren aber auch schon beliebter. Im Jahr 2025 heissen in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik (BFS) 44 Neugeborene Kai. Im Jahr 2000 waren es noch 61.

    Den Namen Kay tragen sogar nur noch vier Neugeborene. Im Jahr 2000 waren es noch 18.

    Der KI-Trend dürfte daran aber nicht schuld sein. Denn: Im Vergleich zum Jahr 2023 mit 32 Kais ist der Name 2025 beliebter geworden. Kay heissen 2025 doppelt so viele Neugeborene wie 2023, als es nur zwei waren.

    Findest du die Abkürzung KI gut?

    Auch in Deutschland hat KI zu keinem Wendepunkt bei der Wahl des Vornamens Kai geführt. Kai sei in Deutschland insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren ein sehr beliebter Bubenname gewesen, sagt Andrea-Eva Ewels. Sie ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden.

    Damals habe sich Kai in der Spitzengruppe der Vornamen befunden. «Seit dieser Hochphase ist seine Popularität kontinuierlich zurückgegangen.» Dieser Prozess habe demnach lange vor der heutigen Präsenz von Künstlicher Intelligenz eingesetzt.

    «Dass dies zu Sprüchen führen könnte»

    Andrea Horka ist Vornamensberaterin. Bisher habe sie keine Eltern beraten, die den Namen Kai oder Kay auf ihrer Favoritenliste gehabt hätten.

    «Es ist denkbar, dass Eltern durch KI eher vom Namen Kai absehen», sagt sie. Auch Siri oder Alexa seien mit einer starken Assoziation belegt und weniger gewählt worden. Siri und Alexa sind beide bekannte Sprachassistenten.

    «Aktuell würde ich darauf hinweisen, dass es eine gewisse Ähnlichkeit im Klang zwischen Kai und KI gibt», sagt Horka. «Und dass dies zu Sprüchen führen könnte.»

    KI werde sich rasant weiterentwickeln und dessen Auswirkungen seien noch nicht absehbar, so Horka. «Ich rate Eltern, sich bewusst zu machen, welche Verbindung sie zum Namen Kai haben und weshalb sie ihn wählen.»

    Die Vornamenberaterin hält aber auch für möglich, dass KI für technikaffine Eltern sogar attraktiv sein kann. «Sie finden es vielleicht genau reizvoll und zeitgemäss, einen Bezug des Namens zu einem so machtvollen Tool herzustellen.»

    Wer richtig betone, schliesse Verwechslungen aus

    Im Umgang mit Namen, die auch im Alltagsvokabular vorkommen, kennt sich Kommunikationsexperte Stefan Häseli aus eigenen Erfahrungen aus. In seinem Fall handelt es sich um den Nachnamen.

    «Ich wurde auch immer in der Schule bei jeder Märchenerzählung vom Häsli und dem Igel angeschaut», sagt er. Da gewöhne man sich dran.

    «Es ist ja auch so, dass Karen auch mit ‹den Karren aus dem Dreck ziehen› gemeint sein könnte oder ‹lies!› als Teil des Namens ‹Lies-Marie›.»

    Schliesslich kann man sich laut Häseli aber vor Missverständnissen hüten, indem man alles korrekt ausspricht. «Heisst, wer KI und Kai richtig betont, schliesst Verwechslungen aus.»

    Auch Andrea-Eva Ewels stellt klar: KI sei im Gegensatz zu Kai eine Abkürzung. Im Deutschen werde diese als Folge der beiden Buchstabennamen gesprochen. «Die beiden Formen sind also weder lautlich noch sprachgeschichtlich miteinander verwandt.»

    Neue Bezeichnung für KI

    AI steht für Artificial Intelligence. Wenn KI im Büro mit AI abgekürzt wird, löst sich das Problem für die Kais und Kays.

    Stefan Häseli macht darauf aufmerksam, dass englische Abkürzungen oft gerade deutsche ersetzten. Als Beispiel erwähnt er IT für EDV.

    KI
    Der Citroën DS stand für radikalen Fortschritt, technische Innovation und visionäres Design. - pexels

    Da KI im Grunde nichts mit eigentlicher Intelligenz zu tun habe, gebe es ohnehin Bestrebungen, den Ausdruck neu zu denken. «KI ist doch eher ein datenbasiertes System.» Demnach handle es sich um ein DS.

    «Und da kommt natürlich alten Citroën-Fans das Augenwasser», sagt Häseli. Dies, sofern man es nicht zu DBS für «data based system» abkürze. 1955 stellte Citroën das neue Modell DS in Paris vor. Das auch «Göttin» genannte Modell stand für radikalen Fortschritt, technische Innovation und visionäres Design.

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    Kommentare

    User #1200 (nicht angemeldet)

    Oje oje, aber tolles Symbolbild für Kais😂👍

    User #2560 (nicht angemeldet)

    Ich kenne Eltern, die ihre Kinder wie Ikeamöbel getauft haben. Arme Kinder.

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