Kuba kämpft gegen eine schwere Wirtschaftskrise. Seit langem gingen deshalb wieder tausende Menschen demonstrieren.
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Anti-Regierungs-Demonstranten versammeln sich am Maximo-Gomez-Denkmal in Havanna, Kuba. - sda - Keystone/AP/Eliana Aponte

Das Wichtigste in Kürze

  • Tausende Menschen sind in Kuba wegen der Regierung auf die Strasse gegangen.
  • Die Karibikinsel leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise.
  • Die USA warnten Havanna vor einem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten.

Im Karibikstaat Kuba sind erstmals seit Jahrzehnten wieder Demonstranten in grosser Zahl gegen die sozialistische Regierung auf die Strassen gegangen. Grund ist die schwere Wirtschaftskrise.

In der Hauptstadt Havanna zogen sie sonntags durch den historischen Stadtkern und skandierten «Freiheit, Freiheit» und «Wir haben keine Angst». Eindrücke waren auf in sozialen Netzwerken veröffentlichten Videos zu sehen. Auch in den Städten Holguín, Matanzas, Camagüey und Santiago de Cuba protestierten Tausende Menschen gegen Mangelwirtschaft und Unterdrückung.

Empörung nach Aufruf des Staatschefs

Die autoritäre Regierung machte von den USA gesteuerte Provokateure für die Demonstrationen verantwortlich. «Wenn sie die Revolution bezwingen wollen, müssen sie über unsere Leichen gehen», sagte Präsident Miguel Díaz-Canel in einer Fernsehansprache. «Der Kampfbefehl ist gegeben: Die Revolutionäre auf die Strassen.»

Auf Videos war zu sehen, wie Einheiten der Spezialeinheit «Boinas negras» (Schwarze Barette) Stellung bezogen. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen.

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Miguel Díaz-Canel ist Präsident Kubas. - Keystone

Die bekannte Dissidentin Yoani Sánchez kommentierte den Aufruf des Staatschefs auf Twitter: «Welche Unverantwortlichkeit – das ist ein Aufruf zum Bürgerkrieg». Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro, schrieb: «Wir verurteilen, dass das diktatorische Regime dazu aufruft, Zivilisten zu unterdrücken und gegen jene vorzugehen, die ihr Recht auf Protest wahrnehmen.»

Auch die USA warnten Havanna vor einem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten. «Die Vereinigten Staaten unterstützen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Kuba und würden jede Gewalt oder Vorgehen gegen friedliche Demonstranten, die ihre universellen Rechte ausüben, scharf verurteilen», schrieb Sicherheitsberater Jake Sullivan auf Twitter.

Internationale Aufmerksamkeit

Massive Proteste gegen die sozialistische Regierung sind im autoritär regierten Kuba eher selten. Zuletzt hatten oppositionelle Künstler der sogenannten San-Isidro-Bewegung aber immer wieder Menschen auf die Strassen gebracht. Auch international wurde für Aufmerksamkeit gesorgt.

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Kubaner sitzen in einem Park und benutzen ihr Handy. - Keystone

So solidarisierten sich die Musiker Descemer Bueno, Yotuel Romero und das Duo Gente de Zona mit der Bewegung: Sie brachten das Lied «Patria y Vida» (Vaterland und Leben) heraus.

Tourismus auf Kuba eingebrochen

Erst im April hat Präsident Miguel Díaz-Canel die Führung der Kommunistischen Partei (PCC) von Raúl Castro übernommen. Erstmals seit dem Sieg der Revolution von 1959 ist damit auf der sozialistischen Karibikinsel kein Castro mehr in einer Führungsposition. Allerdings ging der Wechsel an der Parteispitze nicht mit einer politischen Liberalisierung einher. Im Alltag leiden die meisten Kubaner zudem unter den Folgen der kubanischen Planwirtschaft und dem Wirtschaftsembargo der USA.

Tourismus Kuba
Der Tourismus in Kuba wird durch neue US-Sanktionen belastet. - Pixabay

Die Corona-Pandemie führte dazu, dass mit dem Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Karibikinsel einbrach. Für Exil-Kubaner wird es zudem immer schwieriger, Geld nach Kuba zu schicken. Grund sind die unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verschärften Sanktionen.

Berichten zufolge kam es am Sonntag auch zu vereinzelten Plünderungen. «Wir haben Hunger», rief ein Demonstrant vor dem Kapitol in Havannas Altstadt.

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