Gesundheit Aargau: «Plötzlich stand einfach alles still»
Husten, Atemnot und Gewichtsverlust verändern das Leben von Herrn K. grundlegend. Mit 35 Jahren erhält er am KSA die Diagnose Lungenkrebs.

Das Wichtigste in Kürze
- Mit nur 35 Jahren erhält Herr K. die Diagnose Lungenkrebs.
- Eine seltene genetische Veränderung eröffnet ihm eine gezielte Behandlung.
- Heute ist seine Erkrankung stabil und er findet Schritt für Schritt zurück ins Leben.
Erste Beschwerden werden immer stärker
Herr K. ist 35 Jahre alt, sportlich und Nichtraucher. Als er im November 2024 anhaltend zu husten beginnt, macht er sich zunächst keine grossen Sorgen. Er vermutet, dass die Beschwerden mit dem Stress bei der Arbeit zusammenhängen. Doch der Husten verschwindet nicht. Mit der Zeit kommen Würgereiz, Atemnot, starke Erschöpfung und ein deutlicher Gewichtsverlust hinzu.
Sein Alltag wird zunehmend schwieriger. Herr K. fühlt sich immer kraftloser und verbringt viel Zeit zu Hause auf dem Sofa. Obwohl er verschiedene Abklärungen durchführen lässt, bleibt zunächst unklar, was hinter seinen Beschwerden steckt.
Schliesslich rät ihm seine Osteopathin, sich nochmals gründlich untersuchen zu lassen. Seine Hausärztin veranlasst daraufhin ein Computertomogramm und überweist ihn an das Kantonsspital Aarau.
Eine Diagnose, mit der niemand gerechnet hat
Am KSA vermuten die Fachpersonen zunächst eine Tuberkulose. Um die Ursache der Beschwerden genauer zu untersuchen, wird eine Lungenspiegelung durchgeführt. Dabei entnimmt Prof. Dr. med. Hans-Joachim Kabitz, Chefarzt Pneumologie und Schlafmedizin, Gewebeproben aus der Lunge.
Bereits am nächsten Tag erhält Herr K. die Diagnose, mit der weder er noch sein Umfeld gerechnet haben: Lungenkrebs.
«Es hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen. Plötzlich stand einfach alles still», erinnert er sich.

Gerade bei jungen Menschen ohne bekannte Risikofaktoren wird häufig nicht als Erstes an Lungenkrebs gedacht. Der Fall von Herrn K. zeigt jedoch, dass die Erkrankung auch jüngere Menschen sowie Nichtraucherinnen und Nichtraucher treffen kann.
Eine seltene genetische Veränderung
Die weiteren Untersuchungen ergeben, dass Herr K. an einem sogenannten ALK-positiven Lungenkarzinom leidet. Dabei handelt es sich um eine seltene Form von Lungenkrebs, bei der die Krebszellen eine bestimmte genetische Veränderung aufweisen.
Zum Zeitpunkt der Diagnose hat sich die Erkrankung bereits bis ins Gehirn ausgebreitet.
Um herauszufinden, welche Behandlung für Herrn K. infrage kommt, werden die entnommenen Gewebeproben umfassend untersucht. Dabei spielen nicht nur die Grösse und die Ausbreitung des Tumors eine Rolle. Entscheidend sind auch die biologischen und genetischen Eigenschaften der Krebszellen.
Erst diese genaue Analyse zeigt, dass Herr K. mit einem zielgerichteten Medikament behandelt werden kann.
Gemeinsam zur passenden Behandlung
Der Fall von Herrn K. wird im Lungenkrebszentrum des KSA von verschiedenen Fachpersonen gemeinsam beurteilt. Spezialistinnen und Spezialisten aus der Pneumologie, Onkologie, Thoraxchirurgie, Radioonkologie, Radiologie, Pathologie und Nuklearmedizin besprechen die Befunde und legen die nächsten Behandlungsschritte fest.

