Mann überlebt neun Monate mit Schweineniere
Die menschliche Spenderniere war für Tim Andrews (66) in weiter Ferne. Also wagten Ärzte in Boston ein medizinisches Experiment: Eine Schweineniere.

Das Wichtigste in Kürze
- Tim Andrews lebte 271 Tage mit einer genveränderten Schweineniere.
- Die Schweineniere funktionierte lange, versagte aber schliesslich nach einer Infektion und Entzündung.
- Nach 82 Tagen erhielt Andrews erfolgreich eine menschliche Spenderniere.
Für Tim Andrews (66) war die Lage dramatisch.
Der US-Amerikaner litt wegen Typ-2-Diabetes an einer schweren Nierenerkrankung im Endstadium. Eine menschliche Spenderniere? Nicht in absehbarer Zeit.
Die Warteliste war schlicht zu lang.
Ärzte des Massachusetts General Hospital in der US-Stadt Boston entschieden sich daher für einen ungewöhnlichen Schritt.
Im Januar 2025 erhielt Andrews eine Niere von einem Minischwein. Das Tier war unter speziellen Bedingungen aufgezogen worden – frei von Krankheitserregern.
Das Erbgut des Schweins wurde 69-mal verändert. Ziel war, die menschliche Immunabwehr auszutricksen und eine Abstossung des fremden Organs zu verhindern.
Schweineniere war Erfolg
Und tatsächlich: Die Niere funktionierte. 271 lang.
Dann kam der Rückschlag. Die Ärzte mussten das Organ entfernen. Andrews musste wieder zur Dialyse – zur künstlichen Blutreinigung.
Doch die Schweineniere hatte dem 66-Jährigen Zeit verschafft.
Nach 82 Tagen mit Dialysebehandlung erhielt Andrews im Januar 2026 eine menschliche Spenderniere. Diese nahm sein Körper gut an, wie das Forschungsteam im Fachblatt «The Lancet» berichtet.
Damit stellte Andrews einen bemerkenswerten Rekord auf: Er ist der erste Mensch, der rund neun Monate mit einer Schweineniere lebte.
Wartezeit überbrücken
Studienleiter Leonardo Riella sieht darin eine mögliche Lösung für eines der grössten Probleme der Transplantationsmedizin: Schweineorgane könnten künftig die Wartezeit auf eine menschliche Spenderniere überbrücken.
Doch der Weg dorthin war alles andere als problemlos.

Bereits 14 Tage nach der Operation zeigte der Körper eine leichte Abstossungsreaktion. Nach etwa einem halben Jahr wurden Schäden in den Blutgefässen der Niere sichtbar.
Dann kam eine Bakterieninfektion.
Um die Infektion in den Griff zu bekommen, mussten die Ärzte die Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems reduzieren. Die Folge: Entzündungen. Schliesslich versagte die Schweineniere.
Wichtig ist aber: Zu keinem Zeitpunkt wurden Krankheitserreger vom Schwein auf den Menschen übertragen. Genau deshalb sehen die Forschenden in der Methode weiteres Potenzial. Gerade als Überbrückung, bis ein menschliches Organ verfügbar ist.
Ob Schweinenieren künftig dauerhaft im menschlichen Körper bleiben könnten, ist noch offen. Riella sagt, dafür brauche es noch viel Forschung.
Ein erster Patient, dem bereits im März 2024 eine Schweineniere eingesetzt worden war, starb nach 52 Tagen. Allerdings an einer Herzerkrankung, nicht wegen des Organs.
















