Das Vermögen der privaten Haushalte ist 2020 gestiegen. Viele Personen haben Aktien für sich entdeckt.
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Einige Münzen und Noten des Euro. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist 2020 gestiegen.
  • Laut Berechnungen des Versicherers Allianz stieg es auf 200 Billionen Euro.
  • Dies entspricht einem Rekordwert.

Die Menschen rund um den Globus sind reicher denn je – zumindest in Summe. Mitten in der Pandemie ist das Vermögen nochmals deutlich gewachsen. Grösser wird auch die Kluft zwischen Arm und Reich. Börsenboom und Konsumflaute haben viele Menschen im Corona-Krisenjahr 2020 reicher gemacht.

Geldvermögen steigt auf Rekordwert

Das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte weltweit kletterte nach Berechnungen des Versicherers Allianz auf die Rekordsumme von 200 Billionen Euro. Ein Plus von 9,7 Prozent zum Vorjahr.

«Während die Wirtschaft Achterbahn fährt, kennt das globale Geldvermögen nur eine Richtung.» Dies sagte Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran bei der Vorstellung der Vermögensstudie am Donnerstag. Ein Ende des Vermögenswachstums ist nach Einschätzung der Ökonomen nicht in Sicht: Für das laufende Jahr prognostizieren sie sieben Prozent Zuwachs.

Franken, Euro, US-Dollar
Der Schweizer Franken neben Euro und US-Dollar. - Keystone

Allerdings ist die gewaltige Summe nach wie vor alles andere als gleich verteilt. Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung besitzen den Angaben zufolge zusammen gut 84 Prozent des gesamten Vermögens. Und das eine Prozent der Superreichen darunter kommt auf fast 41 Prozent der Gesamtsumme – durchschnittliches Geldvermögen abzüglich Schulden: mehr als 1,2 Millionen Euro.

Pandemie verschärft die Vermögensungleichheit

Die Pandemie dürfte nach Einschätzung der Allianz-Experten die Vermögensungleichheit verschärfen. Sowohl zwischen reichen und ärmeren Ländern als auch innerhalb der Staaten.

Sehr wahrscheinlich werde die Corona-Krise das Wirtschaftswachstum ärmerer Länder deutlich länger belasten als das der Industriestaaten. Dies erklärte Patricia Pelayo Romero, Mitautorin der Vermögensstudie. Das allmähliche Schliessen der Wohlstandslücke sei kein Selbstläufer mehr.

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Je mehr Bargeld Menschen also abheben wollen, desto eher nutzen sie den bewährten Bankschalter. - dpa-infocom GmbH

Haupttreiber des Wachstums der Bruttogeldvermögen waren im vergangenen Jahr die – zu einem Grossteil quasi gezwungenermassen – gestiegenen Ersparnisse. Denn wegen der Einschränkungen in der Pandemie konnten viele Menschen ihr Geld nicht in gewohntem Masse ausgeben. Etliche Reisen wurden storniert, die zeitweilige Schliessung von Gaststätten und Läden bremste den Konsum.

Deutschland erreicht Rekord-Sparquote

Die Summe frischer Spargelder sei in der Folge binnen Jahresfrist um fast 80 Prozent geklettert. Dies auf den Rekordwert von 5,2 Billionen Euro, rechnete die Allianz vor. Gelder, die Menschen einfach auf ihrem Bankkonto stehen liessen, verdreifachten sich fast (plus 187 Prozent).

In Deutschland schnellte die Sparquote 2020 nach offiziellen Zahlen auf das Rekordhoch von 16,2 Prozent. Heisst: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten Haushalte im Schnitt gut 16 Euro auf die hohe Kante.

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Ein Sparschwein (Symbolbild). - pixabay

Aktien rasch erholt

Wer Vermögen hat, profitierte in der Pandemie zudem davon, dass Staaten und Zentralbanken den Corona-Schock mit milliardenschweren Hilfen abfederten. Daher erholten sich auch die Aktienmärkte rasch. Partizipiert haben daran diejenigen in Deutschland, die im Jahr der Corona-Krise die Börse für sich entdeckten. 12,35 Millionen Aktionäre zählte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) im Jahr 2020 und damit den höchsten Stand seit fast 20 Jahren.

Deutsche langsam keine «Aktienmuffel» mehr

Die Deutschen investierten im vergangenen Jahr mehr frisches Geld in Aktien und Fonds als in Versicherungen. Dies erstmals seit dem Jahr 2000, erklärte Allianz-Experte Arne Holzhausen.

Zwar sei das Gros der Sparer hierzulande nach wie vor «nicht in der Situation, dass das Geld für sie arbeitet». Der Kapitalmarktanteil am Geldvermögen sei noch relativ klein. «Aber ein Anfang ist gemacht», bilanzierte Holzhausen.

Ihren Ruf als «Aktienmuffel» schüttelten die Deutschen allmählich ab. Allerdings: Den Deutschen droht nach Allianz-Berechnungen angesichts der steigenden Inflation 2021 ein monatlicher Kaufkraftverlust von sieben Milliarden Euro. Dies wegen mickrig verzinsten Bankeinlagen.

Rangliste der 20 reichsten Länder: Deutsche auf Platz 19

Das globale Geldvermögen der Haushalte erhöhte sich in den von der Allianz untersuchten Staaten 2020 um elf Prozent. Dies abzüglich von Schulden auf netto 153,5 Billionen Euro. Die Allianz berücksichtigt in ihrer zum zwölften Mal vorgelegten Vermögensstudie («Global Wealth Report») Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere. Sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds, nicht jedoch Immobilien.

Mit einem Bruttogeldvermögen von 85'370 Euro pro Kopf rangieren die Deutschen in der Rangliste der 20 reichsten Länder: wie ein Jahr zuvor auf Platz 19 vor Italien. Abzüglich Schulden waren es netto 61'760 Euro und damit unverändert Platz 18.

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Einige Euromünzen und -noten. (Symbolbild) - Pixabay

Die Brutto-Rangliste führen 2020 wie in den Jahren zuvor die Schweizer an mit nun 313'260 Euro pro Kopf. Dies vor den US-Amerikanern (260'580 Euro) und den Dänen (212'570 Euro). Abzüglich Schulden lagen die Amerikaner mit 218'470 Euro vorn, gefolgt von Schweizern (212'050 Euro) und Dänen (149'240 Euro).

Immerhin: Auch in Deutschland stieg das Bruttogeldvermögen zuletzt stetig. Der Bundesbank zufolge nannten die Privathaushalte hierzulande Ende vergangenen Jahres 6,95 Billionen Euro ihr Eigen. Drei Monate später war dieser Rekord mit 7143 Milliarden Euro schon wieder übertroffen.

Vor allem Kursgewinne an den Börsen machen sich positiv bemerkbar. Die Prognose der Allianz: «Für 2021 ist mit einer ähnlich dynamischen Entwicklung zu rechnen - sofern keine kräftige Korrektur an den Aktienmärkten eintritt.»

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