Diese enge Zusammenarbeit ist besonders wichtig, weil Lungenkrebs nicht bei allen Patientinnen und Patienten gleich verläuft. Die Behandlung muss deshalb individuell auf die betroffene Person und die Eigenschaften des Tumors abgestimmt werden.
Durch den interdisziplinären Austausch können Untersuchungen, Therapien und Kontrollen koordiniert geplant werden. Patientinnen und Patienten werden während der verschiedenen Phasen ihrer Erkrankung von einem spezialisierten Team begleitet.
Zielgerichtete Therapie statt Chemotherapie
Nach der Diagnose rechnet Herr K. zunächst mit einer klassischen Chemotherapie. Die genetische Untersuchung zeigt jedoch, dass er mit dem Medikament Lorlatinib behandelt werden kann.
Dieses nimmt er täglich in Tablettenform ein. Der Wirkstoff greift gezielt in jene Vorgänge ein, welche das Wachstum der genetisch veränderten Krebszellen fördern.
Für Herrn K. ist diese Nachricht zunächst eine grosse Erleichterung. Trotzdem verläuft seine Behandlung nicht ohne Schwierigkeiten. Aufgrund schwerer entzündlicher Veränderungen muss er operiert werden. Dabei entfernen die Thoraxchirurgen entzündetes und geschädigtes Gewebe aus dem Bereich der Lunge.
Insgesamt verbringt Herr K. fünf Wochen stationär im Kantonsspital Aarau. Die Zeit ist für ihn körperlich und emotional sehr belastend. Gleichzeitig fühlt er sich durch das Behandlungsteam gut begleitet.
«Ich hatte das Gefühl, in guten Händen zu sein», sagt er rückblickend.
Schritt für Schritt zurück in den Alltag
Unter der laufenden Therapie kann die Tumorlast deutlich reduziert werden. Heute ist die Erkrankung stabil.
Herr K. nimmt weiterhin täglich sein Medikament ein und geht regelmässig zu Kontrolluntersuchungen. Mittlerweile arbeitet er wieder mit einem Pensum von 40 Prozent und findet schrittweise zurück in seinen Alltag.
Ganz so wie vor der Diagnose ist sein Leben jedoch nicht mehr. Die Erkrankung hat seine Sicht auf viele Dinge verändert. Er versucht heute, besser auf sich selbst zu achten und seine Energie bewusster einzusetzen.
Ruhe, Zeit in der Natur, seine Hündin und die Menschen in seinem persönlichen Umfeld sind für ihn wichtiger geworden.
«Ich bin dankbarer geworden», sagt Herr K. Er möchte sich weniger über Kleinigkeiten ärgern und schöne Momente bewusster wahrnehmen.
Moderne Behandlungsmöglichkeiten geben Hoffnung
Die Geschichte von Herrn K. zeigt, wie plötzlich eine schwere Erkrankung das Leben verändern kann. Sie macht aber auch deutlich, welche Möglichkeiten die moderne Medizin heute bietet.
Dank der präzisen Diagnostik und der engen Zusammenarbeit im Lungenkrebszentrum des KSA konnte für Herrn K. eine Behandlung gefunden werden, die auf die Eigenschaften seines Tumors abgestimmt ist.
Neben Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien können heute je nach Tumorart auch Immuntherapien oder zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist eine genaue Untersuchung des Tumorgewebes.
Nicht alle Patientinnen und Patienten kommen für eine zielgerichtete Behandlung infrage. Die Therapie wird deshalb individuell auf die Erkrankung und den Gesundheitszustand der betroffenen Person abgestimmt.
Beschwerden ernst nehmen
Anhaltender Husten ist häufig harmlos. Bleibt er jedoch über mehrere Wochen bestehen oder kommen Beschwerden wie Atemnot, ungewollter Gewichtsverlust, Blut im Auswurf, Nachtschweiss oder eine ungewöhnlich starke Erschöpfung hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Der Fall von Herrn K. erinnert daran, auf den eigenen Körper zu hören und länger anhaltende Beschwerden ernst zu nehmen.
Gleichzeitig gibt seine Geschichte Hoffnung: Auch nach einer unerwarteten Diagnose können moderne Therapien, ein spezialisiertes Behandlungsteam und persönliche Unterstützung dabei helfen, Schritt für Schritt ins Leben zurückzufinden.
Im Film: Der Weg von Herrn P.
Im Video erzählt Herr P. von seiner Diagnose, dem Gefühl des Kontrollverlusts und seinem Weg zurück in den Alltag.
Fachpersonen des KSA Lungenkrebszentrums zeigen, wie Gewebeproben, moderne Bildgebung und das Tumorboard zur passenden Behandlung beitragen. Zudem erklären sie, welche Rolle Operation, Chemo-, Immun- und Physiotherapie spielen und warum die interdisziplinäre Zusammenarbeit für Patientinnen und Patienten so wichtig ist.
Den Film und weitere Informationen zum Lungenkrebszentrum des KSA finden Sie unter:













