Von der Leyen: «Bilder aus Ceuta sind inakzeptabel»
Tausende Migranten haben die Grenze der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta überquert. Die Aufnahmeeinrichtungen sind völlig überlastet.

Im Überblick
23- Bericht: Migranten versuchten Grenzüberquerung in Melilla
- Spanien: Nahezu alle Migranten haben Ceuta verlassen
- Minister: Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien aus
- Deutschland verlängert Grenzkontrollen
- Frankreich verstärkt Grenzkontrollen
- Auch Dänemark erwägt Schengen-Ausschluss Spaniens
- Österreich sieht Schengen-Freiheit in Gefahr
- Zahl der Todesopfer steigt: 41 Leichen geborgen
- Grenzübergang in Melilla geschlossen
- Merz drängt auf Schutz der EU-Aussengrenze
- Sánchez: Migrantenandrang in Ceuta ist «Angriff» auf Spanien
- Schweden droht mit Massnahmen, «um Ordnung und Kontrolle zu gewährleisten»
- 34 Leichen vor Ceuta geborgen
- EU-Kommissionspräsidentin verurteilt Situation in Ceuta scharf
- 200 Migranten überquerten Ceuta-Grenze pro Minute
- Nach Italien: Auch Finnland fordert Schengen-Ausschluss Spaniens
- Migranten lassen Schwimmflügeli im Meer zurück
- Von Soldaten begleitet: Hunderte reisen zurück nach Marokko
- Spanische Regierung kündigt Zurückweisungen an
- Frankreich verschärft Grenzkontrollen zu Spanien
- Meloni will Spanien aus Schengen-Raum werfen
- 49'000 Migranten in letzten 24 Stunden
- Hunderte erreichen zweite spanische Nordafrika-Exklave
Innert weniger Tage sollen Zehntausende Migranten die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erreicht haben. Unter den Ankömmlingen befinden sich zahlreiche Minderjährige und Kinder, die Mehrheit der Migranten ist gemäss Behörden-Angaben schwimmend nach Ceuta gelangt.

Für das Gebiet, das nur knapp 85’000 Einwohner zählt, ist der Ansturm gigantisch. Die dortigen Behörden wurden wegen der Überlastung in Alarmbereitschaft versetzt.
Im Nau.ch-Liveticker halten wir dich auf dem Laufenden:
In der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla kam es Berichten zufolge zu erneuten Versuchen von Migranten, irregulär einzureisen. Nach dem Andrang Zehntausender Menschen in Ceuta in den vergangenen Tagen hätten am Freitagabend in Melilla rund 500 Menschen versucht, die Grenze von Marokko aus zu überqueren, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE. Die Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen.
Die Migrationskrise in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ist nach Angaben der spanischen Regierung nach dem Andrang von mindestens 50’000 Menschen nun praktisch überwunden. «Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt», schrieb Aussenminister José Manuel Albares auf X.
Die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet. Es sei nicht möglich, auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen, erklärte Albares nach Kritik anderer Staaten der Europäischen Union. Er kritisierte die «interessengeleitete Verwirrung» rund um die Krise – ohne direkt auf eine bestimmte Regierung hinzuweisen.
Italien hat nach den Worten von Aussenminister Antonio Tajani das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt.
Dieser Schritt sei eine notwendige Entscheidung gewesen, «um die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten und die europäischen Grenzen zu schützen», schrieb Tajani auf der Plattform X.
Zuvor meldeten die italienischen Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos die vom Innenministerium in Rom angeordnete Schliessung der See- und Luftgrenzen zu Spanien. Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die Massnahme dürfte daher Reisende, die mit dem Flugzeug oder Schiff unterwegs sind, mit neuen Grenzkontrollen betreffen.
Italien hat nach den Worten von Aussenminister Antonio Tajani das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt.Deutschland will die Kontrollen an seinen Landesgrenzen über Mitte September hinaus fortsetzen. Das kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt an. Wie lange die Verlängerung gelten soll, liess der CSU-Politiker offen.
Dobrindt begründete den Schritt mit der weiterhin angespannten Migrationslage. Die Kontrollen seien nötig, um unerlaubte Einreisen einzudämmen. Seit September 2024 wird wieder an allen deutschen Landesgrenzen kontrolliert.
Frankreich verschärft wegen des Andrangs von Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien.
Angesichts der Lage in Ceuta habe Präsident Emmanuel Macron den Innenminister zu verstärkten Kontrollen an der spanischen Grenze aufgefordert, teilte der Élysée-Palast in Paris mit. Frankreich berate sich mit den spanischen und marokkanischen Behörden zu der Lage und habe Spanien jede erforderliche Unterstützung angeboten.

