Haft

    Moretti in U-Haft: Opfer-Anwalt hält «alle Szenarien für möglich»

    Simon Binz
    Simon Binz

    Crans-Montana,

    Ein Opferanwalt ordnet im Fall Moretti ein: Nach dem Gewaltvorwurf gegen Jacques Moretti hält er alle Szenarien für möglich – auch gegenseitige Belastungen.

    Moretti Crans-Montana
    Jacques Moretti befindet sich derzeit wieder in U-Haft. Er soll seine Frau Jessica misshandelt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung (Archiv). - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Jacques Moretti sitzt seit zwei Wochen erneut in U-Haft – wegen Gewalt gegen seine Frau.
    • Ein Opferanwalt hält es für möglich, dass sich die Morettis gegenseitig belasten.
    • Nächste Anhörungen zur Brandkatastrophe sind für November und Dezember geplant.

    Könnte der neue Gewaltvorwurf gegen Jacques Moretti das Strafverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana beeinflussen? Diese Frage bewegt auch die Anwälte der Opfer. Der Opferanwalt Sébastien Fanti äusserte sich am Montagabend in einem Beitrag von «Schweiz Aktuell» dazu.

    «Heute ist die Verteidigung bestens darauf abgestimmt, wenn es darum geht, darzustellen, was passiert ist. Jetzt ist es aber natürlich gut möglich, dass eine der zwei betroffenen Personen sich von der anderen distanziert und sagt: ‹Ah, ich bin eigentlich gar nicht Hauptverantwortlicher› – oder sogar mit dem Finger auf den anderen oder sogar auf Dritte zeigt und diese beschuldigt. Im Moment sind alle Szenarien möglich.»

    Findest du die U-Haft für Jacques Moretti angemessen?

    Man dürfe nicht vergessen, so Fanti, dass die Morettis nicht die einzigen Beschuldigten seien: 16 Personen müssten sich im Verfahren verantworten – sollten zwei von ihnen nun anders argumentieren, betreffe das vor allem sie selbst.

    Jacques Moretti seit rund zwei Wochen wieder in U-Haft

    Barbetreiber Jacques Moretti ist einer der Hauptbeschuldigten im Verfahren rund um die Brandkatastrophe in Crans-Montana VS. Seit rund zwei Wochen befindet er sich erneut in Untersuchungshaft. Dieses Mal allerdings nicht wegen der tödlichen Brandnacht, sondern wegen einer Privatsache.

    Er soll seine Ehefrau Jessica Moretti in der Nacht vom 11. auf den 12. August so schwer misshandelt haben, dass sie ins Spital eingeliefert werden musste. Es gilt die Unschuldsvermutung.

    Über den Fall wurde zuerst beim Westschweizer Sender Léman Bleu berichtet. Die Anwälte, die beide Morettis im Brand-Verfahren vertreten, bestätigten den Vorfall am Sonntagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

    Das separate Verfahren betreffe ausschliesslich das Privatleben des Paares: «Sie dürfen nicht mit der Tragödie im Constellation verwechselt werden, stehen jedoch in einem Kontext, der nicht ignoriert werden darf: einer besonders intensiven Zerreissprobe, der sich die Morettis seit dem 1. Januar gemeinsam zu stellen versuchen.»

    Opferanwalt erwartet keinen Bruch zwischen Morettis

    Einen Bruch zwischen den Eheleuten erwartet Fanti trotz allem nicht. Sorgen bereitet ihm dagegen etwas anderes: «Es sind schon mehrere Anhörungen verschoben worden. Ob es wegen diesem Vorfall war, das wissen wir nicht, aber es sollte wirklich zu keinen Verzögerungen mehr kommen.»

    Bald sei man fast am Jahrestag der Tragödie angelangt und die Anhörung des Ehepaares Moretti sei noch immer nicht fertig. «Jede Zeit, die verloren geht, ist für die Opferfamilien eine schwere Last.»

    Jacques moretti
    Jacques und Jessica Moretti sind die Inhaber der Feuer-Bar in Crans-Montana (Archiv). - keystone

    Bei der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» waren am Neujahrstag 41 Menschen ums Leben gekommen. Ausserdem wurden über 100 weitere Personen verletzt. Die nächsten Anhörungen im Brand-Verfahren sind für Anfang November und Anfang Dezember angesetzt.

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    Kommentare

    User #2562 (nicht angemeldet)

    Warum nur wird dss so in die Länge gezogen?

    User #6027 (nicht angemeldet)

    Ich wäre mit der Freude darüber noch vorsichtig. Für die Strafverfolgung muss ein Zerwürfnis der beiden keineswegs von Vorteil sein. Sobald unterschiedliche Versionen im Raum stehen und jeder die entscheidenden Handlungen dem anderen zurechnet, kann gerade die individuelle Beweisführung schwieriger werden. Lässt sich bei einzelnen Tatvorwürfen nicht mit der erforderlichen Sicherheit klären, wem was konkret zuzurechnen ist, greift letztlich der Grundsatz in dubio pro reo. Eine gemeinsame Verteidigungslinie kann für die Beschuldigten also durchaus schlechter sein als zwei sich widersprechende Darstellungen, die zusätzliche Zweifel schaffen. Und rein als völlige Spekulation wäre auch ein umgekehrtes Szenario noch hypothetisch denkbar: Dass er bewusst möglichst viel Schuld und Antipathie (auch als "böser Ehemann" in den Medien) auf sich nimmt – oder hypothetisch spekulativ evtl. gar mit ihrem Einverständnis so konstruiert –, damit die strafrechtliche Position der Frau im Brand-Fall besser wird und sie sich weiterhin um die Kinder kümmern kann.

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