Konsumentenschutz will Süssigkeiten an Kasse verbannen
Nüssli statt Schoggi: Konsumentenschützer wollen den Snackregalen bei Supermarkt-Kassen eine Diät aufzwingen. Es gehe um die Gesundheit von Kindern, heisst es.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Konsumentenschutz fordert ein Verbot von Süssigkeiten an Supermarkt-Kassen.
- Eine Studie zeigt: 98 bis 100 Prozent der Kassen bieten Süsswaren an.
- Die Detailhändler zeigen sich offen für gesündere Alternativen an den Kassen.
Fast alle Supermarkt-Kassen in der Schweiz sind mit Süssigkeiten bestückt. Eine neue Untersuchung zeigt das Ausmass dieser Praxis auf. Jetzt fordert der Westschweizer Konsumentenschutz Gegenmassnahmen.
Die Fédération Romande des Consommateurs (FRC) hat im vergangenen Jahr 331 Kassenbereiche in 30 Geschäften untersucht. Das Ergebnis nennt die Organisation «erschreckend», wie RTS berichtet. An 98 bis 100 Prozent aller Kassen lagen Süsswaren aus.
Detailhändler locken gezielt Kinder an
Vier von fünf Kassenbereichen enthielten Produkte für Kinder. Von 2272 untersuchten Artikeln richteten sich 22 Prozent direkt an die Jüngsten. Die Platzierung an den Kassen soll Impulskäufe fördern.
Die Süssigkeiten kosten nur wenige Franken pro Stück. Sie sind in kleinen Portionen verpackt und sofort konsumierbar. Diese Strategie zielt bewusst auf spontane Kaufentscheidungen ab.
Die Studie soll aufzeigen, wie gezielt der Detailhandel Kinder anspricht. Der Konsumentenschutz will so gegen Übergewicht bei Minderjährigen vorgehen.
Kassenbereich bringt hohe Gewinne
Dazu komme: Die Preise an den Kassen sind deutlich höher als in den Regalen. Manche Schoggiriegel kosten mehr als das Doppelte im Vergleich zu Mehrfachpackungen.
Eine deutsche Studie zeigt die Rentabilität dieser Zone auf: Der Kassenbereich macht 4,7 Prozent des Umsatzes aus. Dabei nimmt er nur 1,1 Prozent der Ladenfläche ein.
Der Gewinn pro Quadratmeter ist in diesem Bereich also besonders hoch.
Politik fordert bereits Veränderungen
Der Westschweizer Konsumentenschutz will eine schweizweite Regelung. Im Kanton Genf hat das Parlament einen Vorstoss der Regierung überwiesen. Dieser fordert die Entfernung von Süssigkeiten aus dem Kassenbereich.
Grossbritannien führte ein entsprechendes Verbot für Süssigkeiten an Supermarkt-Kassen bereits 2022 ein.
Die FRC schlägt konkrete Alternativen vor. Nüsse, Trockenfrüchte und Kompotte ohne Zucker könnten die Süsswaren ersetzen. Auch Wasser und ungesüsste Getränke seien denkbar.
Saisonale Artikel könnten ebenfalls angeboten werden. Die Organisation betont, dass dies der Rentabilität nicht schaden würde. Gesunde Produkte könnten ähnliche Gewinne erzielen.
Detailhändler zeigen sich gesprächsbereit
Die Detailhändler reagieren gegenüber RTS auf die Kritik. Migros, Coop, Denner, Aldi und Lidl zeigen sich offen für gesündere Alternativen an den Kassen.
Die Unternehmen erklären, bereits heute gesunde Produkte anzubieten. Sie wollen das Angebot an neuralgischen Durchgangspunkten – an besonders stark frequentierten Orten mit vielen Kunden – ausbauen. Eine komplette Umstellung steht aber noch nicht fest.

Konsumentenschützer schlagen bereits seit Längerem Alarm: Studien zeigen, dass Kinder stark auf visuelle Reize reagieren. Bunte Verpackungen und bekannte Charaktere beeinflussen ihre Kaufwünsche erheblich.
Zudem sind viele der Regale auf Augenhöhe von Kindern platziert.
Eltern geraten dadurch oft unter Druck und geben den Bitten ihrer Kinder nach.
Schweizer Kids essen sich krank
2024 berichtete Nau.ch, dass Coop Gummibärchen und Schöggeli sogar an der Beauty- und an der Haushaltswarenkasse verkauft. Allerdings nur als Testphase.
«Diese haben wir aufgrund geringer Nachfrage in der Zwischenzeit abgebrochen», erklärte Coop.
Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit schlug letzten Dezember gegenüber Nau.ch Alarm: «21 Prozent der Kinder und Jugendlichen essen wöchentlich Fastfood. Und im Durchschnitt konsumieren sie 2,5 Deziliter Süssgetränke pro Tag.»
Die Schweizer Bevölkerung ernähre sich insgesamt unausgewogen. Der Zuckerkonsum liege doppelt so hoch wie empfohlen. Die schlechte Ernährung verursacht Kosten von 66 Milliarden Franken jährlich in der Schweiz.


















