Nadja Günthör (SVP): «Die Zukunft braucht Schulsport»
Der Bund will die Vorgabe von drei Sport-Lektionen pro Woche fallen lassen. Das kann SVP-Grossrätin Nadja Günthör nicht verstehen. Ein Gastbeitrag.

Der Bund predigt Prävention und stellt gleichzeitig die wirksamste und früheste Form staatlicher Gesundheitsvorsorge infrage: den obligatorischen Schulsport.
Diese Diskussion ist mehr als eine Sparfrage. Sie berührt den verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag. Nach Art. 61a BV sorgen Bund und Kantone gemeinsam für einen hochwertigen Bildungsraum Schweiz.
Art. 62 BV weist die Zuständigkeit den Kantonen zu, verpflichtet aber zu Qualität, Kohärenz und vergleichbaren Grundstandards. Art. 11 BV verpflichtet Bund und Kantone, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung besonders zu schützen und zu fördern. Dazu gehört Bewegung als Grundlage körperlicher und psychischer Gesundheit.
Der Sportunterricht ist fest verankert. Der Lehrplan 21 verpflichtet zur Förderung motorischer, sozialer und gesundheitlicher Kompetenzen. Bewegung ist damit kein Zusatzangebot, sondern Teil des Bildungsauftrags.
Auf der Primarstufe gelten rund drei Turnlektionen pro Woche als Richtwert – Ausdruck eines bildungspolitischen Konsenses: Körperliche Entwicklung gehört zur ganzheitlichen Bildung.
Zieht sich der Bund zurück und überlässt die Verantwortung den Kantonen, entsteht ein föderales Gefälle. Der Zugang zu Bewegung wird vom Wohnort abhängig und unterläuft vergleichbare Bildungsstandards.
Auch gesundheitlich ist die Lage klar: Bewegungsmangel ist ein Risikofaktor für nichtübertragbare Krankheiten. Die WHO empfiehlt täglich mindestens 60 Minuten Bewegung. Viele Kinder und Jugendliche erreichen das nicht.

Ich engagiere mich als Mitmotionärin für verbindlichen Sportunterricht an Berufsfachschulen und habe eine Interpellation mitunterzeichnet, um die Sparabsichten des Bundes und deren Folgen für Bildung und Gesundheit zu prüfen.
Der Sportunterricht erfüllt nicht nur eine gesundheitspräventive Funktion. Er ist auch Teil der sozialen Integration und Persönlichkeitsentwicklung. Er bildet eine zentrale Grundlage für das Schweizer Vereinswesen, das auf frühe Bewegungs-, Team- und Gemeinschaftserfahrungen angewiesen ist.
Sportvereine fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Verlässlichkeit und Fairness und sind ein wichtiger sozialer Raum ausserhalb von Schule und Familie. Gleichzeitig sind sie auf funktionierende Sportinfrastruktur und gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen – beides beginnt im Schulsport.
«Bildung und Gesundheit dürfen nicht zum Sparposten werden»
Wer den obligatorischen Schulsport schwächt, relativiert einen zentralen Bildungsauftrag. Ein Staat, der Prävention strategisch verankert, darf sie im Schulalltag nicht gleichzeitig abbauen. Bildung und Gesundheit dürfen nicht zum Sparposten werden.
Eine nachhaltige Bildungspolitik berücksichtigt Bewegung als festen Bestandteil schulischer Qualität und stärkt damit langfristig Gesundheit, Leistungsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie ist eine Investition in die Zukunft der Schweiz.
Bildung braucht Bewegung und Verlässlichkeit im gesamten System.
Zur Autorin
Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.







