Krieg

Deshalb kommt es jetzt zum Ansturm auf Ceuta

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Spanien,

Die Polizeigewerkschaft gibt Marokko die Schuld für den Ceuta-Ansturm. Madrid vermutet ein Gerichtsurteil als Ursache.

ceuta
Hunderte Migranten sind nach Ceuta geschwommen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Hunderte Migranten haben die spanische Exklave Ceuta gestürmt.
  • Die Regierung vermutet, dass ein Gerichtsurteil zu Pushbacks die Ursache ist.
  • Die Polizeigewerkschaft wirft Marokko «hybride Kriegsführung» vor.

Hunderte Migranten stürmten von Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Viele schwammen an den Abschrankungen im Meer vorbei, mindestens zehn Menschen starben dabei.

Ceuta
Ceuta liegt in Nordafrika, gehört aber zu Spanien. Sie liegt direkt am Mittelmeer und ist von Marokko umgeben. Um den Grenzzaun zu umgehen, schwammen die Migranten nun übers Meer. - Google Maps

Ceuta will den Notstand ausrufen und hat Hilfe der Armee angefordert. Die Regierung in Madrid hat Einheiten, die bereits dort sind, mobilisiert. Ministerpräsident Pedro Sánchez will die Exklave heute besuchen.

Es ist nicht der erste Massenansturm: Bereits 2021 stürmten 8000 Migranten die Grenzanlagen und Strände von Ceuta. Doch weshalb findet genau jetzt ein weiterer Ansturm statt?

Die Gewerkschaft der Guardia Civil vermutet ein Urteil des Obersten Gerichtshofs als Ursache, wie sie in einer Mitteilung schreibt. So verboten die Richter Anfang Monat die Pushbacks, also eine Abschiebung, wenn Migranten schwimmend nach Spanien gelangen.

Auch die Regierung in Madrid geht davon aus, dass dieses Urteil viele Migranten anzieht. Sie gibt aber auch Menschenhändlerringen die direkte Verantwortung für den Ansturm.

Die Gewerkschaft der Polizei hingegen sieht die Schuld bei Marokko. Sie schreibt von einer «Strategie der hybriden Kriegsführung». Das Land wolle den Migrationsdruck als «Instrument politischer Erpressung einsetzen».

migranten
Viele Migranten schwimmen nach Ceuta. Schwimmringe und Neoprenanzüge lassen sie zurück. - keystone

Madrid gibt Marokko keine Schuld, obwohl sich das Land bislang nicht zur Migrationskrise geäussert hat. Beide Länder betonen, die Zusammenarbeit ausbauen zu wollen.

Migranten rufen sofort nach Ankunft weitere Flüchtlinge an

Gegenüber der Zeitung «El Mundo» erklärt ein in Ceuta stationierter Oberst der Armee, dass sich der Ansturm abgezeichnet habe. Schon in den letzten Tagen habe es mehrere Ansammlungen von Migranten in Grenznähe gegeben.

Dennoch war am Donnerstagmorgen, als der Ansturm begann, laut dem Oberst bloss eine einzige Patrouille am Strand unterwegs. Als die Migranten dann die Grenze überschritten, konnte sie nichts unternehmen.

Der Offizier beschreibt, dass viele Migranten gut ausgerüstet seien: Sie schwammen in Neoprenanzügen auf die spanische Seite, die Handys hätten sie in wasserdichten Hüllen dabei. Nach der Ankunft würden sie sofort andere, noch wartende Migranten anrufen und ihnen sagen, sie sollten ebenfalls kommen.

Kommentare

User #1459 (nicht angemeldet)

Für mich ist es einfach nur traurig, dass junge Menschen in diesem schönen Land keine Zukunft haben! Aber eben, die weltweite Korruption existiert leider auch in Marokko!!

User #2330 (nicht angemeldet)

die Spuren im Strand und Meer räumt wer ?

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