Nationalgardisten in Washington angeschossen

Redaktion
Redaktion, Keystone-SDA

USA,

In Washington sind Schüsse gefallen, zwei Nationalgardisten wurden schwer verletzt. Der mutmassliche Täter wurde angeschossen und befindet sich in Gewahrsam.

washington
In Washington wurden zwei Nationalgardisten angeschossen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In Washington wurden zwei Nationalgardisten angeschossen.
  • Der Gouverneur von West Virginia sagte zuerst, sie seien gestorben, ruderte aber zurück.
  • Ein Verdächtiger ist laut der Polizei «down».
  • Donald Trump berichtet, dass es sich um einen Terrorakt handelt.

US-Präsident Donald Trump hat nach Schüssen auf Nationalgardisten in Washington von einem Terrorakt gesprochen. «Dieser abscheuliche Angriff war ein Akt des Bösen, ein Akt des Hasses und ein Akt des Terrors. Es war ein Verbrechen gegen unsere gesamte Nation. Es war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit», sagte Trump in einer Ansprache. Der Angriff unterstreiche «die grösste Bedrohung für die nationale Sicherheit» der Vereinigten Staaten, sagte der Republikaner weiter.

Am Mittwochnachmittag (Ortszeit) hatte ein Schütze in der Nähe des Weissen Hauses das Feuer auf zwei Mitglieder der Nationalgarde eröffnet. Die beiden seien in «kritischem Zustand», sagten FBI-Chef Kash Patel und Bürgermeisterin Muriel Bowser bei einer Pressekonferenz. Bowser sprach von einem gezielten Angriff. Details zum Motiv gab es zunächst nicht.

US-Heimatschutzministerin Kristi Noem erklärte später auf der Plattform X, bei dem Verdächtigen handle es sich um einen afghanischen Staatsbürger, der sich seit 2021 in den USA aufhalte. Sie machte indirekt die Regierung von Trumps demokratischem Amtsvorgänger Joe Biden dafür verantwortlich. Der Mann sei ohne die nötigen Überprüfungen ins Land gekommen, behauptete sie.

Trump: «Afghanistan ist ein Höllenloch auf Erden»

Trump nannte Afghanistan in seiner Ansprache ein «Höllenloch auf Erden» und stellte die Behauptung auf, Millionen Menschen seien unter Biden aus aller Welt ungeprüft in die USA gekommen. Er kündigte an, alle Personen, die während Bidens Amtszeit aus Afghanistan eingereist seien, erneut überprüfen zu lassen.

Zudem werde er «alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle Ausländer aus allen Ländern abgeschoben werden, die nicht hierhergehören oder unserem Land keinen Nutzen bringen».

washington
Nationalgardisten sichern den Ort, wo zwei ihrer Kameraden angeschossen wurden. - keystone

Ein Vertreter der Washingtoner Polizei erläuterte, der Schütze sei in der Nähe der U-Bahnhaltestelle Farragut West um eine Ecke gekommen und habe sofort auf die beiden Nationalgardisten gefeuert.

Weitere Mitglieder der Nationalgarde hätten die Schüsse gehört, eingegriffen und den Verdächtigen überwältigt, nachdem dieser zu Boden gegangen sei. Die Polizei sei wenige Augenblicke später eingetroffen. Trump bezeichnete den Schützen auf Truth Social als «Tier» und erklärte, er werde «einen hohen Preis zahlen müssen».

Es gab zunächst keine genauen Angaben zur Identität der Opfer. Unbestätigten Medienberichten zufolge handelte es sich um eine Soldatin und einen Soldaten.

Verwirrung um den Zustand der Opfer

Zunächst hatte es Verwirrung um den Zustand der Opfer gegeben. Der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, erklärte, die beiden seien gestorben. Wenig später schrieb er dann auf der Plattform X, es gebe widersprüchliche Berichte über ihren Zustand.

In einer späteren Videobotschaft ging der Republikaner nicht auf seinen ursprünglichen Post über den angeblichen Tod der Soldaten ein. Morrisey zufolge stammen die beiden aus seinem Bundesstaat.

