Gefährlicher Trend: Männer üben Schläge, falls Frau «Nein» sagt
Auf Social Media kursieren Videos, die Gewalt gegen Frauen als «Witz» darstellen und verharmlosen. Mit schlimmen Konsequenzen im echten Leben.
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Das Wichtigste in Kürze
- Männer inszenieren Gewalt nach gescheiterten Heiratsanträgen auf Social Media.
- Die Videos verharmlosen häusliche Gewalt und Femizide.
- In Brasilien schwappte die Gewalt ins echte Leben über.
Auf Social Media verbreiten sich derzeit Videos mit beunruhigendem Inhalt. Männer inszenieren Heiratsanträge und zeigen dabei gleichzeitig Gewalt. Sie präsentieren das als «Witz».
In den Clips gehen Männer vor einer erfundenen Partnerin auf die Knie. Sagt die Frau «Nein», schlagen die Männer zu.
Die Videos verharmlosen häusliche Gewalt und Femizide. Femizid bezeichnet die Tötung von Frauen oder Mädchen aufgrund ihres Geschlechts.
Die Inhalte verharmlosen nicht nur Gewalt. Sie können auch zu Nachahmung anstacheln, wie ein Fall aus Brasilien zeigt.
Die 20-jährige Alana Anísio Rosa wurde Opfer eines versuchten Femizids. Ein Mann stach Dutzende Male auf sie ein, nachdem sie ein Date abgelehnt hatte, berichten brasilianische Medien.
Die beiden kannten sich aus dem Fitnessstudio.
Rettung in letzter Minute
Laut der Mutter der Überlebenden hatte der Täter TikTok-Videos vor der Tat gesehen. Darin wird Gewalt gegen Frauen nach Zurückweisung verherrlicht.
Alana Anísio Rosa überlebte nur, weil ihre Mutter rechtzeitig nach Hause kam. Sie traf auf die Situation, als der Angriff noch lief.

Die 20-Jährige wurde ins Spital gebracht und in ein künstliches Koma versetzt. Mehrere Operationen retteten ihr Leben.
Auch in der Schweiz ist häusliche Gewalt ein ernstes Problem. Laut polizeilicher Kriminalstatistik registrierte die Polizei im letzten Jahr 22’066 Straftaten im häuslichen Bereich. Das sind 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Rund 70 Prozent der insgesamt 12’348 Betroffenen waren Frauen und Mädchen.
Trennungsphase für Frauen besonders gefährlich
Die Statistik weist Femizide nicht separat aus. Grund: Es gibt dafür keinen eigenen Straftatbestand.
Eine Häufung zeigt sich jedoch bei den vollendeten Tötungsdelikten im häuslichen Bereich. Diese Zahl stieg von 26 auf 34 Fälle. Mehr als die Hälfte aller Tötungen (34 von 55) geschieht in diesem Bereich.
Fachpersonen nennen patriarchale Rollenbilder als einen Grund für Femizide. Dazu zählen auch Besitzansprüche gegenüber Partnerinnen. Solche Taten treten besonders häufig in Trennungsphasen auf.
Brauchst du Hilfe?
Bist du von Gewalt betroffen oder hast du Gewalt erlebt? Unterstützung findest du bei der Opferhilfe Schweiz. Dort erhältst du kostenlose und vertrauliche Beratung sowie Informationen zu deinen Rechten und möglichen nächsten Schritten:
--> https://www.opferhilfe-schweiz.ch
Wenn du kurzfristig Schutz brauchst, kannst du dich an ein Frauenhaus in deiner Region wenden. Eine Übersicht der Frauenhäuser in der Schweiz findest du hier:
--> https://www.frauenhaeuser.ch
«Auch wenn die Frauenhäuser vielerorts an ihre Grenzen stossen, soll das niemand davon abhalten, sich zu melden. Wir finden immer eine Lösung», sagt Blertë Berisha, Co-Geschäftsleitung des Dachverbands der Frauenhäuser.
Mehr Infos zum Thema findest du bei der Präventionskampagne des Bundes:
--> https://www.ohne-gewalt.ch















