Bei Protesten in Kolumbien kamen sechs Menschen ums Leben. Nun rufen die UN und die EU zum Dialog auf.
Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören soll: ein Demonstrant schwenkt eine Flagge bei einem Protest in Nicaragua
Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören soll: ein Demonstrant schwenkt eine Flagge bei einem Protest in Nicaragua - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • In Kolumbien kam es in der Nacht bei Protesten zu Gewalt.
  • Nun haben die EU und die UN zum Dialog aufgerufen.

Nach der jüngsten von Gewalt überschatteten Protestnacht in Kolumbien haben die Europäische Union und die Vereinten Nationen das Nationale Streikkomitee und die kolumbianische Regierung zum Dialog aufgefordert.

«Ich rufe dazu auf, alle Formen von Gewalt, einschliesslich Vandalismus, zu beenden und die Gespräche zwischen den Parteien fortzusetzen.» Dies hiess es am Sonntag in einer Mitteilung der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet.

Sechs Menschen kamen bei Demos ums Leben

Zuvor hatten bereits 17 Botschafter von EU-Ländern in dem südamerikanischen Land, das sich derzeit zudem auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie befindet, Dialog und Verhandlung als einzigen Weg aus der Krise unterstützt.

UN-Menschenrechtsrat tagt in Genf
Michelle Bachelet, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, spricht während der Eröffnung der 45. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats im europäischen Hauptsitz der Vereinten Nationen. - dpa

In der Stadt Cali waren am Freitag und in der Nacht zum Samstag Medien zufolge mindestens sechs Menschen im Zusammenhang mit den Demonstrationen ums Leben gekommen. Bachelet drückte ihre Besorgnis aus, dass laut Berichten seit dem 28. Mai in Cali insgesamt 14 Menschen ums Leben gekommen sind und 98 verletzt wurden, unter ihnen 54 durch Schusswaffen.

Bachelet verwies zudem auf Berichte über Bewaffnete, die – auch in Anwesenheit von Polizisten - angeblich auf Demonstranten und Journalisten geschossen hatten. Unter ihnen war ein Ermittler der Staatsanwaltschaft, der daraufhin von der Menge getötet wurde.

Zahlreiche Proteste seit Ende April

Präsident Iván Duque hatte am Freitagabend den Einsatzbefehl für die Sicherheitskräfte in Cali und dem Department Valle del Cauca, dem Epizentrum der Proteste, erneut verschärft. In der Nacht zum Samstag weitete er die Massnahme auf sieben weitere Departments aus.

Proteste in Kolumbien
1Demonstranten stossen mit der Polizei in der Nähe des Romelio-Martinez-Stadions zusammen, wo ein Fussballspiel zwischen dem kolumbianischen Verein América de Cali und dem brasilianischen Verein Atlético Mineiro ausgetragen wird. Demonstranten fordern während ihrer anhaltenden Proteste gegen die Regierung von Präsident Ivan Duque, dass Fussballspiele in Kolumbien abgesagt werden. - dpa

Seit Ende April gab es in verschiedenen Städten des südamerikanischen Landes immer wieder zahlreiche Proteste und auch Ausschreitungen. Zunächst hatten die Demonstranten gegen eine inzwischen zurückgenommene Steuerreform protestiert. Der Widerstand gegen eine - nun ebenfalls verworfene - Gesundheitsreform und der Einsatz für den labilen Friedensprozess waren dann einige der neuen Ziele.

Kolumbien erholt sich derzeit von einem mehr als 50 Jahre langen Bürgerkrieg, in dem 220 000 Menschen starben. 2016 schloss die kolumbianische Regierung Frieden mit der Farc-Guerilla. Die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung, der Tourismus boomte - doch der Frieden ist brüchig, die Polizeigewalt ein Rückschlag.

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