Noch immer 2000 Nationalgardisten in Washington

Die Nationalgarden sind militärische Reserveeinheiten und Teil der US-Streitkräfte. Sie unterstehen in der Regel der Kontrolle der Bundesstaaten und werden etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen oder anderen Notlagen eingesetzt. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-Präsident das Kommando übernehmen. Für Washington gelten Sonderregeln.

Seit dem Sommer sind mehr als 2000 Nationalgardisten in der US-Hauptstadt unterwegs. US-Präsident Donald Trump hatte sie im August dorthin beordert und den Einsatz mit angeblich ausufernder Kriminalität begründet. Diese Darstellung ist umstritten – Statistiken stützen sie nicht.

Nationalgardisten
Die Nationalgarden sind militärische Reserveeinheiten und Teil der US-Streitkräfte. - Keystone

Die Stadt ging juristisch gegen den Einsatz vor. Eine Bundesrichterin erklärte die Mobilisierung der Nationalgarde jüngst für unzulässig und ordnete an, sie zu beenden. Sie setzte ihre Entscheidung jedoch für drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Ebenfalls am Mittwoch stellte die Regierung einen Eilantrag, um die Entscheidung der Richterin auszusetzen.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, den die Regierung als Kriegsminister bezeichnet, erklärte, er leite die nötigen Schritte für die Entsendung der zusätzlichen Nationalgardisten vor. Er bekräftigte, der im Sommer begonnene Einsatz habe die Stadt sicherer gemacht. Der Angriff werde die «Entschlossenheit» der Regierung «nur noch verstärken», sagte er.

Schuldzuweisungen nach Angriff auf Gardisten

In sozialen Netzwerken kam es unterdessen zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. Einige argumentierten, die Nationalgarde hätte gar nicht in Washington stationiert werden dürfen und sei dadurch unnötig gefährdet worden.

Andere machten die Rhetorik demokratischer Kongressmitglieder für den Angriff mitverantwortlich. Mehrere Politiker riefen aber auch zu einem friedlichen Miteinander auf. So erklärte etwa der demokratische Senator Jack Reed, es brauche nun «Ruhe, Mitgefühl und Einheit».

Das macht die Nationalgarde in Washington

Die Stimmung in der Hauptstadt ist seit dem Sommer angespannt. Neben der Nationalgarde kamen auch andere Bundesbehörden zum Einsatz. So nahmen etwa teils vermummte Beamte der Migrationsbehörde ICE bei Razzien in Wohnvierteln Migranten fest; im Netz verbreiteten sich Videos solcher Einsätze, die von vielen als willkürlich empfunden wurden. Es regte sich Protest.

Die Nationalgarde patrouillierte jedoch – anders als etwa ICE – vor allem an touristischen Orten und leistete Hilfsdienste wie Müllbeseitigung. Anfangs waren die Nationalgardisten unbewaffnet, später änderte sich das. Es gab Warnungen, dieser Schritt könne die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen.

Der Radiosender NPR berichtete erst vor wenigen Wochen über Gespräche Nationalgardisten, die anonym über ihre Zweifel an den Einsätzen in Washington und anderen Städten sprachen. «Ich habe mit der Nationalgarde an zwei humanitären Einsätzen teilgenommen, die grossartig waren», sagte einer von ihnen. «Und dann soll ich in Washington Müll aufsammeln und Obdachlose mit vorgehaltener Waffe konfrontieren? Nein, Mann.»

Weiterlesen

Nationalgardisten
10 Interaktionen
Rechtswidrig
nationalgarde
43 Interaktionen
Chicago
trump chicago
9 Interaktionen
«Unverschämt»

MEHR IN NEWS

wetter
Eiskalte Nacht
Lawine
In Frankreich
Lawine
3 Interaktionen
Kippel VS

MEHR AUS USA

1 Interaktionen
Washington
8 Interaktionen
Washington/Teheran
23 Interaktionen
Minneapolis
Meghan Markle
139 Interaktionen
Nach Netflix-Show