SRF: Sexistische Sprüche bei Interview-Soundcheck sorgen für Stunk
Im Juli war eine australische Philosophin beim SRF zu Gast. Nun klagt sie an, während des Soundchecks Opfer sexualisierter Gewalt geworden zu sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei der SRF-Sendung «Sternstunde Philosophie» war im Juli die Philosophin Kate Manne zu Gast.
- Nun klagt sie in einem Essay, sie sei dort Opfer von sexualisierter Gewalt geworden.
- Denn: Ihr Simultanübersetzer sprach ihr während des Soundchecks obszöne Sachen ins Ohr.
Die australische Philosophieprofessorin Kate Manne war diesen Juli in der Sendung «Sternstunde Philosophie» von SRF zu Gast.
Thema der Sendung war Übergewicht. Dort gab die Professorin, die an der rennomierten Cornell University in den USA kehrt, ein Interview.
Doch offenbar war der Besuch bei SRF für die Philosophin, deren Schwerpunkt auf feministischer Philosophie liegt, kein positives Erlebnis.
Denn: Manne klagt nun in einem Essay an, sie sei während des Interview-Soundchecks belästigt worden.
«Er war freundlich, sogar kumpelhaft»
Zuerst habe sie an jenem Tag Moderatorin Barbara Bleisch getroffen, erklärt Manne in ihrem Essay. Dabei sei ihr auch ihr Simultanübersetzer vorgestellt worden.
Die Idee: Bleisch sollte ihre Fragen auf Deutsch stellen. Der Simultanübersetzer sollte derweil alles via einen Knopf im Ohr der Philosophin übersetzen. Dies sollte Manne die Möglichkeit geben, sofort auf Englisch zu antworten.
Das Zusammentreffen mit dem Übersetzer sei anfangs gut gelaufen, schildert die Philosophin in ihrem Essay. «Er war freundlich, sogar kumpelhaft.» Er sei ein lustiger Mann in seinen Fünfzigern mit einem englischen Akzent gewesen.
Doch während des Soundchecks sei die Stimmung plötzlich gekippt. Denn: Der Übersetzer habe ihr unangebrachte Sätze ins Ohr gesprochen.
«Der Inhalt war schockierend explizit»
«Heute Nacht, wenn du dich ausziehst...» oder «Deine Hüften, deine grenzenlosen Brüste...» soll er laut Mannes Schilderungen gesagt haben.
Manne dazu: «Der Inhalt war schockierend explizit, sodass ich völlig aus der Bahn geworfen wurde.»

Sie habe nicht gewusst, wie sie darauf reagieren sollte, so die Philosophin. Daraufhin habe sie eine Assistentin gefragt, ob sie das Gesagte hören könne. Doch diese habe gezögert.
Schliesslich sei es eine Tontechnikerin gewesen, die mit neutralem Gesichtsausdruck genickt habe. Danach bestätigte Manne, dass sie das vom Übersetzer Gesprochene hören könne. «Als ich bestätigte, dass ich es korrekt höre, hörte der Schwall von Obszönitäten auf.»
Übersetzer sprach Philosophin ein Gedicht ins Ohr
Sie habe den Übersetzer gefragt, was er ihr da ins Ohr spreche. Er habe ihr erklärt, dass es sich um ein Gedicht handle.
Manne schildert weiter, dass sie das Gedicht nicht gekannt habe. Sie habe dem Übersetzer erklärt, dass sie es nachschlagen müsse.
Und tatsächlich: Beim Gedicht handelte es sich um «Ode to Fat» von Ellen Bass, einer US-Autorin und Dichterin.
Für Philosophin Manne keine Entschuldigung: «Vielleicht war es sein plumper Versuch, seine Unterstützung zu zeigen.» Doch ihr persönlicher unbehaglicher Eindruck habe die Situation überschattet.
SRF nimmt Stellung
«Ich bin den ganzen Weg gereist, um für meine Arbeit als feministische Philosophin interviewt zu werden», so Manne. Doch: «Diese Gelegenheit hat mich nicht davor bewahrt, sexuell expliziten Inhalt in mein Ohr geträufelt zu bekommen. Auf eine Art, die erschreckt und verunsichert.»
Mittlerweile hat auch das SRF auf die Vorwürfe seines Gastes reagiert.

Gegenüber dem Newsportal «Watson» erklärt die Rundfunkgesellschaft: «SRF respektiert und schützt die persönliche Integrität aller Mitarbeitenden und Gäste. Bei sexueller Belästigung und sexistischem Verhalten gilt bei SRF Nulltoleranz.»
Man werde den Vorfall umgehend prüfen. Falls es erforderlich sei, werde man im Anschluss weitere Schritte einleiten.