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez teilte mit, er habe bereits am Donnerstagabend Anweisungen erteilt, die Kontrollen an der spanischen Grenze unverzüglich zu verstärken. Ausserdem werde die schnelle Eingreiftruppe der Grenzschutzbehörde für Kontrollen auch im Hinterland eingesetzt.
Die bislang an der Grenze zu Italien zur Kontrolle der Migration eingesetzte Einheit besteht aus Kräften der Polizei, Gendarmerie, des Zolls sowie aus Soldaten der Anti-Terror-Gruppe Sentinelle.
Auch Dänemark macht ordentlich Druck auf Spanien. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen fordert, die EU müsse alle Optionen, einschliesslich des Ausschlusses Spaniens aus dem Schengen-Abkommen, prüfen.
Unkontrollierte Migration sei eine «Bedrohung» für Europa und Dänemark, sagte sie gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau.
Österreichs Kanzler Christian Stocker hat angesichts der Ankunft Tausender Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta Madrid zu konsequentem Handeln aufgefordert.
«Jetzt ist entscheidend, dass Spanien seiner europäischen Verantwortung nachkommt und sicherstellt, dass kein einziger illegaler Migrant auf europäisches Festland gelangt», sagte der Regierungschef von der konservativen ÖVP.

Sollte sich die Lage so entwickeln, «dass wir Druck auf unsere nationalen Grenzen spüren, werden wir alles unternehmen, um diese zu schützen – dazu gehören im Bedarfsfall auch temporäre Schliessungen der Schengen-Grenzen», so der Politiker.
In Melilla steht der Verkehr still. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, sollen in den vergangenen Stunden 130 Menschen aus Marokko eingereist sein.

Der einzige funktionierende Grenzübergang zwischen Spanien und Marokko in der Exklave «Beni Enzar» wurde in der vergangenen Nacht geschlossen, nachdem Migranten versucht hatten, über diesen Weg nach Spanien zu gelangen.
Wegen des Ansturms zehntausender Migranten auf die Exklave Ceuta hat Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz die spanische Regierung aufgerufen, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen.
«Der Schutz der Aussengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration», betonte der CDU-Politiker. «Von Marokko erwarten wir, dass sie die illegalen Migranten unverzüglich wieder zurücknehmen», ergänzte der Kanzler.

Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann warnte vor einem Kontrollverlust an der EU-Aussengrenze. «Illegale Migration bedroht uns als Land und Gesellschaft. Es darf keinen Kontrollverlust an den Grenzen geben», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat den Andrang Zehntausender Migranten auf die Nordafrika-Exklave Ceuta als «Angriff» und «Verletzung der territorialen Integrität Spaniens» bezeichnet.

Bei einem Besuch im Gebiet an der Meerenge von Gibraltar sagte er zudem den knapp 85.000 Einwohnern Ceutas die Unterstützung des ganzen Landes zu: «Ganz Spanien steht an eurer Seite. Wir übernehmen die Verantwortung für diese Situation.»
Auch aus Schweden wird die Kritik lauter. Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson schrieb auf der Plattform X, Spanien müsse die Kontrolle wiedererlangen und den Verpflichtungen im Rahmen der Schengen-Zusammenarbeit nachkommen.

Sollte die Entwicklung die Sicherheit oder die Migrationslage in Schweden gefährden, sei seine Regierung zu Massnahmen bereit, «um Ordnung und Kontrolle zu gewährleisten».
Nach Angaben von Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas wurden an der Grenze zur spanischen Exklave inzwischen 34 Leichen geborgen. Am Freitagmittag war noch von 27 Toten die Rede.

Schätzungen zufolge seien rund 60’000 Menschen nach Ceuta eingereist. «Das ist so, als wären 34 Millionen Menschen innerhalb von 24 Stunden nach ganz Spanien eingereist», sagte Vivas an einer Pressekonferenz.
Das Innenministerium spricht derweil von 50’000 Migranten und fügte an, dass 25.000 bereits nach Marokko zurückgekehrt seien. Darüber berichtet der staatliche Fernsehsender Spaniens «RTVE».
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich in den sozialen Medien zur Situation in Ceuta geäussert. «Die Bilder aus Ceuta sind inakzeptabel», schrieb sie.
«Wir können nicht zulassen, dass jemand in unsere Union einreist, ohne unsere Regeln einzuhalten.» Das müsse unverzüglich aufhören, Rückführungen müssten schnell erfolgen.

