Angeklagter Goldräuber entgeht Haftstrafe – dank ICE
Die Migrationsbehörde ICE nahm einen Mann fest und erlaubte die freiwillige Abschiebung. Der Mann war wegen eines Raubes angeklagt und entging so dem Prozess.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migrationsbehörde schob einen angeklagten Gold-Räuber ab.
- Damit entging der Ecuadorianer dem Prozess und einer möglichen langen Haftstrafe.
- Bei dem Raub wurden Schmuck, Edelsteine und Gold im Wert von 100 Mio. Dollar gestohlen.
Ein Ecuadorianer war wegen eines Gold- und Juwelenraubes in den USA festgenommen und angeklagt worden. Während er auf Kaution frei war, wurde er von der Einwanderungsbehörde ICE festgenommen und abgeschoben. Nun lebt er in Ecuador in Freiheit, während die Staatsanwaltschaft versucht, den Prozess irgendwie zu retten. Dies berichtet unter anderem der «Guardian».
Im Jahr 2022 ereignete sich einer der wohl grössten Raubüberfälle in der Geschichte der USA: Sieben Personen stoppten einen gepanzerten Transporter und stahlen Gold, Diamanten, Rubine, Smaragde und Uhren. Der Wert der Beute wird auf rund 100 Millionen Dollar geschätzt.
In der Folge begann eine lange und aufwendige Ermittlung. Fünf Verdächtige konnten im vergangenen Jahr dann festgenommen werden, unter ihnen Jeson Nelon Presilla Flores. Gegen ihn wurde Anklage erhoben, bei einer Verurteilung drohten ihm bis zu 15 Jahre Haft.
Der Ecuadorianer, der ein US-Aufenthaltsrecht besass, bezahlte eine Kaution und kam auf freien Fuss, während die Prozessvorbereitungen liefen. Im September wurde er dann von ICE festgenommen.
Anwalt erfuhr erst Tage später von Abschiebung
Wie aus den Gerichtsakten hervorgeht, entschied er sich für eine freiwillige Abschiebung nach Chile. Ein Richter lehnte dies ab, erlaubte aber die Abschiebung nach Ecuador. Und so wurde Flores am 28. Dezember in seine Heimat ausgeflogen.
Erst mehrere Tage später erfuhr der Anwalt von Flores von dessen Abschiebung. Er beantragte, das Verfahren endgültig und ohne Option auf Wiedereröffnung einzustellen.
Die zuständigen Staatsanwälte wehren sich dagegen. Sie stimmen der Einstellung zwar zu. Sie wollen aber die Möglichkeit haben, erneut Anklage zu erheben, sollte Flores in die USA zurückkehren. Auch sie hätten nicht gewusst, dass der Angeklagte abgeschoben werden sollte.
Heimatschutzministerium: Ecuadorianer war ausreisepflichtig
Sie sagen aber auch, dass zivilrechtliche Einwanderungsverfahren unabhängig ablaufen müssten, auch wenn ein Strafverfahren hängig sei. «Genau das haben die Staatsanwälte getan. Unwissentlich zum Vorteil des Angeklagten, da er nun einem Prozess und einer möglichen Verurteilung entgeht.»
Gemäss einer Sprecherin des US-Heimatschutzministeriums, dem ICE unterstellt ist, war Flores wegen sexueller Nötigung, Einbruchs, Vandalismus und Raubes vorbestraft. Er sei zwar vor 25 Jahren als Daueraufenthaltsberechtigter eingereist, wegen der Vorstrafen aber ausreisepflichtig geworden.
Die Staatsanwälte im Raub-Fall sagen, dass die Abschiebung auch später hätte durchgeführt werden können. Beispielsweise nach einer möglichen Verurteilung und der Verbüssung der Strafe.
















