Studie untersucht Schwarzmarkt für Cannabis in der Waadt
Die Stiftung Sucht Schweiz hat sich am Rande des Pilotversuchs zum regulierten Verkauf von Cannabis (Cann-L) in der Stadt Lausanne mit dem Schwarzmarkt für Cannabis im Kanton Waadt befasst. Sie kommt zum Schluss, dass sowohl die Preise als auch die THC-Gehalte starken Schwankungen unterliegen und dass das Angebot von Cann-L wettbewerbsfähig ist.

Auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt kosten Cannabisprodukte laut der am Dienstag veröffentlichten Studie zwischen einem und 37 Franken pro Gramm. Der THC-Gehalt schwankt zwischen einem und 33 Prozent für Blüten und zwischen zwei und 61 Prozent für Harz (Haschisch), wie die Autoren der Studie festhielten.
Dieser Befund sei nicht ungewöhnlich auf illegalen Märkten, wo Konsumentinnen und Konsumenten nur über wenige Informationen verfügten, um ihre Entscheidungen zu treffen, und wo sie einer grossen Unsicherheit und verschiedenen Risiken ausgesetzt seien.
Die Untersuchung basiert auf fünf Datenquellen, und zwar Polizeibeschlagnahmungen, CannCheck- und Drug-Checking-Projekte, die Europäische Online-Drogenumfrage (ESWD) und das Pilotprojekt Cann-L.
Daraus geht hervor, dass die durchschnittlichen THC-Werte von Cannabis je nach Produkt variieren. Blüten weisen durchschnittlich 13 bis 15 Prozent THC auf, während Harze doppelt so viel, nämlich 30 Prozent, enthalten. Die durchschnittlichen Preise pro Gramm liegen hingegen bei 10 Franken für Blüten und 8 Franken für Harze. Letztere seien somit derzeit «die stärksten und günstigsten Produkte» auf dem Schwarzmarkt,.
Die Autoren der Studie stellten weiter fest, dass bei Käufen kleiner Mengen zwischen einem und drei Gramm die Durchschnittspreise «deutlich höher» sind. Sie belaufen sich auf etwa 14 Franken pro Gramm für Blüten und 12 Franken für Harz. Es bestehe kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem gezahlten Preis und dem THC-Gehalt. Dieser Markt sei daher für die Konsumenten «oft wie eine Lotterie».
Was die Beschaffung angeht, so kaufen die Konsumenten meist direkt bei Dealern, Freunden oder Bekannten. Käufe im Darknet oder in sozialen Netzwerken, Eigenanbau oder Geschenke werden als «eher marginal» angesehen.
Angesichts dieser Faktoren hält Sucht Schweiz das Angebot von Cann-L für wettbewerbsfähig. «Die Hauptunterschiede zwischen den Produkten auf dem Schwarzmarkt und denen, die im Rahmen des Pilotversuchs angeboten werden (...), sind der höhere durchschnittliche THC-Gehalt der Harze und die niedrigeren Preise beim Kauf grosser Mengen Cannabis», heisst es in der Studie. Im Gegensatz dazu biete Cann-L «Qualitätskontrollen (THC-Gehalt, Schimmel, Pestizide usw.), Vorhersehbarkeit und eine Betreuung, die mit denen des Schwarzmarktes nicht zu vergleichen sind».
Das Bundesamt für Gesundheit hatte im März 2023 grünes Licht für das Cann-L-Projekt der Waadtländer Hauptstadt gegeben. Ziel des Versuchs ist es, die Auswirkungen eines nicht gewinnorientierten Verkaufs von Cannabis auf das Verhalten der Konsumierenden sowie dessen Einfluss auf den illegalen Markt zu bewerten. Die Teilnehmenden müssen alle sechs Monate einen Fragebogen ausfüllen. Das 1,7 Millionen Franken teure Projekt ist auf eine Dauer von viereinhalb Jahren angelegt.
In der Schweiz hat das Inkrafttreten einer Änderung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel 2021 den Weg für streng kontrollierte Pilotversuche geebnet. Ausser in Lausanne wird die legale Cannabis-Abgabe unter anderem auch in den beiden Basel, Bern, Biel, Genf und Zürich getestet.














