Hinrichtung

    Nach gescheiterter Hinrichtung: Jetzt spricht Christa Pike

    Stephan Felder
    Stephan Felder

    USA,

    Einen Monat nach ihrer gescheiterten Hinrichtung spricht Christa Pike über ihre Schmerzen. Die 50-Jährige leidet körperlich und psychisch.

    Pike
    Christa Pike überlebte zwei Giftspritzen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Christa Pike äussert sich erstmals nach ihrer gescheiterten Hinrichtung.
    • Die 50-Jährige berichtet von anhaltenden Schmerzen und psychischen Belastungen.
    • Ob Tennessee erneut versucht, das Todesurteil zu vollstrecken, bleibt offen.

    Einen Monat nach ihrer gescheiterten Hinrichtung hat sich Christa Pike erstmals zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme berichtet die 50-Jährige von anhaltenden körperlichen und psychischen Leiden.

    «Seit jener Nacht habe ich keinen einzigen Moment ohne Schmerzen verbracht», schreibt Pike.

    «Mein Körper schmerzt. Meine Arme schmerzen. Meine Hände schmerzen. Mein Hals schmerzt.»

    Auch das Sprechen bereite ihr weiterhin Probleme.

    Die Erlebnisse belasten sie zudem psychisch. Sie habe sich damit abgefunden gehabt, sterben zu müssen.

    «Ich hatte den Menschen, die mich liebten, gesagt, dass ich ihnen dankbar bin», so Pike. Sie habe Abschied genommen. Als sie wieder aufgewacht sei, sei sie «allein, verwirrt und voller Schmerzen» gewesen.

    «Gesund werden bedeutet nicht, dass es mir wieder gut geht»

    Inzwischen sei sie auf dem Weg der Besserung. «Ich werde immer stärker. Aber gesund werden bedeutet nicht, dass es mir wieder gut geht.»

    Besonders die Isolation mache ihr zu schaffen. Diese kenne sie aus 28 Jahren in Einzelhaft bestens.

    Pike schreibt, sie verbringe viel Zeit damit, einen Sinn in den Geschehnissen zu suchen. Wie sie die Hinrichtung überlebt habe, könne sie sich nicht erklären.

    Zugleich bedankt sie sich bei den Betreuungspersonen. Diese hätten sie «mit Mitgefühl, Würde und Respekt» behandelt.

    Zwei Dosen Pentobarbital überlebt

    Christa Pike hätte am 30. September im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden sollen. Sie überlebte jedoch die Verabreichung von zwei Dosen Pentobarbital und wurde anschliessend in ein Spital gebracht.

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    Dort befand sie sich zunächst in kritischem Zustand. Später verbesserte sich ihre Lage.

    Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee erklärte nach der gescheiterten Hinrichtung, sämtliche Schritte der geltenden Richtlinie seien eingehalten worden. Diese sehe nach einer zweiten Dosis keine weiteren Massnahmen vor.

    Erneuter Hinrichtungsversuch bleibt offen

    Pike wurde 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt. Zum Tatzeitpunkt war sie selbst 18 Jahre alt.

    Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schliesslich getötet worden.

    Pikes Anwälte verwiesen in den vergangenen Jahren verstärkt auf ihre schwere Kindheit und ihre psychischen Erkrankungen. Auch ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft rückten sie in den Mittelpunkt.

    Gouverneur Lee lehnte ein Gnadengesuch kurz vor dem geplanten Hinrichtungstermin dennoch ab. Ob und unter welchen Bedingungen Tennessee erneut versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken, ist offen.

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