Zoll-Streit eskaliert Kanada-Politiker droht mit Strom-Ausfall
Ein kanadischer Provinz-Politiker droht den USA mit einem Strom-Stopp – als Antwort auf neue Zölle von Donald Trump im eskalierenden Handelskrieg.

Das Wichtigste in Kürze
- Die USA erhöhen Zölle auf kanadische Autos, Lastwagen, Autoteile und Stahl auf 50%.
- Ontarios Premier droht mit dem Stopp der Stromlieferung an 1,5 Millionen US-Haushalte.
- Trump kontert: Kanada werde nicht mehr wie ein Bundesstaat behandelt.
Der Handelskrieg zwischen den USA und Kanada spitzt sich weiter zu. Der Premier der kanadischen Provinz Ontario forderte sein Land auf, im Streit mit US-Präsident Donald Trump «alles in die Waagschale zu werfen» – und drohte mit einem Stopp der Stromlieferungen in die USA.
«Er ist arrogant. Er ist überheblich», sagte Doug Ford in einem Radiointerview, nur Stunden nachdem Trump neue Zölle gegen Kanadas Autoindustrie angekündigt hatte. «Wir versorgen 1,5 Millionen Haushalte und Betriebe mit Strom», sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AP. «Alles liegt auf dem Tisch. Ich werde tun, was nötig ist.»
An die Adresse Trumps richtete er die Warnung: «Er sollte besser einen Vorrat Batterien haben.» Trump reagierte mit einem Post auf Truth Social und warf dem Politiker «Getöse» vor.
Die USA hätten Kanada «jahrzehntelang durchgefüttert», schrieb er. «Die USA werden immer weit grösser, reicher und stärker sein als Kanada.» Sollten sich die kanadischen Verantwortlichen nicht «einreihen», drohten «weit schlimmere» Konsequenzen.
«Trump unterschätzt Kanadas Kampfbereitschaft
Kanada lieferte 2024 rund 5 Prozent des Stroms für die US-Region Neuengland, in Spitzenmonaten im Winter bis zu 15 Prozent. Neben Strom drohte Doug Ford auch mit einem Lieferstopp für kritische Rohstoffe: «Ich werde sie abschneiden. Ihr bekommt kein Sandkorn mehr aus Ontario.»
Die Drohung folgte wenige Stunden, nachdem Trump angekündigt hatte, die Zölle auf kanadische Autos, Lastwagen, Autoteile und Stahl per 1. Januar auf 50 Prozent zu erhöhen. «Kanada bestiehlt die USA seit Jahren», schrieb Trump.

«Kanada wird nicht länger wie ein Bundesstaat behandelt. Sie fühlen sich privilegiert, dabei brauchen sie uns – nicht umgekehrt.» Der Ontario-Premier konterte, Trump habe seinem «engsten Freund und Verbündeten» den Wirtschaftskrieg erklärt und unterschätze Kanadas Kampfbereitschaft.
«Kanada wird diese Zölle Dollar für Dollar erwidern«
Die Eskalation folgt auf das Scheitern monatelanger Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa in der vergangenen Woche. Kanadas Premierminister Mark Carney war von den Verhandlungen zurückgetreten, nachdem Washington Zugeständnisse gefordert hatte, die laut Kanada dessen Fähigkeit eingeschränkt hätten, eigenständig Handelsabkommen mit anderen Ländern zu schliessen.
Carney kündigte Vergeltungsmassnahmen an: «Kanada wird diese Zölle Dollar für Dollar erwidern, um unsere Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen.» Die kanadischen Gegenzölle sollen ab dem 8. September in Kraft treten und US-Stahl, Milchprodukte, Landwirtschaftsgeräte und weitere Güter betreffen.

Bereits am Samstag hatten die USA 50-Prozent-Zölle auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar verhängt – darunter Milchprodukte, Alkohol, Kleidung und Elektronik.
Ontarios Autofabriken sind mit ihren US-Pendants eng verzahnt: Teile können mehrfach die Grenze überqueren, bevor ein Fahrzeug fertiggestellt ist. Trumps neue Zoll-Drohung trifft daher direkt tausende Arbeitsplätze in Ontario. Trotz der Verschärfung plädierte der Premier dafür, weiter zu verhandeln.












