Ceuta-Ansturm: Jetzt errichtet Spanien 500-Meter-Sperre im Meer

Die meisten der Migranten wurden wieder nach Marokko zurückgebracht. Italien hat das Schengen-Abkommen mit Spanien ausgesetzt. Alles Neue gibt es im Ticker.

ceuta
Zehntausende Migranten strömten nach Ceuta. Fast alle wurden zurück nach Marokko gebracht. - keystone

Rund 50’000 bis 60’000 Migranten stürmten in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Laut spanischen Angaben sind fast alle wieder nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 57 Personen sind gestorben.

Die Krise sorgte für viel Kritik an der spanischen Politik und am Schengen-Abkommen. Italien hat dieses mit Spanien ausgesetzt. Rom will bei Reisenden, die von dort kommen, wieder Grenzkontrollen durchführen.

Ceuta
Ceuta liegt in Nordafrika, gehört aber zu Spanien. Sie liegt direkt am Mittelmeer und ist von Marokko umgeben. Um den Grenzzaun zu umgehen, schwammen die Migranten nun übers Meer. - Google Maps

In Ceuta leben rund 85’000 Menschen. Das Gebiet gehört zwar zum Schengen-Raum, es gelten jedoch spezielle Regeln. So müssen bei der Ausreise Richtung Spanien Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Im Ticker von Nau.ch bleibst du auf dem Laufenden.

Spanien errichtet Schwimm-Sperre im Meer

Spanien trifft nach dem Migranten-Ansturm in Ceuta weitere Massnahmen: Wie die «Bild» berichtet, errichten die spanischen Behörden vor der Küste nun eine 500 Meter lange Schwimm-Sperre.

Spanien Ceuta
Die Spanier errichten eine Schwimm-Sperre. (Symbolbild) - keystone

Diese werde an der Grenzanlage von Tarajal installiert, wo besonders viele Migranten durchschwammen. Die Sperre ist demnach einen Meter tief und ragt nur leicht aus dem Wasser. Ein kleiner Abschnitt soll frei bleiben, damit weiterhin Bootspatrouillen passieren können.

Brief von EU-Staats- und Regierungschefs erhöht Druck

Mehrere europäische Staats- und Regierungschefs haben mit einem offenen Brief den Druck auf Spanien nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erhöht. In dem Schreiben, das auch Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet hat, äussern sie ihre grosse Besorgnis über die Lage und werfen Madrid indirekt vor, mit jüngsten Entscheidungen unerwünschte Signale ausgesendet zu haben.

So prangert der Brief eine migrationspolitische Entscheidung der spanischen Regierung an. Vor einigen Monaten hatte Spanien als Massnahme gegen den Arbeitskräftemangel die Legalisierung von rund 500’000 irregulären Migranten eingeleitet.

Ceuta Migranten
Migrants rest after crossing from Morocco into the Spanish enclave of Ceuta, Friday, July 31, 2026. - keystone

Die Unterzeichner mahnen in dem Brief an, man müsse sich mit politischen Massnahmen auseinandersetzen, die Anreize für Migration geben könnten – und nennen an dieser Stelle ausdrücklich die «Legalisierung einer sehr grossen Zahl irregulärer Migranten». Profitieren sollen von dieser Massnahme allerdings Asylbewerber, die ihren Antrag vor Ende 2025 gestellt haben – keine Neuankömmlinge.

Zudem stellt der Brief eine Verbindung zwischen dem Ansturm und einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs her. Diese sei «benutzt worden, um diesen Angriff auszulösen und unser Migrations- und Asylsystem zu missbrauchen».

Das Gericht hatte entschieden, dass die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig.

Spaniens Premier kritisiert einige EU-Länder

Dem spanischen Premierminister hat die Reaktion einiger EU-Länder auf den Ceuta-Ansturm gar nicht gefallen. Er kritisiert die «egoistische, polarisierende und rechtswidrige Reaktion» einiger EU-Mitgliedstaaten.

Pedro Sanchez
Ein vom Büro des spanischen Ministerpräsidenten zur Verfügung gestelltes Foto zeigt den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez bei einer Pressekonferenz in Ceuta, Spanien, am 31. Juli 2026. - keystone

In einem Schreiben an Brüssel erklärte er laut «El Pais», mehrere europäische Staaten hätten beschlossen, Spanien «anzugreifen» und dessen vorübergehenden Ausschluss aus dem Schengen-Raum zu fordern. Dies, getrieben von «Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen».

