In der Regierung der Taliban sitzen nur Mitglieder der islamistischen Organisation. Auf Sirajuddin und Khalil Haqqani hat das FBI ein Kopfgeld ausgesetzt.
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Ein Sprecher der Taliban stellt die neue Regierung vor. Innenminister wird ein gesuchter Terrorist. - Keystone, FBI

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Regierung der Taliban ist nicht inklusiv, nur Mitglieder sind vertreten.
  • Innenminister Sirajuddin Haqqani wird vom FBI gesucht.
  • Sein Vater wurde von den USA einst als das «personifizierte Gute» bezeichnet.

Nach dem endgültigen Abzug westlicher Streitkräfte haben die Taliban ihre Übergangsregierung präsentiert. Entgegen anderslautenden Versprechen finden sich darin ausschliesslich Mitglieder der radikal-islamischen Gruppierung. Frauen, Angehörige von Minderheiten oder Repräsentanten andere afghanischer Akteure sind nicht Teil der Regierung.

Ein Name dürfte im Westen und vor allem in den USA grosse Sorgen bereiten: Sirajuddin Haqqani. Er soll Innenminister werden – und ist einer der meistgesuchten Männer des FBI. Bis zu 10 Millionen Dollar werden für Hinweise, die zu seiner Verhaftung führen, versprochen.

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Sirajuddins Vater Jalaluddin Haqqani wurde von den USA zuerst unterstützt und gelobt – später bekämpfte er den Westen. - Keystone

Sirajuddin Haqqani ist Stellvertreter von Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und Anführer des Haqqani-Netzwerkes, des wichtigsten militärischen Arms der Taliban. In den letzten Jahren war es für mehrere Anschläge in Afghanistan verantwortlich, die hunderten Menschen das Leben gekostet haben.

Das Netzwerk soll in dschihadistischen Kreisen gut vernetzt sein. Laut verschiedenen Medienberichten hat es auch enge Beziehungen zum Terror-Netzwerk al-Qaida.

Sirajuddin ist nicht der erste Haqqani, der für die Taliban kämpft. Bereits sein Vater Jalaluddin führte Truppen an. Zuerst bekämpfte er laut dem «Spiegel» in den 80er Jahren die Sowjets. Dabei wurde er vom Westen und den USA unterstützt und sogar als das «personifizierte Gute» bezeichnet.

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Auch Sirajuddins Bruder Anas Haqqani (Mitte, mit schwarzem Turban) gehört zu den Taliban. - Keystone

Als dann die USA- und Nato-Truppen 2001 einmarschierten, kämpfte das «personifizierte Gute» bereits mit den Taliban und gegen den Westen. Nach seinem Tod vor drei Jahren übernahmen Sirajuddin und seine Brüder die Rolle als Anführer des Haqqani-Netzwerks.

Die USA haben bereits mehrfach versucht, die Haqqanis zu töten und waren vermeintlich erfolgreich. Mehrere Brüder wurden schon für tot erklärt, bis sie wieder irgendwo auftauchten.

Auch Sirajuddins Onkel Khalil Haqqani wird in der neuen Regierung einen Platz finden: Er soll Minister für Geflüchtete werden. Doch auch auf seinen Kopf hat das FBI Geld ausgesetzt.

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