Der heute 62-jährige Arfroamerikaner sass während 43 Jahren unschuldig in Haft. Nun hat das US-Gericht das Urteil aufgehoben.
Rassismus
Kevin Strickland kommt nach 43 Jahren aus dem Gefängnis. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit 18 Jahren soll er an einer Gewalttat in Kansas City beteiligt gewesen sein.
  • Während 43 Jahren sass der Afroamerikaner unschuldig hinter Gittern.
  • Nun wurde die Verurteilung aufgehoben und der heute 62-Jährige aus der Haft entlassen.

Er sass rund 43 Jahre lang unschuldig in den USA hinter Gittern. Nun hat ein Berufungsgericht im Bundesstaat Missouri die Verurteilung eines heute 62-jährigen Afroamerikaners aufgehoben.

Es gebe klare und überzeugende Beweise, um den Schuldspruch zu annullieren, befand Richter James Welsh Medienberichten zufolge am Dienstag (Ortszeit). Er ordnete die sofortige Freilassung des Mannes an. Diesr wurde 1979 wegen einer Gewalttat mit drei Toten zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.

Hauptzeugin widerruft Aussage

Es gebe keine Beweise, dass er tatsächlich am Tatort gewesen sei. Zudem habe die damalige Hauptzeugin ihre Aussage widerrufen, erklärte der Richter. Staatsanwältin Jean Peters Baker, die sich für die Freilassung eingesetzt hatte, feierte die Entscheidung: «Endlich wird einem Mann Gerechtigkeit zuteil, der wegen eines Fehlurteils auf tragische Weise so sehr gelitten hat.»

Kevin Strickland
Kevin Strickland lächelt, als er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit den Medien spricht. Foto: Rich Sugg/The Kansas City Star/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Der 62-Jährige hatte stets seine Unschuld beteuert. «Ich kann es noch nicht glauben. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag kommen würde.» Dies sagte er Reportern, als er das Gefängnis in der Ortschaft Cameron in einem Rollstuhl verliess.

Der Freigelassene weiter: «Ich bin nicht unbedingt wütend. Es ist viel zu verarbeiten. Freude, Kummer, Angst. Ich versuche herauszufinden, wie ich das zusammenbringen kann.»

Einzige Überlebende setzte sich für Freilassung ein

Der Mann war 1979 von einer nur aus Weissen bestehenden Jury verurteilt worden. Ihm wurde zur Last gelegt, 1978 als damals 18-Jähriger an einer Gewalttat in Kansas City beteiligt gewesen zu sein. Bei dieser wurden vier Menschen angeschossen.

Die einzige Überlebende sagte seinerzeit gegen ihn aus. Später widerrief sie die Aussage und setzte sich, bis zu ihrem Tod 2015, für die Freilassung des Inhaftierten ein. Sie sei damals von einem Polizisten unter Druck gesetzt worden, sagte sie. Auch zwei ebenfalls als Täter verurteilte Männer sagten, er sei nicht beteiligt gewesen.

Gefängnis Zürich
Blick aus dem Fenster in einem Strafvollzug. (Symbolbild) - Keystone

Laut dem National Registry of Exonerations, handelte es sich um eine der längsten unrechtmässigen Inhaftierungen der US-Justizgeschichte. Auf eine Entschädigung habe der Mann jedoch keinen Anspruch, hiess es. Dies wäre nur möglich gewesen, wenn das Urteil aufgrund eines DNA-Beweises aufgehoben worden wäre. Nun läuft eine Kampagne, um Geld für ihn zu sammeln.

Mehr zum Thema:

Tatort Angst Tod Haft Gericht