Sorge um Ferien: Kerosin-Pflichtlager reicht gar nicht für 3 Monate!
Wegen des Iran-Kriegs droht an Schweizer Flughäfen eine Kerosin-Knappheit. Dann müsste man das Pflichlager anzapfen: Dieses reicht aber für weniger als gedacht.

Das Wichtigste in Kürze
- Wegen der Hormus-Blockade geht europäischen Flughäfen bald der Treibstoff aus.
- Die Schweiz würde dann – frühestens ab Mai – die Pflichtlager freigeben.
- Dort sollte es Kerosin für 3 Monate haben, doch es ist nur Kerosin für 72 Tage gelagert.
Airlines und Touristen schauen immer gebannter auf den Iran-Krieg. Denn durch die Blockade der Strasse von Hormus dürfte es schon bald eine Kerosin-Knappheit geben. Ein grosser Teil der Kerosin-Lieferungen wird durch diesen Handelsweg abgewickelt.
Bereits vor knapp zwei Wochen warnte der Generaldirektor des Flughafen-Dachverbands ACI Europe vor einer «systematischen Treibstoffknappheit». Zu dieser könne es bereits Anfang Mai kommen.
Der Airline-Verband IATA wiederum warnt vor einer Kerosin-Knappheit ab Ende Mai. Die Folge: Flugausfälle.
Letzter Golf-Tanker erreichte Europa vor zwei Wochen
Bereits zwei Wochen ist es her, dass der letzte Kerosin-Tanker aus der Golfregion Europa erreichte. Dennoch zeigt sich das Bundesamt für wirtschaftliche Landesverfolgung (BWL) gegenüber Nau.ch gelassen.
Klar: Es sei für kommenden Mai mit «reduzierten Lieferungen nach Europa» zu rechnen, so Mediensprecher Thomas Grünwald. Das könne sich auch auf die Schweiz übertragen.
Bis Ende April sei die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten gesichert. Ab dann könne die Schweiz im Falle einer Kerosin-Knappheit auf das sogenannte Pflichtlager zurückgreifen.
Kerosin-Pflichtlager reicht für 72 statt 90 Tage
«Der Bund kann, falls nötig, Pflichtlager freigeben.» Die Pflichtlager müssen also frühstens im Mai freigegeben werden. Beim Kerosin betrage die gesetzliche Bedarfsdeckung der Pflichtlager drei Monate.
Doch jetzt zeigt sich: Der aktuelle Kerosin-Bestand im Pflichtlager reicht lediglich für 2,4 Monate – und damit nur für 72 Tage. Das erklärt das BWL gegenüber dem «Tages-Anzeiger».
Heisst: Im schlimmsten Fall könnte es schon Mitte Juli zu Kerosin-Mängeln an Schweizer Flughäfen kommen.
Doch weshalb ist das Lager nicht wie vorgeschrieben mit Kerosin für 90 Tage gefüllt? Wie das BWL sagt, liege dies an der deutlich gesunkenen Nachfrage nach Kerosin während der Covid-Pandemie.
Mineralölfirmen für Pflichtlager zuständig
Obwohl sich der Flugverkehr seither mehr als nur erholt hat, erfolge der Wiederaufbau der Pflichtlager-Bestände zeitverzögert. Die Rede ist von einem üblichen Streubereich.
Die Betreiberin der Pflichtlager, die Tankanlage Rümlang AG, erklärt der Zeitung: «Es ist Aufgabe der Mineralölfirmen, die zu den zahlreichen Aktionären der Tankanlage gehören, ein Pflichtlager von rund drei Monaten zu halten.»

Dazu zählen etwa weltweite Ölkonzerne wie Socar, BP oder Totalenergies, aber auch die Swiss und Dutzende kleinere Firmen. Diese wiederum gehören der Organisation Carbura an. Diese übernimmt in ihrem Auftrag die Pflichtlagerung von Kerosin.
Swiss hält sich bedeckt
Die Swiss hält sich auf Anfrage von Nau.ch bisher bedeckt: «Stand heute läuft die Versorgung, und unsere Gäste können wie geplant reisen. Die Lage kann sich schnell verändern, das haben die vergangenen Wochen gezeigt», erklärt Mediensprecherin Meike Fuhlrott.
Die Airline beobachte die Situation laufend, man stehe in engem Austausch mit den Partnern weltweit. «Wir planen alle Flüge so, dass wir die Sicherheit und Zuverlässigkeit für unsere Passagiere ins Zentrum stellen. Sollte sich die Situation ändern, informieren wir unsere Kundinnen und Kunden möglichst frühzeitig.»
Am ehesten mit Engpässen rechnet die Swiss in Asien. Dort bestehe eine starke Abhängigkeit von Produkten aus der Golfregion.
Flugstreichungen bei Edelweiss und KLM
Während die meisten Airlines betonen, dass es keinen Kerosin-Mangel gebe, wurden vor kurzem dennoch Flüge gestrichen. So etwa bei Edelweiss – begründet mit tiefer Nachfrage.
Die niederländische KLM strich für Mai insgesamt 160 Flüge. Die Lufthansa-Regionaltochter Cityline bleibt sogar bis auf weiteres komplett auf dem Boden. Begründung: Mehrtägige Streiks – und hohe Treibstoff-Kosten.














