Malediven: Machten die fünf toten Taucher fatale Fehler?
Nach dem Tod von fünf Italienern bei einem Höhlentauchgang auf den Malediven verdichten sich die Hinweise auf schwere Regelverstösse der Gruppe.

Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Italiener kamen beim Tauchen in der Alimathaa-Höhle auf den Malediven ums Leben.
- Experten kritisieren fehlende Genehmigungen, falsche Ausrüstung und missachtete Warnungen.
- Vier Leichen sind noch nicht geborgen; Spezialisten unterstützen die Bergungsaktion.
Warum mussten fünf Italiener bei einem Tauchgang in der Alimathaa-Höhle auf den Malediven sterben? Während die maledivischen Behörden zum tödlichen Vorfall vom vergangenen Donnerstag ermitteln, zeichnet sich ein erschreckendes Bild ab: Die Gruppe soll gleich mehrere grundlegende Regeln missachtet haben.
Shafraz Naeem, ehemaliger Militärtaucher und Berater des maledivischen Militärs, zeigt sich gegenüber «Maldives Independent» entsetzt. Tauchgänge unter 30 Metern benötigen auf den Malediven eine Genehmigung der Seebehörden – die soll die Gruppe nicht gehabt haben.
Für einen Höhlentauchgang wäre ausserdem zusätzlich eine Bewilligung der Küstenwache nötig gewesen.
Nur mit Standard-Ausrüstung in die Tiefe gegangen
Hinzu kommt: Die Taucher sollen lediglich mit Standard-Freizeitausrüstung in die Tiefe gegangen sein. Dabei wären für Höhlentauchgänge in fast 60 Metern Tiefe technische Spezialausrüstung vorgeschrieben.
Tauch-Experte Naeem erklärte gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA: «In dieser Tiefe kann die Stickstoffnarkose das Bewusstsein stark beeinträchtigen. Der Gasverbrauch steigt rasch, und in einer Umgebung wie einer Höhle ist der Aufstieg zur Oberfläche sehr komplex.»

Als wäre das nicht genug: Während des Tauchgangs galt im Gebiet rund um die Alimathaa-Höhle bereits eine Wetterwarnung der maledivischen Behörden.
Wetterwarnung auf den Malediven ignoriert
Als mögliche Todesursache gilt derweil eine Sauerstofftoxizität. Ausgelöst durch zu hohen Druck und eine zu hohe Sauerstoffkonzentration in grosser Tiefe. Die möglichen Folgen davon reichen von Krampfanfällen bis hin zum Bewusstseinsverlust. Das berichtete das italienische Nachrichtenmagazin «Adnkronos».
Die Tragödie hat inzwischen ein weiteres Todesopfer gefordert: Bei dem Versuch, die Leichen zu bergen, starb ein Taucher der maledivischen Küstenwache. Vier der fünf Opfer konnten bis heute nicht geborgen werden. Höhlentauchspezialisten aus Finnland sind eingeflogen worden, um die Bergungsaktion zu unterstützen.
Forschungsreise mit tragischem Ausgang
Die Gruppe befand sich nicht als Touristen auf den Malediven, sondern im wissenschaftlichen Auftrag der Universität Genua.
Eine Professorin, ein Tauchlehrer und zwei wissenschaftliche Mitarbeitende erforschten die Auswirkungen des Klimawandels auf die tropische Biodiversität.
Auch die Tochter der Professorin kam ums Leben. Wie es dazu kam, dass die Gruppe den privat organisierten Ausflug trotz aller Risiken unternahm, ist weiterhin unklar.

















