Bub (5) kommt frei – US-Richter findet klare Worte
Vor fast zwei Wochen nahm ICE in den USA einen Fünfjährigen Buben fest. Jetzt beschliesst ein Richter seine Freilassung – und teilt gegen die US-Regierung aus.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Richter in Texas entschied, dass ein Fünfjähriger in ICE-Gewahrsam freikommen muss.
- Der Bub wurde in Minnesota mit seinem Vater aufgegriffen.
- Nach Bekanntwerden löste der Vorfall grosse Empörung aus.
Nach fast zwei Wochen in Gewahrsam ordnet ein Richter im US-Bundesstaat Texas die Freilassung des fünfjährigen Liam Ramos an.
Der Bub wurde von der Einwanderungsbehörde ICE in Minnesota aufgegriffen und mit seinem Vater in eine Abschiebeanstalt in Texas gebracht. Das Bild des Fünfjährigen ging um die Welt und löste Empörung aus.
Richter: Regierung ignoriert Unabhängigkeitserklärung
Der Richter in Texas ordnete die Freilassung von Liam und seinem Vater bis spätestens Dienstag an.
Das Gerichtsdokument liegt unter anderem dem Sender CNN vor. Es zeigt: Mit Kritik am Vorgehen von ICE spart der Richter nicht.
Der Fall habe seinen Ursprung im «schlecht durchdachten und inkompetent umgesetzten Bestreben der Regierung, tägliche Abschiebequoten einzuhalten – offenbar selbst dann, wenn dies zur Traumatisierung von Kindern führt», steht im Dokument.
Der Richter gibt der US-Regierung um Präsident Donald Trump eine Art Lektion in Geschichte und Staatsbürgerkunde. Die Rede ist von einer «Ignoranz der Regierung gegenüber einem historischen amerikanischen Dokument namens Unabhängigkeitserklärung».
Er zitiert Beschwerden von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA, gegen «einen Möchtegern-autoritären König». Heute würden Menschen «Echos dieser Geschichte hören».

Weiter schreibt das Gericht: «Die Beobachtung menschlichen Verhaltens bestätigt, dass für einige unter uns die perfide Gier nach ungezügelter Macht und die Ausübung von Grausamkeit in ihrem Streben nach Macht keine Grenzen kennen und jeglicher menschlichen Anständigkeit entbehren. Und zum Teufel mit der Rechtsstaatlichkeit.»
Festgehalten wird auch, dass der Vater und der fünfjährige Bub am Ende doch abgeschoben werden könnten. Der Beschluss dazu müsse aber auf geordnetem und humanerem Weg erfolgen.
Einsatz gegen Vater
Kritiker sahen in dem Vorfall einen weiteren Beleg dafür, wie rigoros ICE-Beamte bei ihren Einsätzen vorgehen, die Teil der verschärften Migrationspolitik der US-Regierung von Donald Trump sind.
Laut damaligen Angaben des Heimatschutzministeriums hatte sich der Einsatz gegen den Vater gerichtet, der aus Ecuador stammen und sich illegal in den USA aufhalten soll.
Nach früheren Angaben eines mit dem Fall vertrauten Anwalts soll die Familie im Dezember 2024 an einem offiziellen Grenzübergang Asyl beantragt haben. Ein Abschiebebeschluss habe nicht vorgelegen.
Liam ist eines von vier Kinder aus seinem Schulbezirk, das innert zwei Wochen von US-Beamten aufgegriffen wurde. Letzte Woche kehrte eine Zweijährige nach Minneapolis zu ihrer Mutter zurück, nachdem sie mit ihrem Vater ebenfalls nach Texas gebracht worden war.
«Es sollte kein Gerichtsbeschluss notwendig sein, um ein Kleinkind aus dem Gefängnis zu holen», schrieb Minnesotas Gouverneur Tim Walz auf X nach den News zu Liam Ramos am Samstag.
ICE steht in den USA unter massiver Kritik. Im Januar wurden bei Einsätzen die US-Amerikaner Renee Good (✝37) und Alex Pretti (✝37) erschossen.















