Hongkongs erster postkolonialer Regierungschef gestorben
Der frühere Hongkonger Regierungschef Tung Chee-hwa ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das teilte Tungs Büro mit. Er sei im Kreise seiner Familie am Dienstag (Ortszeit) friedlich entschlafen. «Seine Verdienste um Hongkong waren ausserordentlich bedeutend», erklärte Hongkongs amtierender Regierungschef John Lee in einer Mitteilung.

Tung war der erste Regierungschef Hongkongs, nachdem Grossbritannien 1997 als damalige Kolonialmacht Hongkong zurück an China gegeben hatte. Unter dem Motto «ein Land, zwei Systeme» sagte Peking den Menschen dort bestimmte Freiheiten zu. «Ich bin fest davon überzeugt, dass Hongkong als Sonderverwaltungsregion Chinas eine noch glanzvollere und erfolgreichere Zukunft bevorsteht», hatte Tung in seiner Antrittsrede am 1. Juli 1997 gesagt.
Der in Shanghai geborene Geschäftsmann und Reeder, der von einem pekingtreuen Gremium für den Posten in Hongkong gewählt wurde, galt als politisch unerfahren. Zu Beginn seiner Amtszeit breitete sich von Thailand eine schwerwiegende Finanz- und Währungskrise in Asien aus, die Hongkong unter anderem durch das Platzen einer Spekulationsblase im Immobilienbereich traf.
Trotz Kritik an der Reaktion der Regierung wurde Tung 2002 für eine zweite fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. 2003 traf die Infektionskrankheit Sars die Finanzmetropole und kostete mehr als 280 Menschen das Leben. Im Sommer 2003 gingen Hunderttausende Menschen auf die Strasse, um gegen ein geplantes Anti-Umsturz-Gesetz zu protestieren. Kritiker sahen darin eine mögliche Bedrohung der Freiheiten Hongkongs. Die Regierung verwarf den Gesetzesvorschlag später.
In Teilen der Bevölkerung wuchsen damals Forderungen nach mehr Mitsprache und direkten Wahlen der Hongkonger Regierung. Tung folgte der Linie Pekings und lehnte die Forderungen ab. 2005 trat er vorzeitig zurück unter Verweis auf seinen Gesundheitszustand.














