Buckelwal Timmy ist frei – doch jetzt eskaliert der Streit

Simon Binz
Simon Binz

Deutschland,

Buckelwal Timmy ist frei – doch hinter den Kulissen tobt Streit. Die beiden Millionäre, die die Rettung finanzierten, distanzieren sich von der Freilassung.

Buckelwal Timmy
Timmy ist endlich frei! Der Buckelwal stösst im offenen Meer nach seiner Rettung die ersten Fontänen aus - Foto: News5

Das Wichtigste in Kürze

  • Geldgeber Walter-Mommert und Gunz distanzieren sich öffentlich von Timmys Freilassung.
  • Die beiden Tierärztinnen sollen entgegen Absprache nicht an Bord gebracht worden sein.
  • Ausserdem soll «Free Willy»-Veteran Foster an Bord unter Druck gesetzt worden sein.

Eigentlich hätte es das grosse Happy End werden sollen. Buckelwal Timmy zurück in den Weiten des Atlantiks, zwischen Artgenossen, in Freiheit. Doch statt feierlicher Erleichterung herrscht jetzt offener Streit zwischen den Geldgebern der privaten Rettungsaktion und der Schiffsbesatzung.

Die Trabrennbahn-Betreiberin Karin Walter-Mommert (62) und Media-Markt-Gründer Walter Gunz (79) hatten den Einsatz mit ihren Privatvermögen finanziert. In einem Schreiben, das der «Bild» vorliegt, gehen die beiden nun auf Distanz.

Wer hat im Streit um Timmys Freilassung dein Vertrauen?

Wörtlich heisst es: «Wir konstatieren hiermit, dass wir an der heutigen Entlassungsaktion des Wals weder beteiligt waren noch diese aktiv begleitet haben.»

Mehr noch: Etwaige Konsequenzen für «nicht abgestimmte Handlungen am und um den Wal» müssten Eigner, Betreiber und Crew der Schiffe «Fortuna B» und «Robin Hood» selbst tragen. «Wir distanzieren uns hiermit ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wals führten.»

Tierärztinnen blieben zurück

Was war passiert? Walter-Mommert schildert gegenüber der Boulevardzeitung, dass es bereits am Freitag bei einem ersten Freilassungsversuch Probleme gegeben habe. Am Samstag sei es dann noch schlimmer gekommen.

Vor dem geplanten zweiten Entlassungsversuch hätten die beiden Tierärztinnen Kirsten Tönnies und Anne Herrschaft am Morgen zur Barge gebracht werden sollen. Entgegen der Abmachung sei jedoch lediglich Jeffrey Foster zur Barge übergesetzt worden. «Die Ärztinnen wurden, warum auch immer, auf einen späteren Transport vertröstet, welcher nie stattfand», so Walter-Mommert.

Timmy Buckelwal
Jeffrey Foster gehört zum «Whale Sanctuary Project». Beim legendären Keiko-Projekt, der Auswilderung des durch «Free Willy» weltberühmten Orcas, war er Director of Field Operations and Research. Auch nach Hurrikan «Katrina» 2005 wurde er für die Rettung von Delfinen ausgezeichnet. - Whale Sanctuary Project

Der amerikanische Meeressäuger-Experte Foster soll laut dem Schreiben der Geldgeber dann an Bord auch noch unter Druck gesetzt worden sein. Foster habe bei der Einleitung der Massnahmen, «um den Wal von Bord zu bekommen» gebeten, «seine Teamgefährten und die Ärztinnen unverzüglich hinzuzuholen».

Diesem Wunsch sei jedoch nicht entsprochen worden. Im Schreiben heisst es weiter: «Ebenso wurde ihm im Laufe der Vorgänge untersagt, sein Handy zu nutzen, unter Androhung, dieses ins Meer zu werfen.»

Tierärztin: «Ich bin so wütend»

Am Samstagabend meldete sich auch Tierärztin Kirsten Tönnies selbst zu Wort. In einem Wut-Post auf Facebook machte sie ihrem Ärger Luft: «Es ist eine unfassbare Frechheit, was hier abgeht.»

Nur die Crew der Reederei sei noch einmal zur Barge gefahren – von den Helfern der privaten Initiative habe der Kapitän der «Fortuna B» offenbar niemanden dabei haben wollen. Einzig Jeffrey Foster habe durchsetzen können, dass er mit auf die Barge zu Buckelwal Timmy durfte.

Tönnies kritisiert weiter, die Seeleute hätten nur zum Wal fahren wollen, um nachzusehen, ob er noch da sei. Doch ihre Anwesenheit auf der Barge hätte Buckelwal Timmy Angst machen können. «Sie geben keine Informationen. Es ist dort kein Tierarzt vor Ort.»

Ausser Foster habe niemand kontrollieren können, «was dort los ist. Alles vor dem Geschwafel-Hintergrund, dass sie Angst vorm Filmen haben.» Gemeint sei offenbar der Einsatz einer Drohne über der Barge durch das Team von «News5».

Tönnies' bitteres Fazit: «Ich bin so wütend (...). Die machen mit Buckelwal Timmy, was sie wollen.»

Crew schweigt vorerst zu Vorwürfen

Beide Schiffe waren am Samstagabend noch in der Nordsee unterwegs. Die Besatzungen waren für «Bild» nicht zu erreichen. Eine Stellungnahme zu den schwerwiegenden Vorwürfen steht damit noch aus.

Buckelwal Timmy
Die Schiffe Robin Hood und Fortuna B begleiteten Buckelwal Timmy bei seiner Reise in die Nordsee. Die Crew wird nun von den Geldgebern und einer beteiligten Tierärztin scharf kritisiert. - Foto: News5

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Kommentare

User #6241 (nicht angemeldet)

Deutschland wie es leibt und lebt! Nur die EU macht das noch besser..

User #5407 (nicht angemeldet)

Tierquäler streiten, warum ? Der Wal ist mit seiner Freundin abgehauen und gut ist es ! 🐋🐋

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