Die Kommission arbeite gemeinsam mit Frontex an zusätzlicher operativer Unterstützung für Spanien.
Der Ansturm auf Ceuta war gigantisch.

Wie die «Financial Times» unter Berufung auf einen Beamten der Stadtverwaltung in Ceuta berichtet, sollen in Spitzenzeiten rund 200 Migranten pro Minute die Grenze überquert haben.
Nach Italien fordert nun auch Finnland den Schengen-Ausschluss Spaniens. Das Land habe «völlig versagt», die Schengen-Aussengrenze zu schützen, schrieb Finnlands Innenministerin Mari Rantanen auf X.

Sie forderte die anderen Länder Europas auf, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni zu unterstützen. «Solche Länder, die ihre Pflicht zur Sicherung der Aussengrenze nicht erfüllen, können keine Mitglieder von Schengen sein.»
Der spanische Staatssender RTVE berichtet inzwischen von mehr als 50’000 marokkanischen Migranten, die die spanische Enklave Ceuta erreicht haben.
19 Menschen kamen dabei ums Leben. Unter den Migranten befanden sich auch zahlreiche Minderjährige. Viele gelangten schwimmend nach Ceuta und nutzten dabei einfache Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder aufblasbares Spielzeug.
Nach ihrer Ankunft liessen viele ihre Schwimmhilfen zurück. Fotos zeigen zurückgebliebene Plastikabfälle und Ansammlungen von Schwimmutensilien an der Küste.
Wie die spanische Zeitung «El País» berichtet, hätten am Freitag Hunderte Migranten Die Rückreise nach Marokko angetreten. Die Personen waren zuvor irregulär in die spanische Exklave gelangt.

Soldaten hätten die Migranten begleitet, schreibt die Zeitung.
Die spanische Regierung hat angekündigt, die marokkanischen Migranten zurückweisen zu wollen.
Territorialminister Ángel Víctor Torres erklärte gegenüber dem Radiosender «La Radio Canaria», Spanien werde die mit Marokko geschlossenen Migrationsabkommen anwenden. «Es wird sichergestellt, dass diese Personen im Rahmen der geltenden Verfahren in ihr Herkunftsland zurückkehren», sagte er.

Torres betonte, dass bei den Rückführungen jeder Fall einzeln geprüft werde. Dabei werde insbesondere zwischen Erwachsenen und Minderjährigen unterschieden. Die Grundrechte der Betroffenen würden dabei gewahrt.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez hat angekündigt, die Kontrollen an der Grenze zu Spanien zu verstärken.
Face à la situation constatée dans l’enclave de Ceuta, j’ai, dès hier soir, donné des instructions pour renforcer sans attendre les contrôles à la frontière espagnole. Par ailleurs, j’active la Force Frontière d’intervention rapide pour des contrôles en profondeur.
— Laurent Nuñez (@NunezLaurent) July 31, 2026
Schnelleinsatz-Grenzschutztruppe würden für gründliche Kontrollen aktiviert.
Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schrieb auf der Plattform X, Italien werde «nicht tatenlos zusehen».

Man wolle die zuständigen Gremien einberufen und in der Folge möglicherweise auch mit aussergewöhnlichen Massnahmen eingreifen, «um die Grenzen und die Sicherheit der Bürger zu verteidigen, etwa durch die Aussetzung des Schengen-Raums mit Spanien.»
Damit dürften Grenzkontrollen gemeint sein. Details nannte Meloni nicht. Italien und Spanien haben keine gemeinsame Grenze.
Laut Angaben des spanischen Innenministeriums sind in den vergangenen 24 Stunden rund 49’000 Migranten nach Ceuta gelangt.

Laut Schätzungen sollen 7000 davon noch minderjährig sein.
Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben Hunderte Migranten die Grenze überwunden.
Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.

In der 250 Kilometer westlich gelegenen Exklave Ceuta ist die Lage weiter angespannt. Schätzungen aus Polizeikreisen zufolge könnten innerhalb weniger Tage mehr als 20.000 Menschen aus Nordafrika überwiegend schwimmend nach Ceuta gelangt sein, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete. Mindestens 16 Menschen seien bereits tot aus dem Wasser geborgen worden.

In der Nacht auf Freitag übernachteten in Ceuta hunderte junge Migranten auf den Strassen, wie eine Reporterin der Zeitung «El País» berichtete. Viele von ihnen trügen kaum etwas am Leibe. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen dem Bericht zufolge weiter Hunderte Menschen über die Grenze.















