EZB geht mit stabilen Leitzinsen in ein unsicheres Jahr
Die Europäische Zentralbank (EZB) tastet die Leitzinsen auch im neuen Jahr zunächst nicht an. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

Seit nunmehr fünf Sitzungen in Folge hat der EZB-Rat die Leitzinsen unverändert gelassen. Bis Juni hatte es eine Serie von Senkungen gegeben: Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent.
«Für den weiteren Jahresverlauf rechne ich nicht mit grösseren Zinsveränderungen», prognostiziert der Chefökonom des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Andreas Bley. «Wertet der Euro stärker auf, fällt die Inflation schneller oder verliert die Konjunktur an Tempo, dürfte sich die Debatte über weitere Zinssenkungen verstärken.»
EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt: «Wir sind in einer guten Lage und die Inflation ist in einer guten Lage.» Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar kommentierte die Französin betont gelassen: Der Eurokurs sei seit März 2025 gestiegen, dies sei in den Szenarien der EZB eingepreist.
Das Erstarken des Euro belastet Europas Exporteure, nicht zuletzt deutsche Firmen, da ihre Waren auf den Weltmärkten teurer werden. Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt werden. Das dämpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige EZB-Ziel von 2,0 Prozent ohnehin leicht unterschreiten könnte.
Lagarde versicherte: «Wir behalten die Wechselkurse stets genau im Auge.» Ein spezielles Wechselkursziel hat die Notenbank nicht.
Die EZB hat gute Gründe abzuwarten. Die Inflation, die nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 nach oben geschnellt war, ist eingedämmt. Und der Wirtschaft tun niedrigere Leitzinsen gut: Kredite für Firmen und Verbraucher werden tendenziell günstiger, was bei grösseren Anschaffungen helfen und das Wachstum anschieben kann.
Im Januar ging die Teuerungsrate im Euroraum zurück und erreichte einer ersten Eurostat-Schätzung zufolge mit 1,7 Prozent den tiefsten Stand seit September 2024. Die EZB strebt stabile Preise für den Währungsraum bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an.
Die Euro-Währungshüter wollen zu stark steigende Preise vermeiden, aber auch dauerhaft sinkende Preise: Rechnen Konsumenten und Unternehmen mit Nachlässen, könnten sie Anschaffungen verschieben, was die Wirtschaft bremst.
Zudem hält sich die Konjunktur in der Eurozone trotz des Zollstreits mit den USA robust, sodass es auch hier vorerst keinen Druck für die EZB gibt, die Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu stützen.
«Der jüngste Rückgang der Inflation unter zwei Prozent gibt derzeit keinen Anlass zu geldpolitischem Handeln», sagt Florian Heider, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt. Dies sei vor allem auf niedrige Energiepreise zurückzuführen, ein Effekt, der sich im Jahresverlauf wohl nicht fortsetzen werde. «Jedoch sollte der starke Euro aufmerksam beobachtet werden», rät Heider.
Der Euro hatte jüngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar übersprungen – erstmals seit 2021. Mit der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den Finanzmärkten gelitten, was den Dollar-Kurs sinken und den Euro aufwerten lässt.
Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck für eine Zinssenkung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.














