Simone Richner (FDP): «Schwarze Null auf Kosten der Zukunft»
Die Berner Stadträtin Simone Richner (FDP) äussert sich zur Jahresrechnung 2025 der Stadt Bern. Ein Gastbeitrag.

Die Jahresrechnung 2025 der Stadt Bern schliesst mit einem Überschuss von 1,7 Millionen Franken, obwohl ein Budgetdefizit von 29,8 Millionen Franken ursprünglich vorgesehen war. Auf den ersten Blick mag dies wie ein Erfolg erscheinen, doch dieser Überschuss ist massgeblich durch ausserordentliche Steuererträge von 25 Millionen Franken beeinflusst.
Ohne diese einmaligen Einnahmen hätte die Stadt einen deutlichen Fehlbetrag verzeichnet. Diese Zahlen verschleiern die zugrunde liegenden strukturellen Probleme und verschieben die dringend notwendigen finanziellen Entscheidungen.

Für 2026 und die Folgejahre wird Bern ohne grundlegende Veränderungen mit Defiziten von 15 bis 40 Millionen Franken rechnen müssen. Diese Prognose ist die direkte Folge einer Finanzpolitik, die weiterhin auf einmalige Steuerüberschüsse angewiesen ist, ohne eine nachhaltige Lösung für die langfristige finanzielle Stabilität zu entwickeln.
Die Stadt verschiebt die notwendigen Reformen und versäumt es, eine stabile Grundlage für die künftigen Finanzen zu schaffen. Besonders besorgniserregend bleibt der hohe Verschuldungsgrad der Stadt Bern, der derzeit bei 133 Prozent liegt und weiter ansteigen wird.
Um die notwendige Infrastruktur zu finanzieren, muss sich Bern jährlich mit 50 bis 60 Millionen Franken zusätzlich verschulden. Diese Schuldenlast ist nicht nur untragbar, sondern auch sozial unverantwortlich, da sie die kommenden Generationen belastet.
Die «schwarze Null» von 2025 darf nicht als Zeichen einer langfristigen finanziellen Gesundung missverstanden werden. Sie verschleiert die strukturellen Mängel der städtischen Finanzpolitik. Bern muss jetzt handeln und eine langfristig tragfähige Finanzstrategie entwickeln, bevor die Schuldenlast die Stadt in die Krise stürzt.
Zur Autorin
Simone Richner ist Stadträtin der Stadt Bern und Mitglied der FDP.







