Bootsunglück im Ärmelkanal – Bericht kritisiert Behörden
Jahre nach dem Kentern eines Migrantenboots im Ärmelkanal mit Dutzenden Toten kommt nun eine Untersuchungskommission in Grossbritannien zu einem verheerenden Schluss.

Viele Menschen, die bei dem Unglück im November 2021 ums Leben kamen, hätten gerettet werden können, sagte der Vorsitzende der Kommission, Ross Cranston. Er sprach demnach von einem «erheblichen, systematischen Versagen seitens der Regierung».
Das aufblasbare Boot hatte am 24. November 2021 bei der Überfahrt von Nordfrankreich nach Grossbritannien Luft verloren. Die Migranten stürzten ins Wasser. Ein Fischerboot entdeckte die im Ärmelkanal treibenden Leichen erst einige Stunden später. Nur zwei Menschen überlebten, 27 Leichen konnten identifiziert werden, während vier weitere seither als vermisst gelten. Britischen Medien zufolge handelt es sich um das bisher tödlichste Unglück dieser Art im Ärmelkanal.
Die britische Küstenwache in Dover sei in eine «unzumutbare Lage» gebracht worden, heisst es in dem Bericht. Chronischer Personalmangel und begrenzte Ressourcen hätten dazu beigetragen, dass Menschen nicht gerettet werden konnten. Der damaligen konservativen Regierung unter Boris Johnson sei dieser Umstand bekannt gewesen, unternommen worden sei jedoch nichts. Schlepper hätten das Boot zudem überladen, heisst es.
Auch mit den Versäumnissen auf französischer Seite geht der Bericht hart ins Gericht. «Viel mehr und möglicherweise alle Leben» hätten gerettet werden können, wenn ein Schiff der französischen Küstenwache auf einen abgesetzten Notruf schneller reagiert hätte, sagte Cranston. Warum dies nicht der Fall war, ist in Frankreich derzeit Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen.
Seit Jahren überqueren Migranten von Nordfrankreich aus in kleinen Booten den Ärmelkanal, um Grossbritannien zu erreichen. Grossbritannien versucht seit längerem, die Migration auch mit französischer Hilfe einzudämmen, und zahlt dafür Millionensummen an Paris.
Die britische Kommission gab in ihrem Bericht eine Reihe an Empfehlungen ab, um etwa die Suche und Rettung von kleinen Booten zu verbessern. Die Praxis der Überfahrten mit kleinen Booten müsse jedoch ein Ende finden, sagte Cranston. Um weitere Todesfälle zu verhindern, sei dies «unerlässlich».










