US-Journalist Gershkovich für Amnestie im Ukraine-Krieg
Der bei einem Gefangenenaustausch aus russischer Haft entlassene US-Journalist Evan Gershkovich hat die westlichen Staaten zu einem stärkeren Einsatz für Opfer von Justizwillkür aufgerufen. Eine Amnestie, die Freilassung von politischen Gefangenen und ukrainischen Zivilisten in Russland müsse Teil einer Friedenslösung in Moskaus Angriffskrieg sein, sagte der 34 Jahre alte Journalist der US-Zeitung «Wall Street Journal» im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Er hoffe, dass die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner bei den Verhandlungen mit Russland auch das Thema der politischen Gefangenen und inhaftierten ukrainischen Zivilisten zur Sprache bringen, sagte er. «Zu Sowjetzeiten war der Westen aggressiver und hat beständiger die Freiheit politischer Gefangener gefordert», sagte er.
Gershkovich selbst kam 2024 gemeinsam mit anderen Gefangenen frei, darunter prominente Kremlgegner. Im Gegenzug liess die Bundesregierung auch den als «Tiergarten-Mörder» bekannten russischen Agenten Wadim Krassikow frei. Über seine Zeit als Russland-Korrespondent, die Inhaftierung und die Verurteilung als angeblicher Spion hat Gershkovich das Buch «Dieses verfluchte wunderschöne Land» (DVA) geschrieben, das er aktuell in Deutschland vorstellt.
Gershkovich erklärt auch, dass die journalistische Neugier und die Suche nach der grossen Story süchtig machen könnten. Er selbst hatte trotz des Risikos, in die Fänge des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zu geraten, eine Geschichte über die russische Rüstungsindustrie mitten in Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine recherchiert. «Ich würde es nie wieder tun», sagte er nun. Die Zeit im Gefängnis sei vor allem wegen der Trennung von Familie und Freunden schwer gewesen.
Er würde heute «die Gefahrenlage besser beobachten», es müsse alles für die eigene Sicherheit getan werden, meinte er zu den Lehren aus seinen Russland-Jahren. Gershkovich, der mit seiner russischen Freundin in Berlin lebt, berichtete auch, dass er sich nach der Freilassung in Therapie begeben habe. Zudem sei das Buch eher Teil eines Mechanismus zur Verarbeitung des Geschehenen als ein journalistisches Projekt.
Trotzdem gibt es in dem Buch einiges über Russland zu lernen. Unter Kremlchef Wladimir Putin sei das Land eine «brutale Diktatur», sagte Gershkovich. Das System halte er aber für «stabil» im Moment, sagte er auf eine Frage, ob ein Ende der Ära Putin in Sicht sei. Zudem sagte er im Gespräch, dass die USA für Journalisten unter Präsident Donald Trump heute auch «kein so grossartiger Ort» seien. Trump hatte kritische Medien zuletzt immer wieder scharf kritisiert, teils auch verklagt und mitunter von Pressekonferenzen aussperren lassen.














