Die Isla Holbox an Mexikos Karibikküste gilt als Trauminsel. Leider gibt es zunehmend Störfaktoren: eine Algenplage, Drogen und Lärm. Trotzdem reisen?
Strand Sonne Meer Reflex
An den Stränden von Holbox treffen sich viele verschiedene Typen von Reisenden. - Philipp Laage/dpa-tmn

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Insel Holbox gehört zu Mexiko und liegt im Norden von Yucatán, am Karibischen Meer.
  • Sie ist bekannt für ihren 42 Kilometer langen Strand und herrliche Naturparadiese.
  • Algen, Partys und Motoren kontrastieren mit sternenklaren Nächten und inseleigener Stille.
  • Der grösste Inselteil ist unerschlossen und bleibt Garant für traumhafte Ferien.

Vor der Anreise auf die Insel Holbox steht die Frage: Wer kommt überhaupt hierher?

Sind es gut situierte Paare, die romantische Selfies an paradiesischen Stränden schiessen? Sind es gealterte Aussteiger und junge Backpacker, die in rustikalen Bars zum Bier zusammenkommen?

Oder sind es längst die amerikanischen Pauschaltouristen, wie man sie auch in den Ferienzentren weiter südlich antrifft?

Die Isla Holbox liegt im Norden der Halbinsel Yucatán zwischen dem Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer.

Grafik Yucatán Mexiko
Die mexikanische Urlaubsinsel Holbox ist für viele Reisende ein Sehnsuchtsort. Doch Partylärm, Drogen und eine Seegrasplage trüben die Aussichten für so manchen. - dpa-tmn

Sie gilt als tropische Trauminsel, ein Etikett mit Strahlkraft, das im Kopf sogleich Bilder erzeugt – von weissen Stränden, windschiefen Palmen, auch vom Charme eines abgelegenen Ortes.

Und von Ruhe suchenden Zeitgenossen, die diese Kulissen beleben. Nicht von Algenteppichen und Partylärm.

Das Paradies wartet am Ende der Strasse

Die gemächliche Anreise nach Holbox passt zunächst zum Bild, das der Kopf gezeichnet hat. Eine schmale Strasse bahnt sich den Weg durch kleine Dörfer bis zum Meer.

Kurz vor ihrem Ende grasen links der Fahrbahn noch ein paar Kühe in einer Umzäunung, dann folgt eine letzte unfertige Tankstelle wie ein verlassener Weltraumhafen.

Im Küstendorf Chiquilá wartet die Fähre. Hier ist man gefühlt schon weit weg von Cancún und Playa del Carmen, den nahen Zielen des Massentourismus an der Riviera Maya, überlaufen trotz Corona und Omikron-Welle.

Auf dem Deck der Fähre zerzaust der Wind die Haare so gründlich, als wollte er alle Sorgen im Kopf endgültig zerstreuen. Sitzt man ganz aussen, spritzt das Wasser manchmal bis hinauf, sodass man Salz auf den Lippen schmeckt – welch passender Vorgeschmack.

Die Sehnsucht nach der tropischen Trauminsel ist so alt wie der moderne Tourismus. Holbox bringt erst einmal passende Voraussetzungen mit. Das ganze Jahr über ist es tropisch warm.

Die Nordseite des 42 Kilometer langen, aber ganz schmalen Eilands besteht zu grossen Teilen aus einem einzigen Sandstrand.

Vom Festland ist Holbox durch die Yalahao-Lagune getrennt, deren Wasser von den Mangroven dunkel gefärbt ist. Daher der Name Holbox: «schwarzes Loch».

Haus Graffiti lila Somos el Grito de los que ya no tienen voz
Im Zentrum von Holbox dominieren vielerorts Graffitis die Häuserfassaden. - Philipp Laage/dpa-tmn

Im Westen der Insel liegt die einzige Ortschaft, die so heisst wie die Insel selbst. Rund um die zentrale Plaza finden Besucher fussläufig Supermärkte, Geschäfte, Restaurants, Cafés und Bars.

Auf vielen Häuserfassaden wartet Street Art lokaler Künstler darauf, von den Feriengästen in Instagram-Beiträgen verewigt zu werden. Der allergrösste Teil der Insel ist dagegen unerschlossen. Ein Biosphärenreservat schützt die sensiblen Küstenbereiche.

Keine Autos, aber trotzdem Motorenlärm

In nahezu jedem Bericht über Holbox wird gepriesen, dass die Insel autofrei ist – ein Merkmal, das die vermeintliche Ruhe und den entschleunigten Alltag unterstreichen soll.

