Bundesangestellte sollen Zug statt Flugzeug nehmen
Nationalrätin Franziska Ryser (GPS/SG) regt an, dass der Bund gewisse Kriterien vorgeben sollte, im Sinne einer Vorbildfunktion.

Das Wichtigste in Kürze
- Bundesangestellte sollten für kürzere Geschäftsreisen den Zug statt das Flugzeug nehmen.
- Dies regt Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser in einem neuen Vorstoss an.
- Ein Kriterium könne etwa die Reisezeit von maximal acht Stunden sein.
Der Bund soll seine Vorbildfunktion auch dann konsequent wahrnehmen, wenn es um die Umsetzung der Klimaziele gehe. Das findet Nationalrätin Franziska Ryser (GPS/SG), und hat deshalb einen Vorstoss eingereicht.
Beziehungsweise die Angestellten des Bundes: Wenn sie sich auf Geschäftsreise begeben. Denn auf diesen Fällen ein relevanter Anteil der betrieblichen Treibhausgasemissionen an.

In ihrem Vorstoss fragt Ryser deshalb an, wie es denn mit den diesbezüglichen Vorgaben stehe. Denn für kürzere Strecken sollten die Bundesangestellten doch per Zug statt Flugzeug reisen. Bei einzelnen bundesnahen Betrieben gebe es dazu bereits Richtwerte: Etwa bei der SBB, wo eine Reisezeit von rund sechs Stunden als Schwelle zwischen Zug und Flug gelte.
Was ist zumutbar?
Ryser findet sechs Stunden noch eher wenig. Deshalb will sie vom Bundesrat per Vorstoss wissen, ob er nicht auch eine Bahnreisezeit von acht Stunden als zumutbar erachte. Wobei sie gegenüber Nau.ch einräumt: «Ganz harte Grenzen sind wohl nicht zielführend.»
Mal pressiert es, mal sind Termine nicht lange im Voraus planbar. «Es geht nicht um die Ausnahmen, in denen Fliegen weiterhin notwendig sein wird. Sondern um die 80 Prozent der Fälle, in denen Alternativen möglich sind», so Ryser.
Denkbar wäre von ihr aus gesehen auch eine klar definierte Distanz von 800 oder 1000 Kilometern. Verbunden mit einer Begründungspflicht für kürzere Flugreisen. Ähnliche Konzepte gebe es zum Beispiel schon in Frankreich. «Ich möchte vom Bundesrat wissen, ob er die Bereitschaft hat, so eine Regelung zu prüfen.»
Halb Europa in acht Stunden erreichbar
Ein Blick in die Fahrpläne zeigt: Unter den Hauptstädten der Nachbarländer sind nur Paris und Berlin per Bahn innert acht Stunden erreichbar. Wobei es für Berlin nur mit der optimalsten Verbindung reicht. Und auch dann nur, wenn der ICE nicht mal wieder Verspätung hat.
Hingegen liegt Brüssel in Reichweite. Auch in diverse andere Grossstädte braucht der Zug weniger als acht Stunden, etwa nach Strassburg oder Stuttgart, München oder Mailand.

Noch mehr Flugreisen wären betroffen, wenn man statt der Zeit die Distanz als massgeblich erklärt. Die Hauptstädte aller Nachbarländer liegen im Umkreis von 800 Kilometern. Bei Anwendung dieses Grenzwertes müssten Bundesangestellte selbst nach Prag, Barcelona oder Zagreb den Zug nehmen. Auch London liegt rund 740 Kilometer Luftlinie von Bern, die schnellsten Züge schaffen die Strecke knapp unter acht Stunden.
Bundesräte sind «eine separate Diskussion»
Vorläufig stellt Nationalrätin Franziska Ryser lediglich Fragen. Zum Beispiel, ob die Bundesverwaltung bei Entscheidungen über Geschäftsreisen die Klimakosten von Flugreisen systematisch berücksichtige.
Zum Beispiel mittels eines internen Emissionsbudgets: «Es kann helfen, wenn die einzelnen Verwaltungseinheiten eine Grössenordnung zugestanden erhalten. So hat man den Überblick, wann es zu viel wird», sagt Ryser zu Nau.ch.

Nicht im Fokus stehen hingegen die Bundesräte und deren Nutzung von Helikoptern und Bundesratsjet. Obwohl die Magistraten, insbesondere Ignazio Cassis, gerne auch auf Inland-Strecken in die Luft gehen. 23 der 85 Flüge des Aussenministers gingen 2025 gar nicht nach «aussen», sondern nach Genf oder ins Tessin.
«Das wäre dann noch einmal eine separate Diskussion», findet dazu Ryser. Die Idee der Interpellation sei nicht, mit dem Finger auf gewisse Exponenten zu zeigen, betont Ryser. «Es geht mir vor allem um Geschäftsreisen.»
Denn: «Reisen müssen gemacht werden, das ist klar – aber man sollte diese nach Möglichkeit auf der Schiene abwickeln.»








