PHP Sicherheitslücke: Gravierendstes Sicherheitsproblem seit Jahren

    Simon Binz
    Simon Binz

    Bern,

    Wegen gefährlicher Sicherheitslücken in der Web-Programmiersprache PHP haben zahlreiche Behörden und Städte ihre Internetangebote vorsorglich abgeschaltet.

    ETH PHP
    Die Websites der ETH Lausanne sind derzeit nicht erreichbar. - Screenshot/epfl.ch

    Wegen einer Warnung vor Cyberangriffen aufgrund einer gravierenden Sicherheitslücke in der Web-Programmiersprache PHP haben Regierungsbehörden und Unternehmen weltweit zahlreiche Internetseiten abgeschaltet. In Europa waren am Mittwoch unter anderem Websites in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien betroffen.

    In der Schweiz sind unter anderem die Universität Genf und die ETH Lausanne betroffen. Auch der Kanton Basel-Stadt hat seine Webseiten ebenfalls vorsorglich heruntergefahren. Im Tessin wurden vorübergehend ebenfalls einige kantonale Online-Dienste deaktiviert.

    Weiter war etwa auch die Jobplattform Jobs.ch zeitweise nicht erreichbar. Auch ausser Betrieb war die Plattform Lodur, die für die Verwaltung zahlreicher Schweizer Feuerwehren genutzt wird. Ebenfalls nicht erreichbar ist derzeit die Schweizer Arbeitsplanungssoftware «Planik».

    Nau.ch-Ticker:

    Experte: Gravierendstes Sicherheitsproblem seit Jahren

    Softwareentwickler Volker Dusch, der für die PHP Foundation arbeitet, sagte dem «Wall Street Journal», es sei das gravierendste Sicherheitsproblem der Programmiersprache seit über zehn Jahren.

    Wirst du dich in den nächsten Tagen weniger im Internet aufhalten?

    OpenAI stuft die Lücken ebenfalls als eine der folgenschwersten der jüngeren Vergangenheit ein. Der Fall zeige zugleich, dass künstliche Intelligenz inzwischen weltweit relevante Schwachstellen aufdecken kann.

    Suche nach möglichen Hacker-Opfern

    Noch ist unklar, wie viele Websites vor dem nötigen Update gehackt wurden. Censys-Sicherheitsforscher Silas Cutler sagte dem US-Sender «NBC News», es könne Tage dauern, bis das tatsächliche Ausmass klarer werde.

    Fast 55 Millionen Websites betroffen?

    Rund 55 Millionen Webangebote liefen laut dem Sicherheitsdienst Censys am Mittwoch mit PHP, darunter Websites, Onlineshops, Newsportale und digitale Datenbanken. Unklar ist, wie viele davon das nötige Update schon installiert haben. Ebenso offen ist, wie viele Seiten gehackt wurden, bevor die Sicherheitslücke geschlossen wurde.

    70 Prozent des Internets nutzen die Sprache

    Vielen ist PHP kein Begriff, dabei steckt die vor über 30 Jahren veröffentlichte Programmiersprache hinter einem Grossteil der Websites und Webanwendungen. Schätzungen zufolge setzen rund 70 Prozent des Internets auf PHP. Dazu gehört auch WordPress, das für mehr als 40 Prozent aller Websites genutzt wird.

    PHP Sicherheitslücke
    So sieht ein Code in der Programmiersprache PHP aus. - Screenshot/Wikipedia

    Problem schon seit 2024 bekannt?

    Die PHP Foundation räumt ein, dass schon bei einem Sicherheitsaudit im Jahr 2024 erste Hinweise auf das Problem aufgetaucht sind. Gelöst wurde es damals nicht. Als Gründe nennt die Stiftung technische Herausforderungen und begrenzte Entwicklungsressourcen.

    Auch US-Auslandsgeheimdienst NSA warnt vor Gefahr

    Auch die US-Behörde NSA schlägt wegen der zwei kritischen PHP-Sicherheitslücken Alarm. Sie rät allen Organisationen, die PHP einsetzen, sich sofort auf ein Sicherheitsupdate vorzubereiten. Über die Schwachstellen könnten Angreifer direkt auf das Dateisystem eines Servers oder auf Datenbanken zugreifen.

    Ist ein sofortiges Update nicht möglich, empfiehlt die NSA, betroffene Systeme vorsichtshalber offline zu nehmen, bis die Gefahr vollständig gebannt ist.

