Berlin Stromausfall: Bewohner sehen schon eigenen Atem in Wohnung
Eiskälte statt Heizung: In zahlreichen Wohnungen in Berlin ist es nach dem Stromausfall so kalt geworden, dass Bewohner bereits ihren eigenen Atem sehen.

Das Wichtigste in Kürze
- In einigen Berliner Wohnungen sanken die Temperaturen zuletzt teils unter 15 Grad.
- Betroffene berichten, dass sie ihren eigenen Atem in der Wohnung sehen konnten.
- Ein linksextremistischer Anschlag auf die Stromversorgung gilt als Ursache.
In zahlreichen Wohnungen in Berlin ist es derzeit bitterkalt. Der Grund ist der Anschlag einer linksextremistischen Gruppe auf die Stromversorgung vom frühen Samstagmorgen. Weil tausende Haushalte seit Tagen ohne Strom und Heizung auskommen müssen, sind die Temperaturen derweil deutlich unter die Wohlfühlgrenze gesunken.
Wie dramatisch die Situation ist, erklärte am Montag unter anderem der 40-jährige Max von Hammerstein gegenüber «Focus online». Zunächst habe er noch versucht, sich mit mehreren Kleidungsschichten und warmen Mahlzeiten zu behelfen.
«Ich habe einen Gasherd, kann also wenigstens kochen und warme Getränke zubereiten. Und je kälter es dann in der Wohnung wurde, desto mehr Kleiderschichten habe ich nach dem Zwiebelprinzip angezogen.»
Aber: «Als ich am Sonntag meinen eigenen Atem in der Wohnung gesehen habe, habe ich gedacht: Das ist spooky, jetzt wird es kritisch.» In der Wohnung von Hammerstein fiel das Thermometer zu diesem Zeitpunkt demnach unter 15 Grad. Für ihn der Punkt, an dem er handeln musste.
Schliesslich verliess der 40-Jährige seine Wohnung vorübergehend und zog gemeinsam mit seiner Schwester zu seinem Vater. Seine grösste Sorge gilt jedoch anderen. Jüngere Menschen könnten solche Temperaturen vielleicht ein paar Tage aushalten.
Aber wie sieht das aus, wenn die Wohnungstemperatur einstellig wird? «Da macht sich schon ein bisschen Endzeitstimmung breit», sagt er und fragt: «Was ist, wenn als Folge möglicherweise ältere Menschen sterben?»
Bis Donnerstag sollte in Berlin der Strom wieder fliessen
Auslöser des grossflächigen Stromausfalls in Berlin war ein Brandanschlag auf einen Stromverteiler am Teltowkanal. Zu der Tat bekannte sich die linksextremistische «Vulkangruppe». In mehreren Stadtteilen im Südwesten der Stadt fielen Strom und Heizung aus, zeitweise waren rund 45'000 Haushalte betroffen.
Der Anschlag sorgt für grosse Empörung, weil gezielt kritische Infrastruktur getroffen wurde. Kritiker warnen, dass solche Sabotageakte nicht abstrakte Ziele treffen, sondern direkt die Bevölkerung. Die Berliner Behörden sprechen von einem politisch motivierten Angriff und arbeiten an der vollständigen Wiederherstellung der Versorgung bis Donnerstag.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die Verantwortlichen, rasch zu ermitteln und den Schutz sensibler Infrastruktur zu verbessern. Für viele Betroffene zählt jedoch vor allem eines: Dass es in ihren Wohnungen schnell wieder warm wird.
Stromversorgung an Bahnhöfen wieder hergestellt
Am Dienstagmorgen sind noch immer rund 25.500 Haushalte und etwa 1.200 Unternehmen ohne Strom. Das berichtete ein Sprecher des Betreibers Stromnetz Berlin.
«Wir haben die Stromversorgung für alle drei betroffen S-Bahnhöfe wieder hergestellt.» Das seien die Stationen Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee. Somit könnten die Bahnhöfe wieder genutzt werden.
Die Tiefbauarbeiten an den zwei Baustellen seien abgeschlossen. Ab heute beginnen die elektrischen Arbeiten. Damit liege man «sehr gut im Zeitplan», so der Sprecher.
Auch Pflegeeinrichtungen wieder mit Strom versorgt
Von 74 betroffenen Pflegeeinrichtungen seien 72 wieder mit Strom versorgt. Aktuell seien rund «35 sehr grosse Notstromaggregate im Einsatz».
Bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es etwa bis Donnerstagnachmittag dauern.






















