Futsal: Premiere für Frauen-Nati – zwei Minerva-Spielerinnen dabei
Fünf Jahre nach dem Meisterschafts-Start gibt nun auch eine Schweizer Frauen-Futsal-Nati ihr Debüt. Das erste Länderspiel fand gegen Frankreich statt.

Für den Frauen-Futsal ein historischer Moment. Ein wegweisendes Ereignis für dieses Team, das den Schweizer Spielerinnen neue Perspektiven eröffnet. In der Sporthalle Michel-Muffat-Joly im Nationalen Fussballzentrum Frankreichs wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des Schweizer Futsals geschrieben.
Die erste Begegnung war ein wichtiger Schritt, um sich zu orientieren und die Grundlagen für die Zukunft zu legen. «Als vor dem Spiel die Nationalhymnen ertönten, bekam ich Hühnerhaut», blickt Minerva-Spielerin Aline Guillet zurück.
Sie führte das Nationalteam als Captain an und erlebte den geschichtsträchtigen Moment hautnah mit. Im Schweizer Team stand auch eine zweite Minerva-Spielerin, Torhüterin Joëlle Zellweger, und so waren zwei Akteurinnen dabei, für welche das Abspielen der Hymnen keine Novität darstellte.

Cinzia Zehnder, die unter anderem in der Bundesliga für die SC-Freiburg-Frauen spielte, bestritt 30 Länderspiele auf Rasen, Malin Gut, die auch bei den Frauen von Arsenal unter Vertrag stand, 14 Länderspiele für das Schweizer Frauen-Nationalteam. «Alle Spielerinnen, die im Aufgebot standen, haben eine Vergangenheit auf Rasen», sagt Fabio Santona, der das Nationalteam coacht.
Der ehemalige Captain des Futsal-Männer-Nationalteams, der in der vergangenen Saison die Minerva- Frauen zum ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte führte, verfügt derzeit über ein Kader von rund 25 Frauen. Doch nicht immer sind alle unter ihnen einsatzbereit, weil einige auch noch in Fussballklubs aktiv sind.
Die Vorbereitung auf das erste Länderspiel fiel bescheiden aus. «Wir trainierten zweimal an einem Wochenende zusammen und absolvierten acht Einheiten, ehe wir die Reise in Richtung Paris antraten», so der Coach. Doch das reicht nicht, um Automatismen einzustudieren und international konkurrenzfähig zu sein.
«Futsal hat zwar auch zwei Tore und wird mit einem Ball gespielt, doch sonst unterscheidet er sich grundsätzlich vom Spiel auf Rasen. Das Spiel ist schneller, die Räume sind enger, die Entscheidungen müssen sofort getroffen werden, die technischen Anforderungen sind höher, als dies auf Rasen der Fall ist», sagt Santona, der vor vier Jahren bei Minerva seinen Rücktritt als Spieler gab.
Alexandre Rappaz, Futsal-Verantwortlicher beim SFV, zeigte sich nach dem Auftaktspiel zufrieden: «Dieses neu gegründete Team ist eine Belohnung für das Engagement und die Arbeit jeder einzelnen Spielerin. Die Frauen spielen seit mehreren Jahren in der Swiss Futsal Women’s Premier League und haben in der Vergangenheit ihre Leidenschaft für den Futsal unter Beweis gestellt.

Für ein Nationalteam, das gerade erst an den Start geht, ist das Niveau ermutigend. Diese Auswahl eröffnet zudem eine zusätzliche Perspektive: Futsal kann mit seinen eigenen Anforderungen und der Möglichkeit, das Nationaltrikot zu tragen, eine echte Alternative in der Karriere einer Fussball-Spielerin sein.»
Die mangelnde Erfahrung
«Wir haben in unserem Team zwar viel Potenzial, aber die Partie gegen Frankreich hat eindeutig gezeigt, dass uns die Erfahrung noch fehlt, um auf diesem Niveau mitzuhalten.
Zwar sind alle Spielerinnen ehemalige Fussballerinnen auf einem beachtlichen Niveau, doch im Futsal genügt das nicht, es braucht auch ein bestimmtes Spielverständnis, um erfolgreich zu sein», sagt Aline Guillet, die immer auch noch im Plauschteam der Femina Kickers Worb in der 3. Liga spielt, bei Futsal Minerva den Vorstand als Grafikerin unterstützt und bei den Femina Kickers im Vorstand sitzt.
Grosse Zukunftspläne
Klar, dass dieses erste Länderspiel gegen Frankreich, das bereits seit vier Jahren über ein Nationalteam verfügt und deshalb einiges mehr an Routine mitbringt, für die Schweizer Frauen Futsal-Equipe nur der Anfang sein soll.
Das Resultat gegen die Nummer 34 der Weltrangliste (1:11-Niederlage) war denn auch nebensächlich, bedeutend wichtiger war es, diese Erfahrung zu machen und zu sehen, in welchen Belangen gearbeitet werden muss, um mit den stärksten Landesauswahlen konkurrenzfähig zu werden.
Fernziel EURO-Teilnahme
Für Coach Santona ist klar, dass noch viel Arbeit bevorsteht, um die bereits im Hinterkopf existierenden Ziele zu erreichen. In ferner Zukunft steht die Teilnahme an einer EURO-Endrunde im Vordergrund. Die EURO der Futsal-Frauen wurde erstmals 2019, bisher dreimal ausgetragen und stets von Spanien gewonnen.
INFO
Das Schweizer Team
Tor:
Joëlle Zellweger (Futsal Minerva)
Céline Küttel (Futsal Luzern)
Feldspielerinnen:
Lisa Bregenzer (Futsal Luzern)
Valérie Bregy (Futsal Sion)
Aline Guillet (Futsal Minerva)
Malin Gut (Jester 04 Baden)
Lea Hinnen (Futsal Olympique Basel)
Jasmine Imboden (Futsal Luzern)
Natalija Lovrinovic (Futsal Luzern)
Carolyn Mallaun (Futsal Luzern)
Lesley Ramseier (Jester 04 Baden)
Nathalie Schenk (Futsal Luzern)
Celina Tenini (Jester 04 Baden)
Cinzia Zehnder (Jester 04 Baden)
Headcoach: Fabio Santona
Assistent: Timo Glanzmann
Die nächste Endrunde findet im kommenden Jahr in Kroatien statt, ein Land mit einer starken Futsal-Bewegung. 2025 wurde erstmals eine Weltmeisterschaft ausgetragen und von Brasilien gewonnen. Inskünftig werden Welt- und Europameisterschaften analog der Rasen-Weltmeisterschaften in einem Vier-Jahres-Rhythmus durchgeführt.
Dereinst an einer EURO dabei zu sein, ist eines der Ziele von Fabio Santona. Diese Gedanken sind zwar vorderhand noch nicht spruchreif, doch durchaus erlaubt. «Wir sind davon noch weit weg, doch ich denke, dass eine EURO-Teilnahme bei den Frauen eher im Bereich des Möglichen liegt als bei den Männern, weil die Leistungsdichte weniger ausgeprägt ist als bei den Männern.»








