50-Tage-Crashkurs: So einfach wird man in den USA ICE-Beamter
Die Todesfälle in Minneapolis werfen ein schlechtes Licht auf die US-Einwanderungsbehörde. Nun ist bekannt: Die Ausbildung zum ICE-Agent dauert nur 50 Tage.

Das Wichtigste in Kürze
- Abschiebe-Beamte in den USA durchlaufen nur eine Grundausbildung von 50 Tagen.
- Die Migrationsbehörde ICE sucht weiter eifrig nach solchen Agenten.
- Durch die Abschiebungen verdienen auch einige Privatfirmen in den USA eine Menge Geld.
Das Entsetzen über das Vorgehen von Trumps Abschiebe-Agenten nimmt in den USA zu. Am Wochenende erschossen Beamte der US-Einwanderungsbehörde in Minneapolis den 37-jährigen US-Amerikaner Alex Pretti.
Wenige Wochen zuvor hatten ICE-Truppen die ebenfalls 37-jährige US-Bürgerin Renee Good erschossen. Beide Male sprach die Regierung von Notwehr der Beamten.
Doch beide Male gibt es Videos, die am Narrativ der Trump-Regierung erhebliche Zweifel aufkommen lassen.
Mittlerweile hat Donald Trump reagiert: Der umstrittene ICE-Chef Gregory Bovino soll Minneapolis bald verlassen.
ICE: 50-tägige Grundausbildung
Dennoch stellt sich immer mehr die Frage, ob die Abschiebe-Trupps von Donald Trump über die nötige Ausbildung verfügen.
Laut ICE-Angaben durchlaufen künftige Abschiebe-Beamte auf einem früheren Militärstützpunkt eigentlich einen 16-wöchigen Crashkurs.
Ausgebildet werden sie demnach im Einwanderungsrecht, in Spanisch oder in polizeilichen Taktiken. Hinzu komme eine Schiessausbildung.
Doch neuste Stellenausschreibungen lassen aufhorchen: Dort ist nur noch von einer 50-tägigen Grundausbildung die Rede, also rund zehn Wochen. Zum Vergleich: In der Schweiz dauert eine Polizeiausbildung zwei Jahre.
Die ICE-Behörde hat aktuell «zahlreiche Stellen» an 25 Standorten ausgeschrieben. Dabei seien Quereinsteiger willkommen, ein Bachelor-Abschluss werde nicht benötigt.
Beamten winken saftige Boni
Der Lohn: Je nach Ausbildung zwischen rund 51'500 und 84'000 US-Dollar (umgerechnet zwischen 40'000 und 65'500 Franken).
Im August 2025 berichtete die Nachrichtenagentur «AP», dass die Zahl der Abschiebe-Beamten von 6500 auf über 10'000 steigen soll.
Laut der US-Journalistin Laura Jedeed ist es zudem ein Leichtes, einen Job als ICE-Agentin zu erhalten: Nach einem 6-minütigen Bewerbungsgespräch habe sie sämtliche Sicherheitsprüfungen nicht bestanden oder entsprechende Unterlagen nicht eingereicht.
Dennoch habe sie Wochen später ein offizielles Job-Angebot erhalten, wie «The Guardian» berichtet.
Laut «Die Zeit» erhalten die ICE-Mitarbeitenden zudem Boni von bis zu 50'000 Dollar (knapp 39'000 Franken). Ohnehin habe die ICE bis 2029 75 Milliarden US-Dollar (rund 58 Milliarden Franken) zur Verfügung.
Gewinnorientierte Firmen betreiben Gefängnisse
Dieses Geld fliesse auch in neue Gefängnisse oder in die Neueröffnung von alten. Und diese würden von gewinnorientierten, privaten Firmen betrieben. Es sollen sich derzeit 65'000 Menschen in den USA in Abschiebe-Haft befinden.
Experten des «Brennan Center for Justice» der US-Universität NYU sprechen von einem «Deportations-Industrie-Komplex», den die US-Regierung schaffe.
Ihnen zufolge erschweren wirtschaftliche Interessen es auch nach Trumps Amtszeit, diesen Komplex wieder abzuschaffen.
Denn: Laut Schätzungen der NGO «National Immigration Forum» erhalten die Unternehmen pro inhaftierte Person Geld – durchschnittlich 152 Dollar pro Tag. Heisst: Mehr Festnahmen steigern die Umsätze.

90 Prozent der Abschiebehaft-Zentren werden von privaten Dienstleistungsunternehmen betrieben. Die grössten darunter sind «CoreCivic» und die «GEO Group». Seit Trumps Amtsantritt haben sie viele neue Aufträge erhalten.
«CoreCivic» verzeichnete im dritten Quartal 2025 beispielsweise ein Gewinn-Plus von fast 25 Prozent, die «GEO Group» rund 20 Prozent. Die beiden Firmen hatten auch kräftig in Trumps Wahlkampf gespendet: Insgesamt fast drei Millionen Dollar laut einer NGO.
Geld durch Abschiebe-Flüge
Auch bei Abschiebe-Flügen sind vor allem Privatunternehmen involviert. Die Organisation «CSI Aviation» führte solche Flüge schon unter Barack Obama durch.
Es handelt sich jedoch nicht um eine demokratische Organisation: Der «CSI Aviation»-CEO spendete ebenfalls über 800'000 Dollar (620'000 Franken) für Trumps Wahlkampf.
Der Konzern erhielt von der aktuellen US-Regierung einen Auftrag für Abschiebeflüge in Höhe von bis zu 586 Millionen Dollar. Das entspricht 455 Millionen Franken.
Noch mehr Geld (fast eine Milliarde Dollar) erhielt «Salus Worldwide Solutions». Die Firma führt Flüge zur sogenannten freiwilligen Ausreise von Menschen ohne US-Aufenthaltsbewilligung durch.
Werbe-Firmen kassieren Millionen mit ICE-Filmen
Auch die Firmen «Safe America Media» und «People Who Think» machen mit der Abschiebe-Politik Trumps viel Geld.
Sie erhielten Aufträge im Wert von rund 220 Millionen Dollar (171 Millionen Franken) vom US-Heimatschutzministerium – ohne ordentliche Ausschreibung.
Dabei handelt es sich um Werbe-Firmen, die der Republikanischen Partei nahestehen. Ihre Aufgabe: ICE-Einsätze wie Actionfilme inszenieren.
Zudem wurde das Geld in die Anwerbung für neue ICE-Mitarbeitende und in Werbung für eine «starke Grenze» im Süden investiert.
Regierung überwacht Menschen mit Gesichts-Scanning-Software
Erwähnen muss man zudem Palantir: Die Software dieser Firma hilft der ICE, Millionen Menschen in Echtzeit zu überwachen. So kann man damit etwa Gesichter scannen, um den Aufenthaltsstatus der Personen zu erhalten.
Diese Software wird zwar auch von anderen Staaten – etwa von Nachrichtendiensten – benutzt. Doch die Führung von Palantir gilt als umstritten.

Mitbegründer Peter Thiel etwa fällt immer wieder mit autoritären und rechten Ideen auf. Zudem ist er ein grosser Unterstützer des Vize-Präsidenten JD Vance.
Ausserdem besitzt etwa der stellvertretende Stabschef im Weissen Haus, Stephen Miller, Palantir-Aktien. Damit profitiert dieser auch direkt von Trumps Migrationspolitik.




























