Fake-Hilferufe und Spendenbetrug nach dem Erdbeben in Japan
Nach dem schweren Beben in Kumamoto warnen Behörden in Japan vor Falschmeldungen in sozialen Netzwerken und Spendenbetrug.

Wie «SRF» berichtet, hat am 28. Juli 2026 ein Erdbeben der Stärke 7,1 die japanische Präfektur Kumamoto erschüttert. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt und Gebäude beschädigt.
Seither kursieren in sozialen Netzwerken zahlreiche Falschmeldungen. Wie «Sumikai» berichtet, warnt das auf Krisenmanagement spezialisierte Unternehmen Spectee ausdrücklich davor.
Alte Aufnahmen aus anderen Katastrophen werden mit falschen Ortsangaben versehen und als aktuelle Bilder aus Japan verbreitet. Mehrere Beiträge enthielten nahezu gleichlautende Hilferufe mit denselben Einsatzorten, aber unterschiedlichen Namen.
Spendenbetrug über QR-Codes
Zudem tauchten Beiträge auf, in denen sich Nutzer als Erdbebenopfer in Japan ausgaben. Sie forderten über QR-Codes direkte Geldüberweisungen, ohne dass eine Verbindung zu anerkannten Hilfsorganisationen oder Behörden bestand.
Laut «Sumikai» stufte Spectee diese Aktivitäten als gezielte Versuche ein, die Katastrophe für Spendenbetrug auszunutzen. Ob ein QR-Code-Empfänger tatsächlich betroffen ist, lasse sich anhand eines Netzwerkbeitrags nicht überprüfen.
Ebenfalls auf der Plattform X bereitet die Informationslage Probleme: Zahlreiche Nutzer kritisierten, dass Behördenhinweise schwer auffindbar waren. Falschmeldungen erzielten dagegen grosse Reichweiten.
Erdbeben in Japan: Plattform X unter Kritik
Ayumu Matsuyama, Geschäftsführer der japanischen X-Niederlassung, empfahl laut «Sumikai», die chronologische Ansicht «Folge ich» zu aktivieren. Nutzer forderten, dass X diese Ansicht bei Katastrophen automatisch als Standard festlegt.
Das japanische Innenministerium wandte sich derweil an X, Google, Meta, Bytedance und LY Corporation. Die Unternehmen wurden aufgefordert, gemäss ihren eigenen Regeln gegen Falschmeldungen vorzugehen.
Falschmeldungen nach Naturkatastrophen in Japan haben eine lange Vorgeschichte – etwa nach dem Kumamoto-Beben oder dem Noto-Erdbeben. Sie verbreiteten sich heute jedoch deutlich schneller.
KI führt zu falschen Einordnungen
Eine neue Erscheinung beim aktuellen Erdbeben ist laut «Sumikai» der fehlerhafte Einsatz generativer künstlicher Intelligenz zur Bildprüfung. Nutzer liessen Aufnahmen von einer KI bewerten und verbreiteten deren Antwort als Beleg.

Dabei erklärten KI-Systeme teils authentisches Material aus Japan für veraltet, wie Spectee feststellte. Eine KI-Bewertung gilt demnach nicht als verlässlicher Beleg für Aufnahmeort oder Entstehungszeit eines Videos.
Das Erdbeben in Kumamoto, das am 28. Juli 2026 mit der Intensitätsstufe 7 gemessen wurde, hinterlässt auch seismologische Fragen. «Erdbebennews» berichtet, beide Beben von 2016 und 2026 ereigneten sich im Bereich desselben Futagawa-Hinagu-Störungssystems.
















