Ukraine: 2025 war das tödlichste Jahr seit Kriegsbeginn
Das Jahr 2025 war in der Ukraine das tödlichste seit Beginn des Krieges im Februar 2022. Im Vergleich zum Vorjahr gab es ein Drittel mehr Opfer.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit Februar 2022 wird die Ukraine von Russland angegriffen.
- 2025 war nun das tödlichste Jahr seit Kriegsbeginn.
- Die Ukraine hat rund ein Drittel mehr Opfer zu beklagen.
Die Caritas Schweiz rechnet im fünften Kriegsjahr in der Ukraine mit einer weiteren Zuspitzung der Notsituation.
Neben der akut benötigten Winterhilfe setzt sich die humanitäre Organisation auch für langfristige Perspektiven ein.
Nach vier Jahren Krieg gegen die Ukraine zog die Caritas Schweiz eine traurige Bilanz: «2025 war das tödlichste Jahr für die Zivilbevölkerung seit 2022», wie die Organisation am Dienstag an einem Online-Mediengespräch mitteilte.
Im letzten Jahr wurden 14'656 Personen bei russischen Angriffen verletzt oder getötet. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Opfer damit um rund ein Drittel an.
Menschen müssen frieren und haben keinen Strom
Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur verschärfen die humanitäre Not weiter. Die Caritas rechne damit, dass sich diese Entwicklung auch im fünften Kriegsjahr fortsetzen werde.
«Stromausfälle und eisige Temperaturen gehören für Millionen Menschen zur täglichen Realität,» sagte Andrea Berardi am Dienstag. In der Online-Medienkonferenz wurde der Länderdirektor aus Kiew zugeschaltet.
Berardi trug einen Schal um den Hals. In seiner Wohnung habe es aktuell sechs Grad, gab er Auskunft. In anderen Haushalten lägen die Temperaturen weit tiefer.
Berardi verbringe seinen ersten Winter in der ukrainischen Hauptstadt. Was für ihn noch neu sei, gehöre für die ukrainische Bevölkerung längst zum Alltag.
Bevölkerung hilft sich
Gleichzeitig habe die anhaltende Krise den gesellschaftlichen Zusammenhalt gestärkt. Die Bevölkerung finde neue Wege, sich der akuten Notsituation anzupassen.
Man organisiere sich innerhalb von Familien, Gemeinden oder lokalen Verwaltungen, beschaffe Generatoren, teile Holzöfen oder koordiniere Nachbarschaftshilfen. Die Menschen würden versuchen, ihrem Alltag so gut wie möglich nachzugehen.
Doch nach vier Kriegsjahren gehe es nicht mehr allein ums Überleben. Sondern auch um den Wiederaufbau des täglichen Lebens, sagte Yulia Pyndus, Caritas-Projektmanagerin in Kiew.
Finanzielle Hilfe für die Ukraine ist rückläufig
Dafür brauche es langfristige Perspektiven. Mit dem Projekt «Remarket» will sich die Caritas dafür einsetzen.
Das Projekt will den lokalen Markt so stärken, dass er auch in Kriegszeiten funktionsfähig bleibt, wie Pyndus erklärte. Mittels Förderbeiträgen sollen Unternehmen ihre Tätigkeiten weiterführen können.

«Mit dem Projekt ‹Remarket› versuchen wir so, das Meiste aus einem Schweizer Franken zu machen.» Die finanzielle Hilfe für die Menschen in der Ukraine sei weltweit rückläufig. Eine Spendenmüdigkeit beobachte die Caritas eher auf politischer Ebene als bei Privatpersonen.
Schweiz spendete bisher 35,2 Millionen Franken
Im Vergleich mit anderen Ländern werde die Ukraine von der offiziellen Schweiz mit viel Geld unterstützt, sagte Berardi. Seit 2022 habe Caritas Schweiz in der Ukraine Projekte im Umfang von über 35,3 Millionen Franken umsetzen können.
In dieser Summe seien sowohl Spendengelder der Caritas als auch Gelder der Glückskette enthalten. Ebenso von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und weiteren Gebern.
Anfänglich habe der Fokus dieser Projekte auf Soforthilfe gelegen. In den kommenden Jahren wolle die Caritas die Soforthilfe weiterführen und gleichzeitig auch langfristige Perspektiven fördern.
Die humanitären Bedürfnisse seien ungebrochen hoch und würden auch lange nach einer allfälligen Waffenruhe oder Frieden weiter bestehen. Die Hilfsorganisation stellt sich deswegen auf ein langjähriges Engagement in der Ukraine ein.















