Lieferengpass: Sind wegen Kerosinmangel die Sommerferien in Gefahr?
Die blockierte Strasse von Hormus verursacht Lieferengpässe, unter anderem im Flugverkehr. Könnten deshalb die Sommerferien der Schweizer ins Wasser fallen?

Das Wichtigste in Kürze
- Seit Kriegsbeginn im Iran passierten nur vereinzelt Schiffe die Strasse von Hormus.
- Die weltweiten Lieferengpässe wirken sich auch auf den internationalen Flugverkehr aus.
- Nau.ch hat nachgefragt, ab wann Schweizer Airlines und Flughäfen das Kerosin ausgeht.
Die Situation in der Strasse von Hormus bleibt angespannt – wie wirkt sich das auf unsere Sommerferien aus?
Seit dem gemeinsamen Angriff von Israel und den USA auf den Iran Ende Februar ist die Strasse von Hormus blockiert. Die Sperrung der weltweit wichtigsten Meeresenge führte zu einer Störung der internationalen Lieferketten und Energieversorgung.
Die Lieferengpässe wirken sich auch auf den Flugverkehr aus. Steigende Preise und gestrichene Flüge sind erste Auswirkungen davon.
Nau.ch hat nachgefragt, wie lange das Kerosin noch reicht und ob Schweizerinnen und Schweizer um ihre Sommerferien bangen müssen.
«Das muss man sicher ernst nehmen»
Bettina Kunz vom Flughafen Zürich gibt vorerst Entwarnung: «Am Flughafen Zürich gelten derzeit keine Beschränkungen für die Betankung.»
Auch Avenergy, der Branchenverband der Importeure von flüssigen Brenn- und Treibstoffen in der Schweiz, zeigt sich gelassen: «Der Markt ist derzeit versorgt, die benötigten Mengen sind vorhanden», so Fabian Bilger, der stellvertretende Geschäftsführer. Einzelne Mitglieder des Verbandes beliefern die Flughäfen Zürich und Genf mit Flugpetrol.
Klar ist laut Bilger: «Es gibt viele Stimmen, die die Lage als kritisch einschätzen, das muss man sicher ernst nehmen.»
Dass Herr und Frau Schweizer um ihre Sommerferien zittern müssen, schliesst er dennoch aus. «Die Schweiz verfügt über eine robuste Versorgung. Ausserdem halten die Importeure Pflichtlager.»
Ob es zu einem Engpass kommen könnte, lasse sich nicht verlässlich beantworten. Gemäss Bilger können die Auswirkungen der fehlenden Mengen aus dem mittleren Osten in Europa regional sehr unterschiedlich sein.
Schweiz hat Pflichtlager mit Reserven für drei Monate
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesverfolgung (BWL) zeigt sich trotz Lieferrückgängen gelassen.
Klar: Es sei für kommenden Mai mit «reduzierten Lieferungen nach Europa» zu rechnen, so Mediensprecher Thomas Grünwald. Das könne sich auch auf die Schweiz übertragen.
Auch das BWL erinnert aber daran, dass die Schweiz in diesem Fall auf das Pflichtlager zurückgreifen könne.
«Der Bund kann, falls nötig, Pflichtlager freigeben.» Beim Flugpetrol betrage die Bedarfsdeckung der Pflichtlager drei Monate.
Treibstoffmangel droht im schlimmsten Fall Anfang August
Bis Ende April sei die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten gesichert. Die Pflichtlager müssen also frühstens im Mai freigegeben werden. Im schlimmsten Fall kommt es demnach erst Anfang August zu Treibstoffmängeln.

Wohl am direktesten betroffen sind die Fluggesellschaften.
Swiss erwartet Engpässe am ehesten in Asien
Gemäss Swiss-Mediensprecherin Meike Fuhlrott beobachtet die Fluggesellschaft die Lage sehr aufmerksam.
«Die Treibstoffversorgung an unseren Standorten in Zürich und Genf ist aktuell sichergestellt. Auch an unseren Destinationen sehen wir derzeit keine konkreten Einschränkungen für den Flugbetrieb», so Fuhlrott.
Aber: Engpässe in der Versorgung erwarte die Swiss am ehesten in Asien. «Der Grund ist, dass in Asien eine starke Abhängigkeit von Produkten aus dem Arabischen Golf und aus China besteht.»
Die Sommerferien scheinen also nicht in Gefahr zu sein. «Aktuell planen wir keine Anpassungen unseres Flugbetriebs infolge von Treibstoffmangel oder aufgrund von Preissteigerungen», sagt Fuhlrott.