Das stehe im Widerspruch zum europäischen Recht, zum humanitären Recht und zu den Grundsätzen der EU-Solidarität.

Zahl der Toten steigt auf 67

Laut der spanischen Regierung ist die Zahl der Toten nach dem Ansturm durch Migranten auf Ceuta auf 67 gestiegen. Das gab sie am Samstag bekannt.

Angespannte Nacht in Nordafrika-Exklave Melilla

Nach versuchten Grenzübertritten hat die Polizei in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla Medienberichten zufolge die ganze Nacht die Grenze zu Marokko abgesichert. Auf Bildern des staatlichen Fernsehens RTVE war zu sehen, wie zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil mit Blaulicht den Grenzverlauf entlangfahren.

Melilla
Hier liegt die zweite spanische Enklave in Nordafrika: Melilla, - Google Maps

Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von «mehreren Versuchen». Am späten Freitagabend hatten rund 500 Menschen in mindestens zwei Schüben versucht, sich von Marokko aus Zutritt zu der Exklave zu verschaffen, wie Medien berichteten.

Mehrere Menschen warfen demnach Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Es blieb unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen.

Marokko zog kurz vor Ansturm Grenzpolizisten ab

Laur spanischen Sicherheitskreisen hatten sich die marokkanischen Grenzpolizisten kurz vor der Invasion von der Grenze zu Ceuta zurückgezogen. Laut der «Bild» griffen die marokkanischen Behörden erst am Abend des Ansturms auf Ceuta mit Tränengas und Wasserwerfern ein.

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Angehörige der marokkanischen Hilfstruppen sichern am 31. Juli 2026 das Gebiet rund um den Grenzübergang Bab Sebta in der Nähe von Fnideq, Marokko. - keystone

Das sorge bei spanischen Regierungsvertretern für Unmut. Ihnen zufolge wäre der Massenansturm so kaum möglich gewesen, hätten die marokkanischen Sicherheitskräfte nicht zuerst tatenlos zugesehen.

Mit der Kritik hält sich die spanische Regierung öffentlich aber zurück. Stattdessen wird von einer «exemplarische Zusammenarbeit» gesprochen.

EU berät sich in Krisensitzung

In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der grosse Andrang von Migranten zwar nachgelassen – doch die Folgen der Krise sind in Europa längst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.

Ceuta Migranten
Menschen gehen am Freitag, dem 31. Juli 2026, am Strand entlang, nachdem sie versucht hatten, von der nordmarokkanischen Stadt Fnideq in die spanische Enklave Ceuta zu gelangen. - keystone

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu spalten. «Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig», schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht.

Migrant: Marokko ermutigte uns zu Grenzübertritt

Die Polizeigewerkschaft von Ceuta wirft Marokko vor, den Ansturm zu befeuern und als «Instrument politischer Erpressung einzusetzen». Gegenüber der britischen «Times» und der «New York Times» bekräftigen Migranten diesen Vorwurf.

Die Zeitungen sprachen mit mehreren Personen, die nach Ceuta gekommen waren. Diese sagten, Marokko habe sie ermutigt, die Grenze zu übertreten.

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Die marokkanischen Polizisten hinderten die Migranten laut Berichten nicht am Grenzübertritt. - keystone

Einer der Flüchtlinge erzählt, Polizisten hätten ihm den Weg zur Grenze gezeigt. Sie hätten gesagt: «Geht da lang, geht da lang.»

Mehrere Migranten gaben zudem an, gehört zu haben, dass die Grenze «geöffnet» sei.

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Kommentare

User #2261 (nicht angemeldet)

Die EU wird hoffentlich noch vor der Abstimmung zerbröseln.

User #2165 (nicht angemeldet)

Tausende von Milliarden Entwicklungshilfe, sind in die Entwicklungs-und Schwellenländer, in den letzten 50Jahren geflossen !!! Genützt hat es nichts !!! Ansonsten würden diese Flüchtlings-und Einwanderungsströme nicht stattfinden !!! Diese Milliarden für Entwicklungsarbeit, sind durch „Korruptionsfälle, für Kriegsmaterial, sonstige Zweckentfremdung, Bestechungsgelder, politischer Missbrauch“ im Boden versandet !!!

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