    Britische Cyber-Behörde rät notfalls zum Abschalten

    Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) warnt Unternehmen wegen der zwei kritischen PHP-Sicherheitslücken und fordert rasche Updates.

    Unter bestimmten Bedingungen können Angreifer über die Schwachstellen aus der Ferne Schadcode einschleusen, und zwar ohne vorherige Anmeldung.

    Lässt sich ein System weder zeitnah aktualisieren noch vorübergehend absichern, empfiehlt die Behörde, es bis zur vollständigen Absicherung offline zu nehmen.

    PHP
    Auch die Universität Genf hat zur Sicherheit ihre Website offline genommen. - Screenshot/unige.ch

    OpenAI warnte vor schwerer Sicherheitslücke

    OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, stuft die entdeckten PHP-Schwachstellen als «eines der folgenreichsten Sicherheitsprobleme der jüngeren Vergangenheit» ein. Der Grund seien die Schwere der Lücken und die weite Verbreitung von PHP. Nach eigenen Angaben hat OpenAI selbst dabei geholfen, die Sicherheitslücke aufzuspüren.

    Was ist passiert?

    Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Grossteil des Internets basiert – von einfachen Blogs über grosse Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie Wordpress.

    Wie unter anderem das IT-Sicherheitsunternehmen Huntress, das Computer Emergency Response Team des Bundes (CERT) sowie das offizielle PHP-Sicherheitsteam berichten, handelt es sich um eine akute Notfallsituation, die Betreiber von Internetseiten in aller Welt zu schnellem Handeln zwingt.

    PHP
    Das Gefahrenpotenzial der PHP-Sicherheitslücken ist extrem hoch. - keystone

    Extrem hohes Gefahrenpotenzial

    Unter dem Namen «PHP2Shell» warnen Sicherheitsexperten vor gleich zwei kritischen Schwachstellen im Kern der Programmiersprache, die unter den offiziellen Registriernummern CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 geführt werden.

    Das Gefahrenpotenzial dieser Lücken ist demnach extrem hoch: Kriminelle Akteure können die Schwachstelle ausnutzen, um aus der Ferne eigenen Schadcode auf den betroffenen Servern auszuführen.

    In der Praxis ermöglicht dies Angreifern, die vollständige Kontrolle über eine Website zu übernehmen, sensible Kundendaten abzugreifen oder die Infrastruktur für weitere Cyberattacken zu missbrauchen.

    Was Betreiber jetzt tun sollen

    Die Behörden raten Betreibern zu sofortigem Handeln: Das Sicherheitsupdate soll schnellstmöglich eingespielt werden. Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) und die US-Behörde NSA empfehlen ausserdem, betroffene Systeme vorübergehend offline zu nehmen, wenn weder ein Update noch eine vorläufige Absicherung zeitnah möglich ist. Sie sollen erst wieder ans Netz, wenn sie vollständig abgesichert sind.

    Gravierende Sicherheitslage

    Für normale Internetnutzer besteht beim alltäglichen Surfen auf dem Smartphone oder PC zwar kein direkter Handlungsbedarf, da sich die Sicherheitslücke nicht auf den Endgeräten der Anwender befindet, sondern auf den Servern im Hintergrund.

    Dennoch können Verbraucher indirekt betroffen sein – etwa durch vorübergehende Ausfälle von Onlinediensten oder potenzielle Datenabflüsse auf nicht rechtzeitig geschützten Webseiten.

    Webseite PHP
    Weltweit waren am Mittwochabend diverse Webseiten offline. - keystone

    Die Entwickler der Programmiersprache sowie Hosting-Anbieter weltweit arbeiten derzeit rund um die Uhr daran, korrigierte Softwareversionen bereitzustellen und zu verteilen. IT-Sicherheitsfachleute betonen nachdrücklich, dass es sich bei diesem Vorfall ausdrücklich nicht um Routineupdates handelt, sondern um eine der gravierendsten Sicherheitslagen der letzten Jahre.

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    Kommentare

    User #4436 (nicht angemeldet)

    also ich hab mir als erstes ein Glas Wasser hingestellt und schau jetzt mal wie sich da der Sturm entwickelt

    User #4016 (nicht angemeldet)

    Ich werde niee weider ins Internet gehen. Alles gefährlich, die KI, der Virus, alles schlimm, hhuuuuuuu

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