Werden Flüge teurer, je öfter ich danach suche?
Häufiges Suchen soll Flugpreise steigen lassen. Travelnews erklärt, was an diesem Mythos dran ist.

Wer regelmässig bei Airlines oder Online-Portalen nach den besten Flugpreisen sucht, wird den Verdacht nicht los, dass die Preise nach mehrmaliger Suche ansteigen.
Der Fall scheint klar: Das Buchungsportal oder die Airline registriert das Interesse über Cookies und treibt den Preis gezielt in die Höhe, um Verkaufsdruck zu erzeugen.
Doch stimmt diese Theorie des «Personalisierten Dynamischen Pricings»? Und wie unterscheidet sich die Buchung im Reisebüro von der eigenen Online-Suche, wenn es um solche Preissprünge geht? Travelnews hat nach Antworten gesucht.

Fluggesellschaften nutzen zwar hochkomplexe Algorithmen zur Preisgestaltung, diese reagieren jedoch auf die globale Gesamtnachfrage und nicht auf das Browser-Protokoll eines einzelnen Flugsuchenden, geht aus Amadeus- und IATA-Informationen hervor.
Fluggesellschaften unterteilen jeden Flug in verschiedene Buchungsklassen innerhalb derselben Beförderungsklasse.
Für einen Flug von Zürich nach New York gibt es also nicht den einen Economy-Preis, sondern oft 10 bis 15 verschiedene Tarifstufen – von extrem günstig (stark eingeschränkt, kein Gepäck) bis hin zum teuren Flex-Tarif. In jedem Topf befindet sich nur eine sehr begrenzte Anzahl an Sitzplätzen.
Wenn jemand auf einer Website den Buchungsschritt einleitet, blockiert das System diese Plätze oft für einige Minuten im Kontingent.
Ist der günstigste Tarif-Topf durch parallele Zugriffe anderer Nutzer (oder automatisierte Suchabfragen von Reise-Suchmaschinen) plötzlich ausverkauft oder vorübergehend blockiert, springt das System automatisch in die nächsthöhere, teurere Buchungsklasse.

Wer die Seite neu lädt, sieht nun den höheren Preis des nächsten Tariftopfs. Dass man selbst der Einzige war, der gesucht hat, stimmt auf globalen Flugmärkten fast nie.
Löscht man die Cookies, bringt das meist gar nichts – ausser, dass man eventuell in einer neuen Session landet, während der günstigere Tarif durch eine abgebrochene Fremdbuchung zufällig wieder freigegeben wurde.
Vorteil Reisebüro
Reisebüro-Profis wiederum nutzen professionelle Global Distribution Systems (GDS) wie Amadeus, Sabre oder Travelport. Diese Schnittstellen greifen völlig anders auf die Flugdatenbanken zu als herkömmliche Consumer-Websites.
Der Reiseberater erkennt im GDS nicht nur einen Preis, sondern sieht exakt, wie viele Plätze in welcher spezifischen Buchungsklasse (z. B. Klasse K, L oder T) noch verfügbar sind.
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Er kann auf einen Blick feststellen, ob der Preis gerade gestiegen ist, weil ein günstiger Topf leergelaufen ist, oder ob es sich um eine temporäre System-Sperre handelt.
Wer auf Online-Portalen sucht, sollte sich merken: Sofort buchen und zahlen, sonst ist der Preis weg. Das Reisebüro hingegen kann über das GDS für viele Tarife eine sogenannte Option legen.
Der Sitzplatz wird im günstigsten verfügbaren Tariftopf fest für den Kunden reserviert. Oft für 24 bis 72 Stunden, manchmal sogar länger.
Während dieser Bedenkzeit kann der Preis für diesen konkreten Kunden nicht mehr steigen, selbst wenn die Airline den Flug in der Zwischenzeit verteuert oder ausverkauft.
Zudem haben Reisebüros oft Zugriff auf sogenannte Consolidator- oder Tour-Operator-Tarife, die im Paket an Landleistungen (Hotel/Mietwagen) gebunden sind. Diese unterliegen ganz anderen Preislogiken als der reine Online-Direktvertrieb und sind von kurzfristigen Preisschwankungen im Netz komplett abgekoppelt.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.
Dass Online-Preise bei mehrfacher Suche steigen, ist selten böse Absicht oder Cookie-basiert, sondern das Resultat von globalem Wettbewerb um die günstigsten Plätze in Echtzeit. Das Reisebüro schützt Kunden vor diesem Stress, indem es Tarife vorübergehend «einfrieren» kann.