Tatsächlich fahren auf Holbox keine Autos. Als Taxis fungieren Golfcarts, deren Nutzen direkt einleuchtet.

Ort Strasse Tiendas Kabel
Tagsüber Motoren-, nachts Partylärm: Im Zentrum des Ortes Holbox ist es selten ruhig. - Philipp Laage/dpa-tmn

Doch sobald man einen Fuss auf die Insel setzt, vernimmt man ständig das Knattern ihrer Motoren. Das Idealbild von der angeblich so ruhigen Insel bekommt erste Risse.

Bist du noch Tourist oder schon Aussteiger?

Eine Besonderheit von Holbox: Hier kommen tatsächlich viele Typen von Reisenden auf relativ begrenztem Raum zusammen.

Da sind die Paare auf der Suche nach einem romantischen Liebesnest. Man trifft Backpacker, die auf ihrer Mexiko-Rundreise einmal durchatmen wollen. Hipster mit Rollkoffer und ökologischem Bewusstsein, die einen guten Flat White zu schätzen wissen.

Und da sind junge Frauen und Männer aus Europa und den USA, die mehrere Wochen bleiben, in den Cafés jobben und unter Mexikos Sonne immer schöner werden.

Sie alle haben auf Holbox im Grunde nicht viel zu tun. Die Zahl der möglichen Aktivitäten ist angenehm begrenzt. Man kann hinunter zum Punta Cocos spazieren oder in anderer Richtung am Strand über eine grosse Sandbank bis zum Punta Mosquito.

Sonnenuntergang Lancha Meer Palmen
Ein Hauch von Trauminsel: Sonnenuntergang über der mexikanischen Insel Holbox. - Philipp Laage/dpa-tmn

Das grosse Naturspektakel auf Holbox sind die Walhaie, die sich auf Bootstouren und Tauchgängen bestaunen lassen.

Allerdings nur in der Nebensaison, im regnerischen Sommer. Die nicht asphaltierten Sandpisten können dann oft komplett überschwemmt sein, was mitunter durchwachsene Reiseberichte nach sich zieht.

Die Algenplage lässt sich nicht ignorieren

Die naheliegendste Aktivität auf Holbox ist sicherlich das Nichtstun am Strand. Wie es sich für eine Trauminsel gehört. Doch der ikonische Sehnsuchtsort hat ein Problem, das kaum zu lösen ist.

Seit einigen Jahren schwimmt im Ozean das grösste Braunalgen-Feld der Erde, der sogenannte Grosse Atlantische Sargassum-Gürtel.

Seegras Algen Strand braun
Ein echt übel riechendes Problem: Seegras bedeckt an der Playa Holbox grosse Flächen des Sandes. - Philipp Laage/dpa-tmn

Das Seegras landet an vielen Stränden der Karibik in so grosser Menge, dass man es oft kaum abtransportieren kann. Es hat einen leicht fauligen Geruch. Holbox ist ebenso betroffen.

Die mexikanische Regierung hat schon viel Geld in die Beseitigung gesteckt, doch es ist eine beispielhafte Sisyphos-Arbeit: Man ist nie fertig.

Party bis zum Morgengrauen

Und dann gibt es auf Holbox noch etwas, das nicht ganz zum Image eines noch immer beschaulichen Ferienparadieses passt: Party, Rausch und Drogen. Auf Holbox wird gefeiert. Wenn man will, jede Nacht.

Das Partytreiben im Zentrum kann die Erwartungen an Holbox enttäuschen. Manch einer sucht vor allem Ruhe, doch das gewählte Hotel liegt neben einer Bar mit lauter Musik bis weit in die Nacht.

Um solche Fehlgriffe zu vermeiden, empfehlen sich die Rezensionen anderer Reisender auf den Buchungsplattformen.

Strand Palmen Meer Hütten
Wenn das Abendlicht über der Playa Holbox hereinbricht, kann man fernab des Zentrums ruhige Momente geniessen. - Philipp Laage/dpa-tmn

Spaziert man abends über die Sandwege vom Ort weg und hinein in die Botanik, verschwindet das künstliche Licht schnell.

Der Himmel sieht plötzlich aus wie ein pechschwarzer Teppich voller funkelnder Perlen. Stille liegt über der Landschaft, kaum ein Laut ist zu hören.

Früher sei die Insel ruhig gewesen, erzählt die Verkäuferin eines Souvenirgeschäfts. Heute gebe es zu viel Lärm.

Und die Expansion hält an. Zahlreiche Bauprojekte im Südwesten der Insel zeugen davon, dass der Tourismusboom noch längst nicht zu Ende ist.

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