Schweizer Technologie: Forscher finden Ursachen für Smog Sarajevo
Messungen mit einem mobilen Labor zeigen erstmals, woher die extreme Luftverschmutzung stammt.

Das Wichtigste in Kürze
- Forschende aus der Schweiz messen Sarajevos Luftverschmutzung erstmals detailliert.
- Hauptursachen sind Holz- und Kohleheizungen sowie Restaurantküchen.
- Tausende Todesfälle pro Jahr könnten vermieden werden.
Sarajevo zählt zu den Städten mit der schlechtesten Luftqualität Europas. Im Winter ist die Feinstaubbelastung teils höher als in Megastädten wie Peking. Nun haben Forschende des Paul-Scherrer-Instituts PSI erstmals genau untersucht, woher die Schadstoffe kommen – und warum sie sich innerhalb der Stadt stark unterscheiden.
Mit einem mobilen Labor fuhren die Wissenschaftler durch die bosnische Hauptstadt. In drei Wochen sammelten sie Daten in Wohnquartieren, im Stadtzentrum und entlang wichtiger Verkehrsachsen. Das Ergebnis: Die Luftverschmutzung ist kein gleichmässiges Problem, sondern stark lokal geprägt.
Heizen treibt die Werte am Abend hoch
Tagsüber ist die Feinstaubbelastung relativ gleichmässig verteilt. Am Abend jedoch steigen die Werte in vielen Wohnquartieren massiv an. Der Hauptgrund: geheizt wird mit Holz und Kohle. In manchen Vierteln stammen bis zu 60 Prozent der Feinstaubpartikel aus solchen Heizungen.
Zwei Drittel aller Messungen lagen über dem Tagesgrenzwert der Weltgesundheitsorganisation. Kurzzeitig erreichten die Werte ein Vielfaches dessen, was als gesundheitlich vertretbar gilt. Zusätzlich fanden die Forschenden krebserregende Stoffe im Feinstaub.
Auch die historische Altstadt Baščaršija ist stark belastet – allerdings aus einem anderen Grund. Dort sorgen die vielen Restaurants für Emissionen aus Grill- und Kochabluft. Für Anwohnende gibt es immerhin einen kleinen Vorteil: Nachts strömt frische Luft ins Tal, die Schadstoffwerte sinken schneller als in anderen Stadtteilen.
Neben Feinstaub spielt auch Schwefeldioxid eine grosse Rolle. Dieses Gas stammt vor allem aus alten Kohlekraftwerken im Westbalkan. Während die Werte in der Schweiz kaum messbar sind, steigen sie in Bosnien-Herzegowina stark an und bleiben besonders in Tälern hoch.
Grosse Wirkung durch saubere Heizungen
Die Forschenden sind überzeugt: Würde die Luftverschmutzung um die Hälfte sinken, könnten in Bosnien-Herzegowina jedes Jahr rund 5000 Menschenleben gerettet werden. Dazu bräuchte es besser gedämmte Gebäude, sauberere Heizsysteme und langfristige Messstationen zur Überwachung der Luftqualität. Die Schweizer Studie liefert dafür erstmals eine solide Datengrundlage – und zeigt, wo Massnahmen am meisten bringen würden.
Um die Luft über Sarajevo zu verbessern, müssten möglichst viele Gebäude gedämmt und an das Gasnetz angeschlossen werden. Dies ist nicht überall einfach, insbesondere an den Hängen, und deshalb ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Sauberere Pelletheizungen wären neben dem Gas auch eine praktikable Lösung.













