Das Widerborstige mit Würde tragen
Charles Linsmayer stellt für den BärnerBär wöchentlich Lesenswertes vor. Dieses Mal: «Es gibt Tage» von Adelheid Duvanel.

«Wenn ich eine Buchhandlung betrete, erschrecke ich. Es gibt so viele Bücher. Ich fühle mich schuldig, weil ich schreibe.»
Adelheid Duvanel, die 1996 starb, aber erst kürzlich mit ihren Erzählungen über von der Gesellschaft Gebeutelte und Missbrauchte neu entdeckt wurde, schrieb das in ihrem «Psychiatriebericht».
Der triste Text von 1981 beendet ein Buch, das «Es gibt Tage» heisst und eine ganz andere Autorin präsentiert: eine satirisch-amüsante, für die «jeder Tag ein Buch voller Bildergeschichten, tragische und komische» ist.
Es sind die Kolumnen «Allzu Privates» aus dem Basler «Doppelstab», ursprünglich publiziert unter dem Pseudonym Martina, und sie sind so unterhaltsam, dass sich deswegen niemand schuldig zu fühlen braucht.

Liebevoll wird da des «Heeres der Einsamen» gedacht, des Wellensittichs, der Liebeskummer hat, werden Wörter wie Wäscheglück karikiert, lernt man eine Tablette ohne Wasser zu schlucken.
Persönliches verrät sie, wenn sie Partys verabscheut, im Schwimmbad auf einen «mit Menschenfleisch garnierten Rasen» stösst oder in den TV-Zuschauern «hypnotisierte glotzende Gespenster» sieht.
Einmal fragt sie sich, ob die «jungen Minirock-Damen ein Kniebewusstsein besitzen», und als Quintessenz aus all dem folgert sie: «Es bleibt uns wirklich nichts anderes übrig, als dieses widerborstige Leben mit Würde zu tragen!»








