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    Jack Stark: Der Gentleman, der Schweizer People-Journalismus erfand

    Thomas Renggli
    Thomas Renggli

    Zürich,

    Er kannte sie alle – von Alfred Hitchcock über Grace Kelly bis zu Sean Connery. Doch vor allem war Jack Stark selber eine Ausnahmeerscheinung.

    Jack Stark Nena
    Jack Stark mit der deutschen Sängerin Nena. - nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Jack Stark war ein Gentleman der Feder, ein Mann von grosser Bildung, feinem Humor und Respekt.
    • Nun ist der Pionier des Schweizer People-Journalismus im 91. Lebensjahr verstorben.

    Es war eine Ära, als der Boulevard noch Eleganz besass und Journalismus viel mit Fingerspitzengefühl, Diskretion und Kultur zu tun hatte.

    Mittendrin: ein promovierter Jurist aus Zürich, der eigentlich Herbert hiess, seinen Spitznamen dem Fussballer Jacky Fatton verdankte und sich mit der Gelassenheit eines Mannes gab, der sich nichts mehr zu beweisen hatte.

    Jack Stark hinterlässt seine Ehefrau Susanne, seine drei erwachsenen Töchter Alexandra, Liza und Nina sowie zwei Enkel.

    Der «Chasseur» traf – aber verletzte nie

    Seine Karriere begann 1964 eher beiläufig am Filmfestival Locarno. Stark traf einen befreundeten Fotografen und verfasste spontan ein paar Bildlegenden für den «Blick».

    Die Zeilen waren derart pointiert und elegant, dass die Ringier-Macher sofort wissen wollten, wer hinter dieser Feder steckte. 1965 wurde Stark zum ersten Promi-Reporter des Landes.

    Jack Stark Udo Jürgens
    Jack Stark mit Udo Jürgens und Kindern. - nau.ch

    Seine Kolumne «Mit Chasseur dabei» wurde rasch zum Pflichtstoff und Tagesgespräch. Stark war wie ein versierter Jäger – der «Chasseur» –, der fast immer das Ziel traf, aber nie verletzte. Von Heidi Abel über Sonja Ziemann bis zu Weltstars: Wer Rang und Namen hatte, begegnete ihm.

    Während andere in der Gruppe auftraten, suchte Stark das persönliche Gespräch. «Von Rudeljournalismus hielt ich nichts. Pressekonferenzen konnte man auslassen. Am Schluss schrieben alle das Gleiche», sagte er einst.

    Mick Jagger, Hitchcock und Sean Connery

    Starks Geschichten entstanden nicht an Konferenztischen, sondern mitten im Leben. Er war dabei, als Mick Jagger 1967 nach dem chaotischen Rolling-Stones-Konzert im Hallenstadion wegen «ungepflegten Aussehens» vom Zürcher Nachtklub «High Life» abgewiesen wurde.

    Er spielte in Cannes Tennis gegen Anthony Quinn und verlor 0:6, 0:6. Alfred Hitchcock verriet ihm unter vier Augen seinen persönlichen Lieblingsfilm.

    Und als Stark sich Sean Connery mit «My name is Stark – Jack Stark» vorstellte, rang er selbst dem sonst so wortkargen Schotten ein Schmunzeln ab.

    Jack Starl Paola
    Jack Stark mit Paola Del Medico. - nau.ch

    Auch musikalisch hinterliess Jack Stark tiefe Spuren: 1969 schrieb er für die junge St. Gallerin Paola Del Medico den Text zu «Bonjour, bonjour». Sie belegte beim Eurovision Song Contest den fünften Platz – der Startschuss zu einer grossen Karriere.

    «Ich bin eigentlich ein Bünzli»

    Trotz des Glanzes der grossen Welt blieb Jack Stark im Herzen bodenständig. «Ich bin eigentlich ein Bünzli. Ich war zwar oft mit Prominenten zusammen, aber wirklich zu ihnen gehört habe ich nicht», sagte er einmal.

    Seine wahre Erfüllung fand er nicht auf den roten Teppichen, sondern am Klavier zu Hause und an der Seite seiner Susanne, mit der er vor wenigen Jahren die goldene Hochzeit feiern durfte.

    Für sie und seine drei Töchter – Liza taufte er in Anlehnung an Liza Minnelli – war er nicht der Promi-Jäger, sondern der liebevolle Vater und Ehemann. Seine beiden Enkel liebte er über alles.

    Jack Stark Uschi Glas
    Jack Stark mit Uschi Glas. - nau.ch

    Mit Jack Stark verliert die Schweiz einen Journalisten alter Schule: gebildet, wortgewandt, stilvoll und von tiefer Humanität geprägt.

    Ein Vorbild, das zeigte, dass man den Prominenten ganz nahe sein kann, ohne je die eigene Haltung und den Anstand zu verlieren.

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    Kommentare

    User #3108 (nicht angemeldet)

    Einige „billige“ Promijäger aus der heutigen Zeit könnten sich etwas bei ihm abschauen. Ein Mann mit Format war Jack Stark!

    User #6467 (nicht verifiziert)

    Jack Stark kannte viele Grössen , zählte sich aber nie dazu. Das machte ihn zur Grösse. Er baute Beziehungen auf Augenhöhe auf, ohne sich selbst zu inszenieren. Ergo, das pure Gegenteil von z. B. Infantino

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