Ceuta: Löste dieses Video den Migranten-Ansturm aus?
Ein Video von lachenden Marokkanern nach der Grenzüberquerung nach Ceuta kursiert im Netz. Laut einer Migrationsexpertin könnte es den Ansturm ausgelöst haben.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Facebook-Video zeigt lachende Marokkaner kurz nach ihrer Ankunft in Ceuta.
- Eine Migrationsforscherin sieht darin einen Auslöser für den Ansturm auf die Exklave.
- Myriam Cherti sagt dazu: «Das ist eine Art Schaufenster für die eigenen Leute.»
Ein Video von rund 30 lachenden Marokkanern könnte den jüngsten Migranten-Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta ausgelöst haben. Das sagt eine Migrationsexpertin gegenüber der «Daily Mail».
In der Aufnahme zeigen die Männer Peace-Zeichen und strecken die Daumen in die Kamera. Einige halten dabei provisorische Ausweis- oder Registrierungspapiere in die Höhe. Die Kamera schwenkt über die Gruppe, während sich die Männer vor der Sonne an Mauern, am Strassenrand und unter Bäumen verstecken.
Der Clip trägt die Bildunterschrift «stay safe», dazu Hashtags zu Ceuta sowie die Einblendungen «thank you Spain» und «safe arrival to you». Das Video sei auf Facebook veröffentlicht worden, wenige Tage bevor mehr als 60'000 Migrantinnen und Migranten in das nur gut 18 Quadratkilometer grosse Gebiet mit 84'000 Einwohnern strömten.
Am Vorabend des Massenansturms sei zudem ein weiterer Clip auf Tiktok aufgetaucht. Er zeige ein Gebäude in der marokkanischen Stadt Tetouan, in dem offenbar Neoprenanzüge und Schwimmflossen verkauft würden.

«Schaufenster für die eigenen Leute»
Myriam Cherti, leitende Forscherin am «Centre on Migration, Policy and Society» der Universität Oxford, sieht das Video als Grund für den Massenansturm. «Der erste Post kam am Samstag, eine Gruppe junger Marokkaner, die es nach Ceuta geschafft hatten und die Nachricht teilten, dass sie sicher angekommen waren», sagt Cherti.
«Es waren 20 bis 30 Personen, das ist eine Art Schaufenster für die eigenen Leute.»

Cherti beobachtete danach, wie sich ähnliche Videos von einer Plattform zur nächsten verbreiteten. Unter anderem seien Beiträge mit dem Satz «El Ghorva ruft» aufgetaucht – ein Ausdruck dafür, im Ausland zu leben.
«Ich habe meinen Kolleginnen und Kollegen gesagt, sie sollen am Mittwoch aufpassen. Am Donnerstag war es dann in sämtlichen Nachrichten», so die Forscherin.
Spanische Polizeigewerkschaften sprechen von «Sogfaktor»
Der virale Trend habe Menschen aus verschiedenen Regionen Marokkos dazu bewogen, in Richtung Tetouan und der Nachbarstadt Fnideq zu reisen und den öffentlichen Verkehr zu überlasten.
«Die Bahnhöfe waren am Donnerstag überfüllt, auch der Schnellzug nach Tanger. Um neun Uhr morgens waren sie noch leer, zwei Stunden später komplett voll», berichtet Cherti.
Videos von Menschen, die in die Züge stiegen, hätten den Eindruck vermittelt, die Grenze sei offen und jetzt sei die Gelegenheit da, sie zu überqueren.

Nach Einschätzung der Expertin dürfte auch ein Entscheid des spanischen Obersten Gerichts vom Juli eine Rolle gespielt haben. Migranten, die auf dem Seeweg ankommen, können demnach nicht mehr ohne ordentliches Verfahren sofort zurückgeschickt werden.
Spanische Polizeigewerkschaften sprechen laut «Daily Mail» von einem entsprechenden «Sogfaktor».
Grenze von Ceuta seit Pandemie geschlossen
Die Grenzen der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla waren einst offen für den täglichen Handel, wurden während der Pandemie geschlossen und blieben es seither dauerhaft.
Der dadurch entstandene Verlust von Arbeitsplätzen habe laut Cherti dazu beigetragen, dass viele Menschen weiterhin versuchen, die Grenze illegal zu überqueren.

«Viele, mit denen ich gesprochen habe, wissen selbst nicht mehr, wie oft sie es schon versucht haben», sagt sie. «Sie werden aufgegriffen und zurückgeschickt, es wird zu einer persönlichen Herausforderung. Die Grenze zu schliessen, wird sie nicht unbedingt aufhalten.»
Zusammensetzung von Migranten hat sich verändert
Laut der Migrationsforscherin hat sich zudem die Zusammensetzung der Migrantinnen und Migranten verändert. Wurde die Bewegung früher vor allem jungen Menschen getragen, seien inzwischen auch ganze Familien, Menschen mit Behinderungen und alleinreisende Frauen darunter. Dies habe die marokkanischen Grenzbeamten zunehmend überfordert, teils hätten sie selbst Menschen retten müssen.















