Beliebte EU-Flugrouten sind «schwer oder gar nicht» mit Zug buchbar
Das umständliche Ticketsystem erschwert die komplette Buchung einer Zugreise durch die EU. Die Dachorganisation für nachhaltigen Verkehr fordert ein Umdenken.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele beliebe EU-Flugrouten sind mit dem Zug nur sehr umständlich buchbar.
- Reisende müssen sich ihre Tickets bei mehreren Betreibern zusammensuchen.
- Zudem werden die Tickets kleinerer Anbieter teilweise gar nicht angezeigt.
Der Iran-Krieg verändert derzeit das Reiseverhalten. Gleichzeitig wächst bei vielen der Wunsch, klimafreundlicher unterwegs zu sein. Etwa mit dem Zug statt dem Flugzeug.
Gerade innerhalb Europas scheint das auf den ersten Blick problemlos möglich. Verbindungen nach Amsterdam, Mailand oder Paris gibt es längst. Doch wer eine solche Reise buchen will, merkt schnell: So einfach ist es nicht.
Das zeigt eine Analyse von «Transport and Environment» (T&E), die europäische Dachorganisation für nachhaltigen Verkehr.
Sie kommt zu einem ernüchternden Schluss: Auf rund der Hälfte der beliebtesten Flugstrecken in Europa ist es «schwierig oder unmöglich», ein passendes Zugticket zu buchen.
Das Problem liegt nicht auf den Schienen
Für die Untersuchung wurden die 30 meistgenutzten Flugrouten innerhalb der EU analysiert.
Dabei zeigt sich: Auf rund 20 Prozent dieser Strecken können Reisende gar kein durchgehendes Zugticket erwerben. Die gesamte Reise lässt sich also nicht in einem Schritt buchen.
Bei weiteren 27 Prozent wird es ebenfalls kompliziert. Tickets sind dort nur bei einzelnen Anbietern erhältlich. Reisende müssen sich ihre Tickets also unter Umständen von mehreren Betreibern zusammensuchen.
Für T&E ist deshalb klar: Der komplizierte Buchungsprozess schreckt ab. Laut einer Umfrage haben 61 Prozent der Fernreisenden schon einmal auf eine Zugreise verzichtet, weil der Buchungsprozess zu kompliziert war.
Hinzu kommt: Neue oder kleinere Anbieter gehen oft unter. Ihre Tickets werden auf grossen Plattformen teilweise gar nicht angezeigt. Deshalb verpasst der Fahrgast unter Umständen deutlich günstigere Alternativen, schlussfolgert T&E.
Zugticketsystem «aus der Steinzeit»
Für Georgia Whitaker, Kampagnenleiterin für den Schienenverkehr bei T&E, ist die Situation unhaltbar: «Reisende, die klimafreundliche internationale Zugreisen buchen möchten, stossen allzu oft auf Probleme aufgrund intransparenter und komplizierter Buchungssysteme.»
Das müsse sich künftig ändern. Die Organisation fordert deshalb ein Umdenken auf politischer Ebene: «Die Europäische Kommission muss ein einheitliches Ticketsystem vorlegen, das Zugreisen so einfach macht wie Flugbuchungen.»
Es sei an der Zeit, das Zugticketsystem «aus der Steinzeit» zu holen.
Konkret fordert T&E, dass Bahnunternehmen verpflichtet werden, auch Tickets anderer Anbieter anzubieten. Zudem sollen unabhängige Plattformen fairen Zugang zu allen Verbindungen erhalten.





















