Urner tötete mit 13 anderes Heimkind – jetzt erhebt er Vorwürfe
Mit 13 Jahren tötete er ein Mädchen – heute lebt «Fabio» mit den Folgen seiner Tat. Er ist überzeugt: Man hätte die Tat verhindern können.

Das Wichtigste in Kürze
- «Fabio» tötete als 13-jähriger ein Mädchen in einem Heim – «Ich bin schuld. Meine Tat war kaltblütig», sagt er heute.
- Nach Jahren in Heimen und Haft baut er sich heute ein neues Leben als Gemüsebauer auf.
- Therapie und Arbeit helfen ihm, Verantwortung zu übernehmen.
Als 13-Jähriger tötete er ein Mädchen – heute versucht «Fabio» (Name geändert), mit seiner Vergangenheit zu leben.
Im Mai 2005 erstach er in einem Jugendheim im thurgauischen Güttingen eine 15-jährige Mitbewohnerin mit 23 Messerstichen. Die Tat erschütterte die Schweiz. Medienberichten zufolge ging ihr ein jahrelanger Konflikt voraus.
Das Mädchen soll ihn wiederholt beleidigt haben. Fabio wuchs im Kanton Uri unter schwierigen familiären Verhältnissen auf und lebte in mehreren Heimen.
«Ich hätte Hilfe gebraucht»
Bereits vor der Tat war er in psychiatrischer Behandlung. Sein Therapeut warnte schriftlich vor möglichen Gewalttaten – doch die Therapie wurde abgebrochen, weil die Kostengutsprache fehlte.

Gegenüber «zentralplus» sagt Fabio heute: «Ich hätte Hilfe gebraucht – auch wenn ich das damals nicht wusste.»
Er sei sich zu 100 Prozent sicher, dass die Tat hätte verhindert werden könnte. «Wenn man hin- und nicht weggesehen hätte.»
Nach der Tat wurde das Heim geschlossen. Der Kanton stellte fest, dass weder Fabio noch das Opfer dort hätten platziert werden dürfen. Es fehlte an Fachpersonal und angemessener Betreuung.

Weil Fabio zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt war, galt das Jugendstrafrecht. Nach der Verurteilung verbrachte er seine Jugend in Heimen und Gefängnissen, zeitweise sogar im Hochsicherheitstrakt.
Obwohl seine Strafe längst verbüsst war, blieb er im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung weiter eingesperrt. Denn: die psychiatrische Einrichtungen stufte ihn als zu gefährlich ein.
Mit 30 Jahren kam er frei
Erst mit rund 30 Jahren kam er frei. Fabio lebt heute in einer betreuten Einrichtung im Berner Seeland, mit Bezug zum Hof seiner Mutter im Entlebuch LU. Er arbeitet im Gemüsebau, geht weiterhin zur Therapie und nimmt Medikamente.
Die Tat lässt ihn nicht los. «Ich bin schuld. Meine Tat war kaltblütig», sagt er gegenüber «zentralplus».
Verzeihen könne er sich nicht. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass das Verbrechen hätte verhindert werden können, wenn Behörden früher eingegriffen hätten.
Heute will Fabio nach vorne schauen. Er wolle für andere da sein und ein anständiges Leben führen. «Jeder hat eine zweite Chance verdient», sagt er.








