Iran sperrt Strasse von Hormus Risiko für Energiepreise weltweit

Simon Binz
Simon Binz

Iran,

Wie steht es um die Strasse von Hormus? Derzeit gibt es unterschiedliche Informationen über die wichtigste Energie-Transportachse der Welt.

Iran Strasse von Hormus
Die iranischen Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben die Strasse von Hormus gesperrt (Archiv). - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Iranische Revolutionsgarden haben die Strasse von Hormus für gesperrt erklärt.
  • Rund 20 Prozent des globalen Öls und Flüssigerdgases passieren die Meerenge.
  • Eine längere Blockade könnte Energiepreise und Inflation in Europa anheizen.

Die Iranischen Revolutionsgarden teilten am Montagabend mit, sie hätten die Strasse, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, gesperrt. Jedes Schiff, das versuche, die Meerenge zu passieren, werde unter Beschuss genommen, erklärte der Chef der Eliteeinheit.

Einem Bericht von «Fox News» zufolge widerspricht jedoch das US-Zentralkommando (Centcom) dieser Darstellung. Die Strasse von Hormus sei weiterhin hoffen, meldete der Sender in der Nacht auf Dienstag (Schweizer Zeit) unter Berufung auf das Militär. Eine direkte Stellungnahme von Centcom liegt zunächst nicht vor.

Kurz zuvor hatten iranische Medien von einem brennenden Tanker berichtet. Die unter honduranischer Flagge fahrende «Athe Nova» stehe nach einem Drohnenangriff in Flammen, hiess es unter Berufung auf die Revolutionsgarden.

Nadelöhr für Öl, Gas und Dünger

Die Strasse von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman – und ist eine der wichtigsten Energie-Transportachsen der Welt. Rund ein Fünftel des globalen seebasierten Rohöls sowie etwa ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen (Flüssigerdgas) passieren diese Meerenge. Hinzu kommt rund ein Drittel des global gehandelten Harnstoffs, eines der wichtigsten Düngemittel.

Wie gross schätzt du die Folgen einer möglichen Blockade der Strasse von Hormus ein?

In einer Analyse berichtet der britische «Guardian»: Eine längerfristige Störung könnte die Energiepreise deutlich in die Höhe treiben. Der internationale Ölpreis Brent sprang am Montag bereits zeitweise um bis zu 13 Prozent auf über 81 Dollar pro Barrel – den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr – bevor er wieder etwas nachgab.

Inflationsrisiko für Europa

Für Europa wäre eine nachhaltige Blockade besonders heikel. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich der Kontinent stärker mit LNG aus dem Nahen Osten versorgt. Die Gasspeicher sind zwar gefüllt, gelten aber weiterhin als verwundbar bei globalen Angebotsstörungen.

Analysten von Citi rechnen im Extremfall damit, dass europäische Grosshandelspreise für Gas auf bis zu 78 Franken pro Megawattstunde steigen könnten, sollte die Meerenge für mehrere Monate vollständig blockiert sein. Zum Vergleich: Nach dem Ukraine-Krieg waren zeitweise über 234 Franken erreicht worden.

Strasse von Hormus
Die Strasse von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman – und ist eine der wichtigsten Energie-Transportachsen der Welt. - keystone

Steigende Energiepreise gelten als klassischer Inflationstreiber. Höhere Ölpreise verteuern Treibstoffe direkt, wirken sich aber auch indirekt auf Transport- und Produktionskosten aus. Ökonomen sprechen in solchen Fällen von einem «stagflationären» Schock: Steigende Preise bei gleichzeitig gebremstem Wachstum.

Indirekte Folgen für die Schweiz

Noch zeigen sich die Finanzmärkte vergleichsweise stabil. Viele Investoren gehen davon aus, dass mögliche Störungen kurzfristig bleiben könnten – wie in früheren Krisen. Gleichzeitig warnen Banken wie etwa UBS vor Szenarien, in denen Iran den Schiffsverkehr zumindest so stark stört, dass Reedereien und Versicherer die Passage meiden.

Für die Schweiz hätte eine Eskalation indirekte Folgen: Über höhere Energiepreise, steigende Importkosten und neue Inflationsimpulse. Die Nationalbank und andere Notenbanken müssten abwägen zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung.

hormus
Die Strasse von Hormus (rot markiert) ist das wichtigste Nadelöhr für den Ölexport nach Asien (China, Indien, Japan), Westeuropa und in die USA. - OpenStreetMap

Ob es tatsächlich zu einer vollständigen Blockade kommt, bleibt unklar. Experten weisen darauf hin, dass auch Irans eigene Wirtschaft stark von Ölexporten abhängt – ein dauerhafter Stillstand der Route würde somit auch Teheran selbst empfindlich treffen.

Kommentare

User #9331 (nicht angemeldet)

Eine Welt, die sich die SVPler immer wünschten, keiner von den aktuellen verantwortlichen Entscheidungsträgern ist links/grün 🤣🤣🤣🤣🤣🤣

User #5255 (nicht angemeldet)

und jetzt kommt die Angstmacherei! Und wieder bezahlt unser Volk!

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