Ceuta – Korrespondent: «Genannte Zahlen können nicht stimmen»

    Simon Binz
    Simon Binz

    Spanien,

    Ein SRF-Korrespondent zweifelt an der Darstellung der spanischen Behörden, dass sich nur noch rund 2500 Migranten in Ceuta befinden.

    Ceuta Migration
    Ein Wegweiser mit der Aufschrift «Frontera» zeigt auf die überfüllte Grenzübergangsstelle zwischen Ceuta und Marokko. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • SRF-Korrespondent Böhnisch zweifelt an den offiziellen Zahlen zu Migranten in Ceuta.
    • Rückkehrer berichten von fehlender Versorgung und Vertreibung durch Nachbarn.
    • Ceutas Bevölkerung vermutet eine gezielte Aktion Marokkos gegen Spanien.

    In den letzten Tagen sind rund 50'000 bis 60'000 Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangt. Viele davon schwimmend entlang der Küste. In der spanischen Exklave herrschte zeitweise absoluter Ausnahmezustand.

    Mittlerweile soll sich die Lage aber wieder beruhigt haben. Die spanischen Behörden erklärten bereits am Freitagabend: Fast alle Migrantinnen und Migranten seien mittlerweile wieder nach Marokko zurückgekehrt. Es gibt jedoch Zweifel an dieser Darstellung.

    So schildert etwa Korrespondent Markus Böhnisch am Samstag in einem Interview mit SRF, dass die Lage vor Ort zwar spürbar entspannter sei als noch am Vortag. Von den grossen Menschenmengen auf den Strassen ist demnach kaum mehr etwas zu sehen, ausser zurückgelassenem Müll an Stränden und in Parks.

    Verfolgst du die Berichte um den Migranten-Ansturm in Ceuta?

    Die offiziell genannte Zahl von nur noch rund 2500 Irregulären in Ceuta hält Böhnisch jedoch für unrealistisch. In Grenznähe und in mehreren Vierteln der Exklave habe er weiterhin sehr viele Menschen gesehen, von denen nur ein Teil tatsächlich auf dem Weg zur Grenze gewesen sei.

    Auch der Präsident der Stadt Ceuta habe ihm gegenüber bestätigt, dass letztlich deutlich mehr Menschen in der Stadt gewesen sein müssen als offiziell geschätzt.

    Warum sind die Migranten freiwillig zurückgekehrt?

    Zur angeblich freiwilligen Rückkehr der Migranten sagte Böhnisch, er habe mit einigen Rückkehrern gesprochen. Demnach hätten diese weder eine Betreuung noch Essen oder Trinkwasser vorgefunden. Zusätzlich seien die meist jungen Marokkaner in einigen Stadtteilen von Anwohnern vertrieben worden.

    Ohne Aussicht auf einen Verbleib, eine Weiterreise auf die iberische Halbinsel oder wenigstens eine Grundversorgung sei den Betroffenen letztlich nichts anderes übriggeblieben, als nach Marokko zurückzukehren.

    Hat Marokko die Ausreise «geduldet»?

    Zu den Vorwürfen einer gezielten «Steuerung» oder «Duldung» der Ausreise durch Marokko hielten sich sowohl die spanische Regierung als auch Oppositionschef Alberto Núñez Feijóo mit direkten Anschuldigungen zurück.

    In der Bevölkerung Ceutas selbst gebe es hingegen kaum Zweifel: Man gehe davon aus, dass Marokko mit der Aktion die Reaktionsfähigkeit Spaniens habe testen wollen. Migration als Druckmittel gegenüber Spanien einzusetzen, sei für Marokko kein neues Muster, meint Böhnisch.

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    Kommentare

    User #5947 (nicht angemeldet)

    Aber sicher stimmen diese Zahlen! Ein Sozialist, der ansonsten auch gerne pro Migration ist, schwört, dass sie stimmen, wie kann man da zweifeln?

    User #5153 (nicht angemeldet)

    Auf Social Media kocht der Volkszorn nicht nur in Ceuta, immer mehr auch in Barcelona etc über. Ein Königreich für mein C2 im DELE

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